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Eine ganz normale Demonstration...
23.1.2016


Rechtsextreme, putinnahe Verbände und Ordner, die wirken wie aus dem Kriminellen-Milieu, protestieren Hand in Hand  gegen sexuelle Gewalt durch  Flüchtlingen und die angebliche Vergewaltigung einer 13-Jährigen – und keine Alarmzeichen klingeln hierzulande, keine Gegendemo, kein breites Medienecho. Dabei ist die Aktion m.E. erst der Anfang – weitere werden folgen. Und auch weitere schlagzeilenträchtige „Gewalttaten“ von Flüchtlingen. Ziel: Die Stimmung soll kippen. Damit das nicht klappt, müssen wir hinsehen.


 
Die Demo ist direkt am Zaun zum Kanzleramt (laut einem Polizisten „unüblich, normal darf man nicht ganz so nah ran zum demonstrieren). Es sind die Details, die entscheidend sind: Der Herr mit der Boxernase, der mit zwei Leibwächtern kommt, und bei dem alle sofort ehrerbietig zur Seite schreiten oder Bericht erstatten. Einer der Organisatoren gibt per Funk Anweisungen: „Jetzt die Jungs bitte, die für die Disziplin zuständig sind“. Die Plakate wirken sehr einheitlich, alle sind wie mit einer Schrift gemacht. „L…helfen“, steht da –  mit dem Namen des angeblich vergewaltigten Mädchens aus Berlin. Als ob ihr die Namensnennung nicht noch weiter schaden würde. Es sind keine gekauften Demonstranten wie in Moskau, die Leute sind aus eigenem Antrieb da, haben Sorgen. Sind aufgehetzt von der russischen TV-Propaganda, die sie hier in Deutschland konsumieren. Umso straffer die Organisation. Als einer der Organisatoren seinen Geldbeutel aufmachte, um seine Visitenkarten herzugeben, waren zwei Zentimeter dicke 100-Euro-Scheine zu sehen.


 
Aus Polizeikreisen hieß es, dass – gefühlt - die Mehrzahl der Beamten mit den Demonstranten bzw. ihren Losungen sympathisieren – eine nicht repräsentative Momentaufnahme, hoffentlich eine falsche. Einer der Organisatoren kündigte in einem Interview einen Bürgerkrieg in Deutschland an. Heinrich Groth, der sich "Führer" der Russlanddeutschen nennt, zu den Demonstranten: "Ich denke, dass unsere Kundgebung heute ein Schritt sein wird, dass die deutsche Regierung von ihren Debatten zu realistischen Änderungen kommt. Wenn nicht müssen wir alles selbst ändern!"



Milen Radev, bekannter bulgarischer Blogger, hat seine Eindrücke so gut zusammengefasst, denen man nichts hinzuzufügen kann (siehe unten). All das hätte ich gerne in unseren Medien gelesen. Etwa in der Tagesschau, auf heute.de oder tagesschau.de.  Aber da ist nur von „Märschen zur Verteidigung der Freiheit“ die Rede, selbst von einem Schneesturm in den USA. Dafür berichtet das russische Fernsehen ganz groß, als erste Meldung in den Abendnachrichten, fünfeinhalb Minuten lang – und immer noch ist von einer Gruppenvergewaltigung die Rede, während Moskaus Auslandsmedien diese Version bereits haben fallen lassen. Der gleiche Reporter ist zu sehen, gegen den Anzeige wegen Volksverhetzung erstattet wurde. „Augenzeugen“ berichten von sexueller Gewalt – und klagt über eine Hetzjagd auf ihn – in Berlin. Millionen Russischsprachiger in Deutschland sehen das – und viele werden auch bemerken, dass es im deutschen Fernsehen nicht läuft.



Milen Radev: „Einige auffällige Gruppen die sich teilweise durchmischten: kräftige, lockergekleidete kampfsportgestählte deutsche Zuhälter-/Rockertypen und ebensolche russische Mafiafiguren. Dazu die tschetschenischen (kadyrowschen) Fußvolkgestalten und einige feine Herren in Mantel, Schal und Krawatte von der Art "Russische Botschaftsangehörigen" am Rande. Das alles vor dem Hintergrund von "Merkel muss weg!"-Rufen, von antiamerikanischer Hetze und von (wörtlich) Forderungen "Wir brauchen ein anderes System hier, eine andere Politik!". Und der ganze Spuk direkt vor dem Tor des Bundeskanzleramtes! Und dazu einzelne stadtbekannte Pegi-/Bergidisten mit wirrem Blick und wehender deutscher Flagge. Auffällig: keine einzige russische Flagge und keine Schilder und Spruchbänder auf russisch! Alles ganz loyal, voller Sorge um Deutschland obwohl schätzungsweise die Hälfte keine Spur von deutschen Wurzeln aufweisen könnte.“
 


P.S.: Albrecht Kolthoff: Die beiden Springerstiefel-Herrschaften im Dress von Donbass-Terroristen waren bei der Demonstration am Samstag vor dem Bundeskanzleramt nicht allein: Beobachter sahen dort rund 100 Männer dieser Sorte in regelmäßigen Abständen am Rand der Kundgebung unauffällig verteilt.

Video mit den Herren mit den Springerstiefeln
 
Deutsche Berichte zur Demo:
Berliner Morgenpost
Berliner Zeitung
Spiegel Online
Tagesspiegel
RBB


Der oben erwähnte russische TV-Bericht
 

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