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Putins Demokratur
Ein Machtmensch und sein System.


Econ Verlag, Berlin, Mai 2014, 416 Seiten.


»Analytisch und spannend wie ein Politkrimi« WAZ

»Besser als er hat noch keiner das russische Machtsystem beschrieben. Boris Reitschuster, einer der schärfsten Putin-Kritiker in Deutschland, kann stolz auf sich sein.  Der russische Präsident höchstselbst hat den von Reitschuster stark mitgeprägten Begriff "Demokratur" mindestens einmal in den Mund genommen.« Die Welt

Spiegel-Beststeller

14,99 Euro.
In jeder Buchhandlung und in jedem Internet-Buchshop.

Die Welt über "Putins Demokratur", August 2014:



Wie gefährlich ist Wladimir Putin?
Mit der Besetzung der Krim hat Wladimir Putin die gegenwärtige Ordnung Europas in ihren Grundfesten erschüttert. So verwundert sich viele Politiker und Journalisten im Westen zeigten – Putins Aggression kam nicht überraschend. Boris Reitschuster deckt auf, wie der Ex-KGB-Oberstleutnant in Russland ein autoritäres Regime errichtete, und zeichnet ein bestechend scharfes Psychogramm Putins. In der aktualisierten und stark erweiterten Neuauflage seines Buches rücken die Ereignisse auf der Krim in ein neues Licht.

Anti-westliche Stimmungsmache, Kriegshetze, Hurra-Patriotismus und die Gleichschaltung von Parlament, Justiz und Medien prägen Putins Russland. Von »lupenreiner Demokratie« kann nicht die Rede sein: Putins Demokratur ist eine autoritäre Diktatur im westlichen Gewand. Das zeigen die Konflikte in Georgien, der absurde Machtwechsel zwischen Medwedew und Putin, die Fälle Pussy Riot und Chodorkowskij sowie die Besetzung der Krim.
Putins Ideologie stammt aus der Giftkiste von KGB und KPdSU. Der Westen ist diesem Politik-Stil nicht gewachsen: Viele fallen auf die Moskauer Propaganda herein. Boris Reitschuster dechiffriert das System Putins und erklärt, wie dieser mächtige und gefährliche Mann den Westen korrumpiert. Mit zahlreichen schockierenden Beispielen macht er deutlich, wie menschenverachtend und zynisch der Staat seine Bürger behandelt. Er zeigt, warum das Wegsehen und Beschönigen – nicht nur wegen der Abhängigkeit von russischem Öl und Gas – fatale Folgen für uns hat.



Der Autor:
Boris Reitschuster, geboren 1971, zog nach dem Abitur mit zwei Koffern und seinen gesamten Ersparnissen nach Moskau und arbeitete als Deutschlehrer, Übersetzer und Dolmetscher, bevor er Journalist wurde. Nach Stationen bei der Augsburger Allgemeinen und den Presseagenturen dpa und AFP übernahm er 1999 die Leitung des Moskauer Focus-Büros. 2008 wurde er für seinen Einsatz für die Demokratie und Menschenrechte mit der Theodor-Heuss-Medaille ausgezeichnet.



Pressestimmen zu "Putins Demokratur"


 

"Der heutige Chef der Focus-Redaktion in Moskau (seit 1999) begegnet dem Land, dessen Faszination er 1988 bei einem Schüleraustausch erlag, trotz aller emotionaler Nähe vor allem mit analytischem Verstand. Und er legt gewöhnliche, also ganz normale Maßstäbe an, wenn er das heutige Rußland beschreibt ... Das Buch Boris Reitschusters ähnelt in vielen Passagen einem Politthriller.« AZ MÜNCHEN

»Reitschusters Bilder aus dem aktuellen Russland sind schockierend.« KIELER NACHRICHTEN

