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10.000 Migranten protestieren gegen Migranten
24.1.2016


Sich selbst sehen viele der Demonstranten als Patrioten, die laut aussprechen, was Medien, Polizei und Politiker aus falsch verstandener Angst vor Nazi-Vorwürfen sich nicht trauen würden zu sagen. Er habe den Eindruck, dass Russland „derzeit demokratischer als Deutschland“ sei, sagte ein Demonstrant. „Wir müssen unsere Mädchen und jungen Frauen beschützen“ – so begründete eine Teilnehmerin in Augsburg ihre Teilnahme.
„Die können sich nicht integrieren und akzeptieren hiesige Werte nicht, anders als wir“ sagte der Mann, der zum Schutz der "deutschen und christlichen Eigenschaften" vor Muslims aufrief. Die Anwesenden und die Organisatoren sprachen Russisch miteinander....

Die Demonstranten zeigten Plakate, auf denen u.a. stand „Frieden für unsere Kinder“ und „Merkel tritt zurück. Nirgends waren russische Fahnen zu sehen, vieles an den Aktionen in den unterschiedlichen Städten wirke auffällig synchron, wie gesteuert. Kreml-Kritiker vermuten Netzwerke der russischen Botschaft bzw. des KGB-Nachfolgers FSB hinter den Aktionen - da Putins ständig dem Westen vorwirft, Demos in anderen Ländern anzuzetteln und die russische Sicherheitsdoktrin darin besteht, das auch zu tun, ist diese These alles andere als abwegig.

In Bremerhaven demonstrierten 200 Menschen gegen Fremdenfeindlichkeit; es kaum zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit einer Gruppe von Gegendemonstranten, die laut Polizei vor allem Russlanddeutsche waren. Ein Mann musste ins Krankenhaus. In Bonn kam es zu Rangeleien zwischen Polizeibeamten und Demonstranten.

 
Es gibt viele Anzeichen, dass die Aktionen von Moskau gesteuert sind. Auffällig ist auch das Fehlen deutscher Fahnen, Plakate, Luftballons etc. sind, sofern vorhanden, gelb. Die Einladungen in den unterschiedlichn Städten waren weitgehend identisch. Die vom Kreml gesteuerte Zeitung "Sowerschenno sekretno" schreibt: "Das russische Deutschland erhebt sich zur Verteidigung des toleranten Europas". Im Sender REN heißt es: "Merkel wurde (von den Demonstranten) erklärt, was in Deutschland nach der Vergewaltigung einer 13-Jährigen durch eine Masse von Migranten passiern wird." Dabei ist erneut von einer 30-stündigen Vergewaltigung des Berliner Mädchens durch Araber die Rede - obwohl diese Vorwürfe selbst der Anwalt der Familie zurückgezogen hat. Der "Erste Kanal" berichtete, in Deutschland seien nach Regierungsangaben 600.000 Migranten spurlos verschwunden.

In den deutschen Medien finden die Hass schürenden Lügenberichte aus Moskau jetzt endlich Wiederhall. Heute lief ein großer Artikel bei dpa. Sehr zu empfehlen ist ein Blogbeitrag von Jürgen Roth über die Entwicklung einer kriminellen Parallelgesellschaft unter Russlanddeutschen. Das ist das Milieu, in dem Putins Aufwiegler und Propagandisten jetzt fischen. Roth: „Das ist wichtig, weil sich hier das spiegelt, was heute über Flüchtlinge in Bezug auf Kriminalität behauptet wird.“

 
Albrecht Kohlthoff hat die Meldungen aus der ganzen Republik analysiert und insgesamt 10.000 Demonstranten gezählt. Das ist beunruhigend. Das darf man nicht auf die leichte Schuler nehmen. Aber man kann die Zahl auch optimistisch interpretieren: 10.000 Protestierende - das bedeutet auch, dass die große Mehrzahl der bis zu sechs Millionen Russischsprachigen in Deutschland sich von der Moskauer Propaganda im Fernsehen nicht derart aufstacheln lässt, dass sie auf die Straße geht. Viele Russlanddeutsche leiden sehr unter dem, was geschieht, und fürchten, jetzt mit denen in einen Topf geworfen zu werden, die sich radikalisieren lassen. Wir alle sollten uns vor Pauschalurteilen hüten. Und genauso wenig von „den Russlanddeutschen“ sprechen wir wollen, dass andere von „den Deutschen“ sprechen, wenn hierzulande Flüchtlingsheime brennen.



Alexander Kaufmann berichtet:
"In Frankfurt am Main hat die Kremlpropaganda wohl nicht sehr gut funktioniert. Und das ist auch gut so :-) Auf einer unangemeldeten (!) Kundgebung versammelten sich maximal 30 Personen. Sie waren ruhig und hatten keine Agitationsmaterialien mitgebracht."

Im Schwäbischen Ellwangen sind rund Tausend Menschen, vornehmlich Russlanddeutsche, unangemeldet zur Landeserstaufnahmestelle gezogen und haben gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung demonstriert. Auch hier wurden die gleichen Slogans skandiert: "Merkel muss weg“ und „Schützt unsere Kinder“. Ralf Würfel schreibt: Auch in Bielefeld hatten wir so eine (unangemeldete) Demo vor dem Ratshaus mit teils extrem aggressiven Nationalisten, Antidemokraten, Schwulenhasser. Auf dem Kölner Bahnhofsvorplatz: kam es zu einem Großeinsatz: Die Polizei setzte 200 rechte Demonstranten fest. Die Gruppe aus Russen und Russland-Deutschen hatte sich einer Pro-Köln-Demonstration angeschlossen.

Parallel
dazu wies heute Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Russland eine Schlüsselrolle zu, um Frieden zu schaffen und so auch die Flüchtlingskrise zu entschärfen. Der klassische Irrsinn: Die Biedermänner wollen den Brandstifter als Feuerwehrmann rufen.


Albrecht Kolthoff: Zwischenbilanz nach Bundesländern: Ganz starker Schwerpunkt in Süddeutschland. Nur in den beiden Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern sind mehr als die Hälfte aller Demonstranten auf die Straße gegangen.
(Stand 24.1.16)
BE 700
BW 3475
BY 2410
HB 300
HE 540
HH 600
NI 500
NW 1670
Gesamt: 10195


Quellen:
Augsburger Allgemeine
Hasepost

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