Augsburg: „Drei Mohren“ sterben den Rassismus-Tod

Ein Gastbeitrag von Thomas Paulwitz

Es ist das erste Haus am Platze: Das Hotel „Drei Mohren“ in der Augsburger Maximilianstraße. „Drei Mohren“ steht für Tradition, Luxus und Erholung. Doch nun schämt man sich des Namens. Die Geschäftsführung hat beschlossen, es in „Maximilian‘s Hotel“ umzubenennen. Sind rufschädigende betriebswirtschaftliche Verfehlungen für den Identitätswechsel verantwortlich? Will man sich modern geben und dem sogenannten Deppenapostroph huldigen? Nichts dergleichen ist der Fall. Die Verantwortlichen beugen sich vielmehr dem politischen Druck der Rassismus-Schreier.

Mit der Umbenennung wird die Erinnerung an ein Stück Geschichte ausgelöscht. Diese Geschichte handelt nicht von Sklaverei und Unterdrückung, sondern von Nächstenliebe und Gastfreundschaft. Der Legende nach weilten im Jahre 1495 vier Mönche aus Abessinien (Äthiopien) in Augsburg. Sie waren auf der Durchreise. Wegen des harten Winters brachen sie Richtung Süden auf, doch schon kurz hinter Augsburg erfror einer der vier Mönche auf dem Hochfeld. Die übriggebliebenen drei kamen den Winter über bei einem freundlichen Gastwirt unter. Zu ihrer Abreise im Frühjahr ließ dieser ihre Bildnisse auf eine Tafel malen und als Gasthausschild aufhängen. Der Name „Drei Mohren“ war geboren.

Das Jahr 2020 hingegen schreibt eine ganz andere, lieblose Geschichte. Sie erzählt von Hass, Intoleranz und Anfeindungen. Schließlich wurden die Angriffe dem Hoteldirektor Theodor Gandenheimer zuviel. Vergeblich hatte er immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass der Name zu Ehren der drei Mönche gewählt worden sei und für Toleranz und Offenheit stehe. Nunmehr gibt er sich geschlagen: „Wir haben entschieden, dass wir mit einem neuen Namen dem gesellschaftlichen Wandel genüge tun“, erklärte er.

Druck hatte besonders die antifaschistisch geprägte “Black-Lives-Matter”-Szene ausgeübt. Sie habe „den Denkprozess am Ende nur beschleunigt“, so Gandenheimer. In den Vereinigten Staaten stürzt „Black Lives Matter“ Statuen von Christoph Kolumbus vom Sockel und plündert Geschäfte steuerzahlender Bürger. Doch sollen die Köpfe der drei Mohren, die an der Fassade des Augsburger Hotels angebracht sind, vorerst noch bleiben. Hierzulande beschränkt sich die Bilderstürmerei von „Black Lives Matter“ bislang weitgehend noch auf Namen und Bezeichnungen.

Nachdem das Wort „Neger“ bereits in den vergangenen Jahren diskreditiert worden ist, soll es nun dem vermeintlich rassistischen Wort „Mohr“ an den Kragen gehen. „Das Wort Mohr wird von schwarzen Menschen als eine Art Pendant zum N-Wort erfahren. Es wirkt diskriminierend, traumatisierend und erniedrigend.“ So heißt es etwa in einer Petition. Sie möchte etwas erreichen, woran die Nationalsozialisten noch gescheitert sind: das Abbild eines Mohren aus dem Coburger Stadtwappen zu tilgen.

Unter dem Schlachtruf „Decolonize Augsburg“ hatte auch die „Amnesty Jugendgruppe Augsburg“ eine Petition ins Leben gerufen und dafür 1.000 Unterschriften gesammelt. Eine Gegenpetition des Augsburgers Peter Englhard sammelte lediglich 643 Unterschriften. Die Jugendgruppe verlangte, ein Zeichen zu setzen, „indem sich die Geschäftsleitung bewusst für den Namen ‚Drei Möhren‘ entscheidet.“ Warum das Wort „Möhre“, das sich ebenfalls von „Mohr“ ableitet, in Ordnung sein soll, bleibt das Geheimnis der Amnestie-Jugendlichen.Diese zeigten sich sowohl sprachblind als auch geschichtsblind, denn sie forderten „die Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus, der bis heute seine Spuren in unserer Sprache und Vorstellungswelten hinterlassen hat“. Dass der Name „Drei Mohren“ die Gastfreundschaft gegenüber Fremden bezeugt, wissen die Jugendlichen nicht mehr. Der Name degradiere und diskriminiere vielmehr „Schwarze Mitbürger*innen“ in Augsburg.

Mit dem Namen „Maximilian’s“ wird der Name eines Lokals, das zum Hotel gehört, auf das ganze Haus übertragen. Heute stehen auf der Speisekarte noch Gerichte wie die Bouillabaisse „Drei Mohren“ und die Vorspeise „Vitello Tonnato Drei Mohren“. Doch auch dort wird sicher auch bald der Zensor zuschlagen.

Wie lange das Augsburger Hotel seinen neuen Namen „Maximilian’s“ tragen darf, bleibt freilich abzuwarten. Denn der Namenspatron Kaiser Maximilian I. (1459 bis 1519) hat keinen politisch-korrekten Lebenslauf. „Der letzte Ritter“ gilt als Verfechter eines Kreuzzuges, um Jerusalem vom Islam zu befreien. Ob sich einen solchen Paten eine weltoffene Stadt wie Augsburg erlauben darf?


Anmerkung von Boris Reitschuster: Ich bin gebürtiger Augsburger und das „Drei Mohren“ ist Teil meiner Kindheit, ja meines Bildes von meiner Geburtsstadt. Das Hotel ist Teil meiner Lebensgeschichte, sehr viele Erinnerungen sind damit verbunden. Deren wurde ich nun, zumindest teilweise, beraubt durch Ideologie-Krieger.


Thomas Paulwitz (*1973) ist Mitbegründer und Chefredakteur der seit dem Jahr 2000 erscheinenden Zeitschrift DEUTSCHE SPRACHWELT (Erlangen).

Außerdem ist er Vorstandsvorsitzender der in Düsseldorf ansässigen Theo-Münch-Stiftung für die Deutsche Sprache und Vorstandsmitglied und

Mitbegründer Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft zu Köthen/Anhalt. 2006 erhielt er den Gerhard-Löwenthal-Preis für Journalisten „in Anerkennung seiner herausragenden Verdienste für einen engagierten unabhängigen Journalismus“. Die Sprachpflegezeitschrift DEUTSCHE SPRACHWELT erscheint vierteljährlich in gedruckter Form und dient den Bürgern, die sich um die deutsche Sprache sorgen, als Sprachrohr. Der Bezug der spendenfinanzierten Zeitschrift ist kostenlos: Postfach 1449, 91004 Erlangen, bestellung@deutsche-sprachwelt.de.


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Bild: User:Mattes/Wikicommons/CC BY 2.0

Text: Gast

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