»Reitschuster ist es gelungen, einen keineswegs an der Oberfläche verharrenden Überblick über die Realität im heutigen Russland vorzulegen. Auch wer die Vorgeschichte des Systems Putin nachvollziehen will, die Wurzeln, die hinein bis in das System Jelzin reichen, dem ist Reitschusters Buch zu empfehlen. Und nicht zuletzt: Welche Rolle der Westen und dessen keineswegs immer altruistisch motivierter Umgang mit Russland spielt, nennt er deutlich beim Namen. Der Erkenntnisgewinn daraus macht nachdenklich. Ob Reitschusters skeptische Prognosen zur Zukunft Russlands zutreffen werden? Zu wünschen wäre es den Menschen dort sicherlich nicht. Verkehrt wäre es allerdings, seine historisch und empirisch aus dem Alltagserleben entwickelten Voraussagen als einseitig, falsch oder überzogen abzutun. Eine gar nicht so kleine, zugleich einflussreiche Gruppe distanzlos-unkritischer Russland-Lobredner hierzulande wird ihm aber genau dies vorzuwerfen versuchen. Reitschuster wird gut damit leben können.«
DEUTSCHLANDRADIO

Von den (...) besprochenen Büchern aber ist Boris Reitschusters Analyse über Putins "Demokratur" eindeutig das lesenswerteste. Zwar sollte man Büchern von Korrespondenten, die ein paar Jahre im Ausland gelebt haben und die dann ihren Lesern zuhause im Schnellverfahren das Wesen eines Landes erklären wollen, normalerweise mit einer Portion Skepsis begegnen. Aber es gibt natürlich Ausnahmen. Und Reitschusters Russland-Buch gehört zu diesen Ausnahmen.
Es ist erstaunlich, wie tiefschürfend manche seiner Analysen sind. Das kann nur daher kommen, dass er in Russland mit allen möglichen Leuten spricht und dass er sehr viel herumreist. Vor allem aber, dass er die Russen mag: "Die Russen haben tatsächlich höchste Achtung und Respekt verdient. Ob Kultur oder Wissenschaft, Herz oder Seele: Die Russen haben viele Gründe, stolz zu sein. Aber nicht auf ihre totalitäre Vergangenheit, wie es ihnen die Propaganda heute einbläut." Wie wahr, Herr Kollege.  DIE PRESSE (WIEN)

»Russland-Korrespondent Reitschusters 330-Seiten-Band mit dem ganz süffig klingenden Titel Putins Demokratur - Wie der Kreml den Westen das Fürchten lehrt zieht eine ernüchternde Bilanz nach sieben Jahren Amtszeit von Wladimir Putin. Reitschusters Buch ist im guten Sinn journalistisch geschrieben, lässt in Reportagefragmenten Menschen aller Schichten in Alltags- wie in Extremsituationen zu Wort kommen (….).«DEUTSCHLAND-FUNK

»(…)Dabei gelingen ihm zuweilen geradezu atemberaubende Einblicke in das Räderwerk einer gelenkten Demokratie, wie Putin sie Russland gleich nach der Machtübernahme 2000 verordnete: Rundumschlag gegen kritische Medien, die politische Opposition und Nichtregierungsorganisationen, die mit scheinbar legalen Mitteln und fadenscheinigen Vorwänden zur Strecke gebracht werden. Reitschuster, der mit kurzen Unterbrechungen seit 1990 in Russland tätig ist, präsentiert dazu eindrucksvolle Fallstudien. Sehr engagiert, weil selbst betroffen, setzt er sich auch mit der hässlichen Kehrseite der vergeigten Revolution auseinander: Lethargie und dumpfer Hass gegen Fremde und Andersgläubige, der sich zunehmend mit Gewalt Bahn bricht. Detailreich und mit wasserdichten Zitaten, die jede seiner zuweilen extravaganten Thesen unterstützen, zeigt Reitschuster dabei nicht nur die Risiken, die Russland aus diesem System erwachsen, sondern auch die Gefahren für Westeuropa, einschließlich konkreter Folgen für Otto Normalverbraucher.«
DER TAGESSPIEGEL

