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Krank oder nicht krank?
Moskau, 28.8.2014


ÜBERSETZUNG: "Ich habe mir die nächtliche Pressekonferenz von Putin angeschaut. Ja, natürlich, das ist wirklich er selbst, kein Doppelgänger. Von Zeit zu Zeit passt sich die Mimik ganz genau dem Sinn des Gesagten an. Schauen Sie mal, wie auf Bild Nr. 5, seine Augen beginnen deutlich zu schielen, und auf Bold Nr. 6 zuckt er mit einigem Unverständnis mit den Achseln. Und all das zu den Worten „Ein Waffenstillstand ist eine innere Angelegenheit der Ukraine selbst, das ist nicht unsere Sache“. Tatsächlich, wie soll man bei solchen Worten nicht schielen und mit den Achseln zucken?

Aber dennoch: Irgendwas stimmt nicht mit ihm. In den meisten Situationen passen sein Zucken und seine Grimassen nicht. Mir kommt ein dunkler Verdacht, warum man seine Rede auf der Krim nirgends übertragen hatte. Offensichtlich kann man ihn jetzt nicht mehr in jeder Situation und mit jeder beliebigen Kamera zeigen. Diese Bilder hier wurden als Screenshots von der Live-Übertragung gemacht, die nachts von Rossija-24 ausgestrahlt wurde. Doch jetzt bringen alle Kanäle, Rossija-24 selbst eingeschlossen, völlig andere Bilder von dieser Presseokonferenz, aufgenommen von einem ganz anderen Standpunkt aus (es handelt sich um den protokollarischen Videomitschnitt, zu sehen auf der Kreml-Seite). Vielleicht muss man Putin wirklich mal behandeln und auskurieren, statt ihn von einer Reise auf die nächste zu senden. Doch er hat niemanden in seiner Nähe, der ihm das ehrlich raten könnte."

Großen Dank für die Übersetzung an Ronja Ukrainka

P.S.: Die Vorwürfe in den Reaktionen zu dieser Statusmeldung finde ich nicht verständlich. Es handelt sich hier lediglich um die Übersetzung eines Kommentars von einer der bekanntesten russischen Journalistinnen zu einem Thema, das in Russland viel diskutiert wird. Ich habe diese Übersetzung völlig unkommentiert hier veröffentlicht. Wenn man das in Russland lesen und diskutieren kann, muss es auch hier möglich sein. Ganz abgesehen davon, dass der Gesundheitszustand der Staatsführung seit Sowjetzeiten eines der wesentlichen Themen in Russland war, auch unter Jelzin.

Der Gesundheitszustands Putins kann, so traurig das ist, ganz entscheidenden Einfluss haben auf den Fortgang der Geschichte. Eben weil er sich diktatorische Vollmachten zugelegt und die Institutionen entmachtet hat; er hat selbst ein System geschaffen, in dem sein Gesundheitszustand um ein vielfaches entscheidender ist als etwa der von demokratischen Staatsmännern. Insofern ist es legitim, dass sein Gesundheitszustand auch stärker im Mittelpunkt steht (obwohl das etwa auch in den demokratischen USA der Fall ist).

Original auf Russisch: https://www.facebook.com/elena.rykovtseva/posts/283415888527228
(5 Fotos)

Und hier die Fortsetzung: Ist Putin krank?

Boris Reitschuster hat die Übersetzung eines entsprechend pointierten Beitrages einer russischen Kollegin von Radio Free Europe auf seine Seite gestellt. Ruprecht Polenz findet dort in einem Kommentar, das diskreditiere Boris' Berichterstattung.

Hier zeigt sich einmal mehr, wie pathologisch "vorsichtig" wir im Westen gegenüber den Kreml-Wahnsinnigen über die Jahre geworden sind. Die Spekulationen über Putins Gesundheitszustand sind ja weder neu, noch unseriös. Und man darf im Angesicht des offenkundigen Moskauer Irrsinns durchaus in alle Richtungen Vermutungen anstellen. Man muss es sogar, wenn man nicht den Verstand und den Glauben an die Vernunft verlieren will.

Was diese kriminelle Kreml-Gang in ihren öffentlichen Äußerungen seit nun mehr sechs Monaten treibt, ist eine klassische Neurotisierung des Umfeldes: Der Patient macht seine Umgebung mit vollkommen selbstbewusstem, aber umso durchgeknallterem Verhalten so lange rammdösig, bis sich niemand mehr normal benehmen kann, weil die Leute anfangen an sich selbst (und natürlich an den USA ) zu zweifeln, bevor sie in Frage zu stellen wagen, was der Irre in ihrer Mitte tut.

Ein normales Umfeld-Verhalten in der gegebenen Situation wäre es, wenn irgend jemand Putin und Lawrow endlich mal fragen würde, ob sie eigentlich noch alle Latten am Zaun haben mit ihrem clownesken Kindergartenprogramm für besonders Blöde. Und man sollte ihnen auch dringend sagen, dass sie früher aufstehen müssen, wenn sie mit dieser mörderischen Schmierentragödie irgend jemanden verscheißern wollen.

Dass man *dadurch* dann einen Atomkrieg auslöst, mag glauben, wer bereits rettungslos in die eigene stark beschädigte Vorstellungswelt vernarrt ist.
*Falls* Putin mit dem Mittel des regional begrenzten Nuklearschlages kalkuliert (was der eine oder andere Kreml-Kenner durchaus nicht ausschließt), wird er sowieso keine Ruhe geben, bis er hat, was er will. Und es wäre ihm sehr zu missgönnen, würde er bis dahin annehmen, sein Krieg gegen Freiheit, Frieden, Recht und Vernunft bliebe unbemerkt, die tumben KGB-Methoden seien gar erfolgreich.





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