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Moskau,22.05.2014


„Deutschland ist besetzt, Europa braucht einen nationalen Befreiungskampf gegen die US-Hegemonie“, fordert Alexander Dugin, Putin-Berater und Vordenker in Russlands Staatsmedien - in einer beängstigenden und sehr wichtigen ZDF-Doku über Moskaus „Eurasien“-Projekt: „Mit seiner eurasischen Ideologie legitimiert Moskau seinen imperialen Expansionskurs – ein Gegenmodell gegen die internationale Ordnung, der sich Moskau nicht mehr unterordnen will."
Der Kern der Eurasien-Idee: „Russland ist ein ausgewählter Kontinent, der sich im ewigen Kampf mit dem Westen um die Weltherrschaft befindet, und nur ein autoritärer Staat kann in der Auseinandersetzung bestehen.“ - „Totaler Staat, Expansion ohne Grenzen“ – ausgerechnet Karl Schmitt, den führenden Juristen der Nazis, macht Putin-Freund Dugin - allgegenwärtig im Staatsfernsehen - zu seinem Kronzeugen. Der Historiker Timothy Snyder warnt: „Wir haben es hier mit einem fundamental anderen Denkmodell zu tun. Ein Modell, dessen Referenz die internationalen Beziehungen Deutschlands zwischen 1933 und 1945 sind. Schmitt und andere hielten das Völkerrecht für bedeutungslos. Das einzige, was real war, waren Rassen und die Macht, die sie ausüben konnten. Diese Denkweise führt sie direkt zu Dugin. “ Das Feindbild der Eurasier – die USA und die liberale Demokratie – für sie sind sie das Grundübel Europas, so Snyder: „Putin will nicht nur die Wahlen in der Ukraine verhindern, er will auch die Wahlen in Europa gewinnen. Putin gibt mittlerweile offen zu, dass er auf der Seite der europäischen Neonazis, der Faschisten und der Rechtspopulisten steht. Und die werden sehr erfolgreich sein. Das ist eine bewusste Strategie Putins, um die EU zu kapern, sie zu destabilisieren, und von innen heraus zu zerstören.“
Das Video - sechs SEHR gut investierte Minuten:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2151478/Putins-Eurasien---Die-Ideologie...?setTime=50.779#/beitrag/video/2151478/Putins-Eurasien---Die-Ideologie

 

 

Wie Demos gegen Sozialabbau und gegen die Diskriminierung von sexuellen Minderheiten in Italien im russischen Fernsehen zu Aktionen gegen antirussische Medien-Manipulationen in Europa wurden, wie der Selbstmord einer 14-Jährigen instrumentalisiert wurde und eine Mutter, die ihren Sohn bei Kämpfen in der Ostukraine verlor, als falsche Kronzeugin missbraucht wird: Die neuesten Propaganda-Beispiele sind nachzulesen auf O-Ton Moskau
Link auf die Seite:
www.facebook.de/putinsstimme (abonnieren mit Gefällt-Mir-Klick).
Direkt-Links auf die drei Beiträge:
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https://upload.facebook.com/Putinsstimme/photos/a.243720089168067.1073741827.243693525837390/244381842435225/?type=1

 

„Nichts als Verluste und ein Raubzug“ – so kommentiert der frühere Vize-Premier Boris Nemzow den Gasvertrag Russlands mit China. Der Putin-Kritiker argwöhnt, dem Kreml-Chef sei es vor allem um die Außenwirkung gegangen – und dafür zahle er drauf. Der ausgehandelte Preis sei zwar geheim, aber dass es für Moskau ein Zuzahlungsgeschäft sei lasse sich leicht belegen, so Nemzow:
„Verkauft werden pro Jahr 38 Milliarden Kubikmeter Gas. Der Gesamtumsatz in 30 Jahren soll 400 Milliarden US-Dollar betragen. Daher ist es nicht schwer zu berechnen, dass der Gaspreis bei etwa über 350,80 US-Dollar pro Tausend Kubikmeter leigen wird. Putin sagte, dass die Gesamtinvestitionen von russischer Seite 55 Milliarden US-Dollar betragen werden. Diese gigantischen Summen sind notwendig, um die Vorhaben in Jakutien zu erschließen und eine Pipeline zu bauen. Diese 55 Milliarden muss Gazprom als Kredit aufnehmen, da es keine flüssigen Mittel hat. Bei fünf Prozent Zinsen und einer Laufzeit von 30 Jahren muss Gasprom allein 40 Milliarden Dollar für die Zinsen aufbringen. Der gesamte Rückzahlungsbetrag inklusive Tilgung beläuft sich auf 95 Milliarden Dollar. Optimistisch kann man davon ausgehen, dass der Gewinn von Gasprom aus den Gaslieferungen an China etwa gleich hoch ist wie die Gewinne, die der Monopolist aus dem jetzt nach Europa und in Russland verkauften Gas erhält. Das sind 15 Prozent des Umsatzes. Angesichts von deklarierten Einnahmen während der gesamten Vertragslaufzeit von 400 Milliarden US-Dollar wird Gasprom also 60 Milliarden verdienen. Der Nettoverlust aus dem "Deal des Jahrhunderts" wird damit 35 Milliarden Dollar betragen. Sagen Sie bitte – braucht Russland das?
Was also werden Sie bald zu hören? Erstens, dass Gasprom von den Steuern befreit wird, und zwar nicht von denen auf die Ölförderung, sondern auch von den Ausfuhrabgaben, wie das bei den Lieferungen via "Blue Stream" in Türkei der Fall war. Zweitens werden Sie bald sehen, dass die Hauptnutznießer des Deals, Rotenberg (ein Putin-Freund, Anm.d.Übersetzers) und Manasira, die ewigen Subunternehmer von Gasprom, Milliarden am Bau der Gas-Pipeline verdienen und diese fünf bis sieben Mal teurer sein werden als die europäischen Pipelines. Drittens, warten Sie auf eine Erhöhung der Gaspreise im Land. Die ist notwendig, damit Gasprom die Verluste aus dem Deal mit China ausgleichen kann."
Quelle (russisch): https://www.facebook.com/boris.nemtsov/posts/631278103608460
 