»Das Buch Boris Reitschusters ähnelt in vielen Passagen einem Politthriller. Von Machtkämpfen ist die Rede, von Verschwörungen, von Morden und Verschleppungen. Vor allem aber von der Rivalität zwischen den unter Putin-Vorgänger Boris Jelzin zu Reichtum gekommenen Oligarchen und den jetzt immer stärker an die Fleischtöpfe drängenden Angehörigen des Machtapparates. Durchgängige Hauptrollen spielen ferner Russlands Erzübel, die Korruption, sowie die immer enger werdende Verflechtung von staatlicher Verwaltung und organisierter Kriminalität. Im Gegensatz zu Polit-Romanen sind es aber – leider – Fakten, die Reitschuster wiedergibt. Sie sind sorgfältig recherchiert, dokumentiert und zu ebenso bestechenden wie erschreckenden Analysen zusammengefügt.«
AUGSBURGER ALLGEMEINE

»Von einem Focus-Redakteur erwartet man - leider - nicht ein solch hervorragend geschriebenes Buch. Wer sich mit der russischen Politik und insbesondere Wladimir Putin auseinandersetzt wird mit neuen Erkenntnissen über die diktatorischen und kriminellen Machenschaften des Kreml und seines Präsidenten geradezu gefüttert. Insbesondere das Kapitel über Putins Freund Ex-Bundeskanzler Schröder ist bedrückend. Boris Reitschuster sei Dank wissen wir nun wie es in Russland wirklich aussieht.«
JÜRGEN ROTH

»Die wichtigsten Thesen dieses interessanten, intelligenten, mit Informationen vollgefüllten und gleichzeitig gut lesbaren Werks stimmen nicht optimistisch. (…)Zu den Pluspunkten dieses Buches gehört, dass die Schlussfolgerungen, die der Autor macht, allesamt – und oft sehr eindrucksvoll - mit Fakten, Ziffern und dokumentarischen Belegen untermauert werden.«
DEUTSCHE WELLE

»Wer aber ungeschminkt erfahren will, wie es heute im Inneren des moderenen Russlands wirklich aussieht, wird von Reitschuster gut bedient.«
HANDELSBLATT

»Eindrucksvoll schildert Reitschuster seinen Kampf gegen die Moskauer Bürokratie ... Der Autor lockt den Leser ins Auge des Hurrikans.«
RHEINISCHER MERKUR

«Der Russland-Kenner Reitschuster, der mit Unterbrechung seit 1990 in der russischen Hauptstadt lebt, glänzt vorallem zu Beginn seines Buchs mit der treffsicheren Beschreibung des überraschenden Aufstiegs Wladimir Putins zur Macht und der Restaurierung alter Sowjetstrukturen, vor allem des früheren Geheimdienstes KGB ... Eine große Stärke des Buches liegt darin, dass es Reitschuster gut gelingt, dem hiesigen Leser die Auswirkungen der politischen Entwicklungen im fernen Russland auf das eigene Land vor Auge zu führen.»
FRANKFURTER RUNDSCHAU

„Was …(Reitschuster)… zu Rußland und dessen Umgang mit seiner engeren Nachbarschaft schreibt, ist eindrücklich genug und schlägt von Kapitel zu Kapitel gleichsam unausweichlich in Beklemmung um. (…) Nicht minder bedrückend ist die detailliert beschriebene Abwürgung der Meinungs- und Informationsfreiheit sowie der Umgang des Kremls mit politisch Andersdenkenden.
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG 
 

Dass Russland dem Autor am Herzen liegt, bleibt dem Leser nicht verborgen. Er will die Unterdrückung der Demokratie in Russland nicht tot schweigen. Immerhin gehört Reitschuster zu den wenigen ausländischen Stimmen, die zurzeit noch frank und frei berichten können. Schon mit dem Titel seines Buches signalisiert der seit sieben Jahren in Moskau lebende Journalist, dass er eine ganz andere Meinung über Wladimir Putins Regierungssystem hat als der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder. (....)  In seinem Buch tritt Reitschuster als Anwalt der einfachen Menschen auf, die Russland "so liebenswert machen" und die am meisten unter bürokratischer Willkür und Ungerechtigkeit zu leiden haben. Die Motive des Autors sind ehrenhaft, schließlich wünscht er sich Russland als einen friedliebenden und demokratischen Rechtsstaat mit mündigen Bürgern anstatt mit Untertanen. Scharf kritisiert Reitschuster die Putinsche "Vertikale der Macht", die das Land mittels einer "gelenkten Demokratie" in eine bessere Zukunft führen will. Tatsächlich sei Russlands Demokratie gescheitert. Dass es mit der Demokratie in Russland nicht weit her ist, zeigen eindrucksvoll die Schilderungen des Autors über das russische Parlament, die unterdrückte politische Opposition und die vom Staat kontrollierten Medien. (...) Insgesamt hat Boris Reitschuster eine emotional gefärbte Abrechnung mit dem Regime Wladimir Putins vorgelegt. Es handelt sich um den lesenswerten Bericht einer westlichen Stimme aus Moskau, die die Realität im Land ungeschminkt darstellt.
DAS PARLAMENT  

 

Rezension aus dem Deutschlandfunk


Verschwommen in der Kritik, dafür um so deutlicher in den Gesten der Männerfreundschaft - so pflegte Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder in den vergangenen Jahren Russland-Politik zu machen. Dabei geriet allzu leicht aus dem Blickfeld, in welche Richtung sich die innenpolitischen Kräfteverhältnisse in Russland in dieser Zeit verschoben. "Putins Demokratur" heißt nun ein Buch des Russland-Journalisten Boris Reitschuster.



POLITISCHE LITERATUR
18.09.2006 • 19:15 Uhr


 In Freundschaft verbunden: Bundeskanzler Schröder und Russlands Staatschef Putin in Sotchi am Schwarzen Meer (Bild: AP)
"Mischung aus Kommunismus und Zarismus"

Der Russland-Korrespondent Boris Reitschuster beschreibt "Putins Demokratur"
Von Robert Baag

Verschwommen in der Kritik, dafür um so deutlicher in den Gesten der Männerfreundschaft - so pflegte Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder in den vergangenen Jahren Russland-Politik zu machen. Dabei geriet allzu leicht aus dem Blickfeld, in welche Richtung sich die innenpolitischen Kräfteverhältnisse in Russland in dieser Zeit verschoben. "Putins Demokratur" heißt nun ein Buch des Russland-Journalisten Boris Reitschuster.
Ein großer Hit in Russland war dieser Pop-Song vor bald drei Jahren, noch während der ersten Amtszeit von Staatspräsident Wladimir Putin: Ein Mädchen ist sauer auf den Freund, der besoffenen irgendeinen Blödsinn angestellt hat. Jetzt hat sie endgültig die Nase voll von ihm. Sie möchte - so schmachtet sie:

...so einen wie Putin - so voller Kraft,
so einen wie Putin, der nicht trinkt,
so einen wie Putin, der sie nicht schlecht behandelt,
so einen wie Putin, der nicht davonläuft...

Gestern habe sie Putin im Fernsehen gesehen. Die Welt stehe an einem Scheideweg, habe er gesagt. Mit einem wie Putin fühlt man sich zu Hause genauso wohl, wie wenn man mit ihm irgendwohin ausgeht. Und deswegen will sie jetzt so einen wie Putin!