Pyrrhos-Sieg im Gas-Poker? „Fasst Putin mit Samthandschuhen an – sonst verkauft er sein Gas einfach nach China und wir frieren“ – das ist eines der Argumente der Putin-Verteidiger. Dass es so einfach nicht stimmt, hat Putin jetzt selbst demonstriert, unfreiwillig: Bei seinem China-Besuch konnte Gasprom zunächst keinen Vertrag über Gaslieferungen ins Reich der Mitte abschließen. Statt dem geplante Schulterschluss gab es erst einmal Verrenkungen. Heute kam dann überraschend die Meldung, dass nach zähen, zehnjährigen Verhandlungen doch noch ein "Memorandum of Understanding" zustande gekommen ist - was ziemlich unverbindlich wäre. Und zudem soll zu Bedingungen unterzeichnet worden sein, die für Moskau alles andere als günstig sind, wie es hieß. Der Preis ist laut Gasprom-Chef Miller ein "kommerzielles Geheimnis" - das spricht nicht dafür, dass sich Moskau teuer verkaufen konnte.

Und tatsächlich wirkt die Vereinbarung eher wie ein Propaganda-Erfolg denn als Durchbruch: Geliefert werden sollen ca. 38 Milliarden Kubikmeter im Jahr - das ist gerade mal ungefähr so viel, wie Russland heute an Deutschland liefert. Seinen giganitschen Energiehunger stillt China in Zentralasien - Russland bekommt nur Krümel vom Kuchen. Unklar blieb auch der Lieferbeginn - denn erst einmal müssen Pipelines gebaut werden, und das dauert Jahre.

Hauptstreitpunkt zwischen China und Russland waren die Preise und ihre Indexierung. So gutmütige und dumme Kunden wie uns Westeuropäer, die brav Höchstpreise bezahlen und auch noch Indexierungen am Ölpreis akzeptieren, die stark zu eigenen Ungunsten ausfallen, wird Putin m.E. so schnell nicht finden. Die Chinesen feilschen bis zum Letzten – und im Zweifelsfall sind sie auch keine so verlässlichen Abnehmer und Bezahler wie wir. Zudem müssen die Pipelines nach China erst jahrelang gebaut werden. Ohne die Einnahmen aus Öl und Gas aus Westeuropa würde Russlands Wirtschaft einstürzen.

Putins Premier Medwedew hatte noch Anfang der Woche gedroht, Russlands Gas künftig statt nach Europa nach China geliefert werden. Mit dem heutigen Deal kann sich das Russland nicht nur nicht leisten - die Umleitung wäre auch kostspielig und technisch kaum machbar, denn China soll Gas bekommen, das im Osten Russlands lagert.

Kommentar von Rolf Heine:

Der ganze "Deal" besteht aus der Lieferung von jährlich bis zu 37 Mrd. Kubikmeter Gas, was einem Weltmarktpreis von derzeit 10 Mrd. Euro entspricht - den China garantiert nicht bezahlen wird.
Auch ist die Abnahmemenge keineswegs sicher, stattdessen verpflichtet sich Rußland zur Bereitstellung dieser Menge ohne Abnahmeverpflichtung durch China. Dieser Deal ist nichts weiter als ein Tropfen auf den heißen Stein, nachdem in diesem Jahr bereits 80 Mrd. US-$ Auslandskapital aus Rußland abgezogen wurden. Die 100 Milliarden-Grenze könnte in diesem Jahr geknackt werden. Der Kurs des Rubel sinkt, einige russische Banken wanken und die Regierung denkt sicher über das Anwerfen der Gelddruckmaschinen nach. Putin steht mit leeren Händen da. Wer da noch glaubt, Rußland wäre "wichtig", dessen Ansichten gehen an den Realitäten vorbei.
Quellen:
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/vertrag-gazprom-liefert-gas-aus-russland-nach-china-12950116.html
Englisch: http://www.businessinsider.com/russia-and-china-sign-billion-gas-pipeline-mega-deal-2014-5#ixzz32LGf5MNd
http://www.bloomberg.com/news/2014-05-20/russian-chinese-leaders-silent-on-gas-deal-in-shanghai.html

 


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