"Personenkult light" in einem Land, dem noch zwei Generationen zuvor - unter Josef Stalin - mit der Brutalversion aufoktroyierter Führerverehrung der Totalitarismus in die Gehirne und in die Seele gehämmert worden war: Putin-Schlager, Putin-Portraits gerahmt und unter Glas in beliebiger Größe, hagiographisch-byzantinisches Huldigen der Person Putins in den Medien Russlands... Ist diese Art von - sagen wir - "Putinismus" ein modernes 1:1-Derivat des Stalinismus? - Nein, so weit geht auch Boris Reitschuster nicht. Noch nicht.

Aber: Russland-Korrespondent Reitschusters 330-Seiten-Band mit dem ganz süffig klingenden Titel "Putins Demokratur - Wie der Kreml den Westen das Fürchten lehrt" zieht eine ernüchternde Bilanz nach sieben Jahren Amtszeit von Wladimir Putin. Reitschusters Buch ist im guten Sinn journalistisch geschrieben, lässt in Reportagefragmenten Menschen aller Schichten in Alltags- wie in Extremsituationen zu Wort kommen -, und mit besonderer Lust teilt Reitschuster an die Adresse westlicher Putin-Verbündeter aus: Alt-Bundeskanzler Schröder und dessen enges Verhältnis zum russischen Staatsoberhaupt wird ebenso bissig seziert wie das Auftreten des einen oder anderen regierungsnahen deutschen Ost-Experten, die in Berliner Kreisen hinter vorgehaltener Hand - die alte Diktion aufgreifend - auch schon mal als "Pro-Kreml-Propagandisten" bzw. prosaischer als "Einflussagenten" bezeichnet werden.

Reitschuster dagegen teilt die Ansicht, dass sich der Westen, dass sich die rot-grüne Bundesregierung etwa im Fall des zerschlagenen Ölkonzerns "JUKOS" und dessen seither im Straflager einsitzenden einstigen Inhabers Chodorkovskij nicht gerade mit Ruhm bekleckert habe. Zahnlos-halblaute Kritik zum Nutzen und Frommen künftiger guter Geschäfte habe Putin am Ende zu einer zynisch anmutenden Replik herausgefordert, die nun gerade den Predigern der Marktwirtschaft schrill in den Ohren geklungen haben muss:

Sie alle wissen, wie die Privatisierung bei uns in den 90er Jahren verlaufen ist. Für wenig Geld haben sich große Unternehmen staatliches Eigentum angeeignet. Heute greift der Staat zu absolut legalen und marktwirtschaftlichen Mechanismen und sichert damit seine Interessen ab. Ich halte dies für normal.

Früher nannte man so etwas "Dialektik". - Auch das inzwischen gern verwendete Argument, Putins Politik sorge doch für Stabilität im Land, klopft Reitschuster auf seinen Wahrheitsgehalt ab: Zwar herrsche inzwischen zumindest in den Metropolen Russlands tatsächlich ein bescheidener Wohlstand, der Geldzufluss sei allerdings im wesentlichen das Ergebnis drastisch gestiegener Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft. Dieses Geld verteile der Staat in Maßen. Eine längst überfällige, breiter angelegte Wirtschaftsstruktur-Politik lasse dagegen immer noch auf sich warten. Die tonangebenden Zirkel, vermutet Reitschuster, bewege nämlich offenbar etwas ganz anderes:

20 Jahre nach dem Beginn der Perestrojka trachtet Russland nach einer Revanche für die Niederlage im Kalten Krieg. Immer wieder tauchen Verschwörungstheorien auf. (...) Moskaus neue Elite sieht das Ende der Sowjetunion nicht als Befreiung vom Bolschewismus und Sieg über eine Diktatur, sondern als Kapitulation. In Russland glaubt man, der Westen habe das Land unter Jelzin schwächen und zur Rohstoffkolonie machen wollen. In Ansätzen ist diese Kritik berechtigt. Tragischerweise sieht man aber in Jelzin nicht jemanden, der die Demokratie missbrauchte, sondern in der Demokratie einen Missbrauch Russlands und ein Trojanisches Pferd.

Reitschusters Prognose für die nahe Zukunft kommt düster daher. Dabei lässt er für Putins Handlungsweise sogar so etwas wie Verständnis aufblitzen:

Es war ein gewaltiger Irrtum des Westens, lange so zu tun, als könne sich Russland nach siebzig Jahren Kommunismus von heute auf morgen zu einer echten Demokratie wandeln. Niemand darf von Wladimir Putin erwarten, dass er sich im Kreml als Musterdemokrat erweist. Für einen russischen Präsidenten könnte das politischen Selbstmord bedeuten. Doch statt sich mit winzigen Schritten in Richtung Demokratie, Menschenrechte und Bürgergesellschaft zu bewegen, marschiert Russland mit festem Schritt in Richtung autoritärer Vergangenheit, hin zu einer Mischung aus Kommunismus und Zarismus.

Reitschuster ist es gelungen, einen keineswegs an der Oberfläche verharrenden Überblick über die Realität im heutigen Russland vorzulegen. Auch wer die Vorgeschichte des Systems Putin nachvollziehen will, die Wurzeln, die hinein bis in das System Jelzin reichen, dem ist Reitschusters Buch zu empfehlen. Und nicht zuletzt: Welche Rolle der Westen und dessen keineswegs immer altruistisch motivierter Umgang mit Russland spielt, nennt er deutlich beim Namen. Der Erkenntnisgewinn daraus macht nachdenklich. Ob Reitschusters skeptische Prognosen zur Zukunft Russlands zutreffen werden? Zu wünschen wäre es den Menschen dort sicherlich nicht. Verkehrt wäre es allerdings, seine historisch und empirisch aus dem Alltagserleben entwickelten Voraussagen als einseitig, falsch oder überzogen abzutun. Eine gar nicht so kleine, zugleich einflussreiche Gruppe distanzlos-unkritischer Russland-Lobredner hierzulande wird ihm aber genau dies vorzuwerfen versuchen. Reitschuster wird gut damit leben können.

Boris Reitschuster: Putins Demokratur - Wie der Kreml den Westen das Fürchten lehrt

Copyright: "Deutschlandfunk"
Rückfall in die Sowjetzeit – aber ohne Kommunismus
Buch-Besprechung aus der Augsburger Allgemeinen


Boris Reitschusters neues Russland-Buch eröffnet erschreckende Blicke auf das System Putin, seine Strukturen und Marschziele.


Auszug aus der Augsburger Allgemeinen vom 23.8.2006
 

„Mit dem Verstand ist Russland nicht zu begreifen,
mit gewöhnlichen Maßstäben nicht
zu messen, es hat ein besonderes Wesen,
man kann an Russland nur glauben.“
Dieses 1866 von Fjodor Tjutschew geprägte
Wort wird immer wieder zitiert, wenn es um
das riesige Land geht, um dessen eigene Probleme
und die, die es anderen macht. Und immer,
wenn Tjutschews geflügeltes Wort fällt,
heißt das nichts anderes, als dass man keine
schlüssige Erklärung und erst recht keine Lösung
findet. Dass man sich halt mit diesem
„besonderen Wesen“ abfinden müsse.
Der aus Augsburg stammende Autor Boris
Reitschuster (35) – bei unserer Zeitung hatte
er nach seinem Moskauer Studium das journalistische
Handwerk erlernt – will sich indessen
nicht mit einem „Es ist nun mal so“ à la
Tjutschew abfinden. Der heutige Chef der Focus-
Redaktion in Moskau (seit 1999) begegnet
dem Land, dessen Faszination er 1988 bei
einem Schüleraustausch erlag, trotz aller
emotionaler Nähe vor allem mit analytischem
Verstand. Und er legt „gewöhnliche“, also
ganz normale Maßstäbe an, wenn er das heutige
Russland beschreibt, wenn er – vor allem –
mit der Staatsführung unter Präsident Wladimir
Putin ins Gericht geht.
Das Buch Boris Reitschusters ähnelt in vielen
Passagen einem Politthriller. Von Machtkämpfen
ist die Rede, von Verschwörungen,
von Morden und Verschleppungen. Vor allem
aber von der Rivalität zwischen den unter Putin-
Vorgänger Boris Jelzin zu Reichtum gekommenen
Oligarchen und den jetzt immer
stärker an die Fleischtöpfe drängenden Angehörigen
des Machtapparates. Durchgängige
Hauptrollen spielen ferner Russlands Erzübel,
die Korruption, sowie die immer enger
werdende Verflechtung von staatlicher Verwaltung
und organisierter Kriminalität.
Im Gegensatz zu Polit-Romanen sind es
aber – leider – Fakten, die Reitschuster wiedergibt.
Sie sind sorgfältig recherchiert, dokumentiert
und zu ebenso bestechenden wie erschreckenden
Analysen zusammengefügt.
Aus der im Westen anfangs augenzwinkernd
hingenommenen, sogar als Erlösung
nach dem Chaos unter Boris Jelzin begrüßten
„gelenkten Demokratie“ der ersten Putin-Jahre
entwickelt sich eine Reitschuster zufolge in
mancher Hinsicht fast faschistoide und in vielem
von einer Sowjetnostalgie geprägte Demokratur:
Die Kreml-Uhren laufen rückwärts.
Der Autor spricht von einer vor allem
auf Wiedererlangung von Moskaus einstiger
Weltmachtrolle fixierten „autokratischen
Diktatur in westlichem Gewand“, die sich auf
einen gegenüber der Sowjetzeit noch mächtiger
und womöglich noch brutaler gewordenen
Sicherheitsapparat stützt. Es passt in das
Bild, dass der „Vorzeigereformer“ Grigori
Jawlinski im Zusammenhang mit der Jukos-
Affäre und der Verurteilung des Ölmilliardärs
Michail Chodorkowski einen „Kapitalismus
mit „stalinistischem Gesicht“ heraufdämmern
sieht. Begleitet werde dies, so Reitschuster,
von wachsender Rechtlosigkeit, Willkür und
Rassismus. Alarmierend sei auch die zunehmende
Gleichschaltung von Parlament, Justiz
und Presse. Vor allem dank der hohen Rohstoff-,
vor allem Öl- und Gaspreise finanziell
sorgenlos, zementiere sich das „System Putin“
immer mehr, selbst wenn die Hauptperson –
wie versprochen – mit Ablauf der zweiten
Amtsperiode 2008 den Kreml räumen sollte.
Der Nachfolger, so mutmaßt Reitschuster,
werde wohl von der „Kreml-Junta“ (der liberale
Abgeordnete Wladimir Ryschkow) ausgeguckt,
einem Sextett, dem neben Putin fünf
enge Vertraute aus dessen Zeit als Vize-Bürgermeister
von St. Petersburg angehören.
Russland wandele sich immer mehr in eine
Sowjetunion ohne Kommunismus, doch der
auf die Bodenschätze des Riesenlandes erpichte
Westen schaue ungerührt zu, selbst bei
der Gas-Erpressung der Ukraine und der andauernden
Tragödie im Kaukasus, die längst
über Tschetschenien hinausgreift.
Die Russen müssten sich also selbst helfen.
Und zaghafte Ansätze für das Entstehen einer
Bürgergesellschaft, die sich gegen die Kreml-
Kandare sträuben könnte, hat Reitschuster
bereits bei ersten zivilen Protestaktionen ausgemacht:
Ein Hoffnungssignal, das die sonst
so düstere Bestandsaufnahme des Putin’schen
Imperiums – etwas – aufhellt.
 
Uwe Wilke
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