Bashing Trump – nichts Neues an deutscher Überheblichkeit

Ein Gastbeitrag von Josef Hueber

Eine Analyse der romantischen Wurzeln des deutschen Antiamerikanismus

„Trump hat in den Umfragen zugelegt.“

„Findest du das gut? Dieser Idiot, dieser Chaot?“

(Dialog meines Gesprächs im Freundeskreis)

„Das Unverständnis der Deutschen für amerikanische Wirklichkeit ist eine alte Geschichte“, schrieb Hannah Arendt, die Schöpferin der weltberühmten Formulierung von der Banalität des Bösen. Donald Trump, 45. Präsident der Vereinigten Staaten, Dauerbrenner im Unisono deutscher Medienschelte, ist die aktuelle Zielscheibe dieses Unverständnisses. Ein Blick in die Geschichte des Anti-Amerikanismus gibt eine überzeugende Antwort auf die Frage nach dem Ursprung des deutschen Unvermögens.

Rechts geht gar nicht

Trump ist geradezu die Personifikation eines tiefverwurzelten negativen Amerika-Klischees. Vor allem auch deswegen, weil er – berechtigterweise – als „rechts“ gilt und sich an einem an konservativen, traditionellen Werten orientierten Interesse seiner Nation ausrichtet. Damit steht er im Kontrast zu der anti-nationalen, anti-konservativen, blind-euphorischen Europabegeisterung der linksgedrehten deutschen Altparteien und ihrer Kanzlerin.

Kein Wunder also, dass Trump im Fokus der Ressentiments aller Mehr-Europa-Anbeter steht. Die deutschen Mainstream-Medien und ihr Abarbeiten an der Destruktion dieses Präsidenten verunmöglichen auf diese Weise eine einigermaßen ausgewogene Sicht auf Leistungen und Fehlleistungen seiner Politik. Er ist der kontinuierlich in Wort und Bild der merkelfreundlichen Medien infam zurechtgebogene Champion hässlicher Augenblicksfotos und (zumindest tendenziell) stets negativer Schlagzeilen.

Ein Tagesschau- oder ZDF-Kommentar, der eine politische Leistung Trumps herausstellt – wer kann sich daran erinnern? Der deutsche Journalismus ist grundsätzlich Anti-Trump. ( Obama, weil „links“, hatte es da besser. Er war schließlich in Punkto Israel und Iran mit Merkel einig.)

Blick zurück ohne Zorn

Ein Blick zurück ohne Zorn in die Geistesgeschichte zeigt, dass das negative Amerikabild, jetzt Fleisch geworden in Donald Trump, nicht von ungefähr kommt. Es kann in der deutschen Romantik verortet werden, wie die Untersuchung des israelischen Historikers Dan Diner, Professor für Neuere Geschichte von der Hebrew University Jerusalem, zeigt.

Er hat ein faszinierend informatives wie spannendes Buch schon 2002 geschrieben: Feindbild Amerika. Über die Beständigkeit eines Ressentiments. Das Kapitel „Keine Nachtigall“ blättert auf, wie der Boden der Vorurteile gegen die (US-)Amerikaner in der deutschen Romantik bereitet wurde, und wie man damals schon von einer durch Ideologie geschwächten Fremd-, aber auch selbstherrlichen Eigenwahrnehmung geblendet war.

Diners zentrale These lässt sich so formulieren: Die Romantik kann „als die wohl produktivste Werkstätte langlebiger amerikafeindlicher Bilder und Metaphern gelten.“ Die Romantiker sahen einen fundamentalen Gegensatz zwischen der europäischen und (nord-)amerikanischen Kultur, die sich in Gegensatzpaaren darstellen lässt. Europa steht für organisch Gewachsenes, Amerika für Revolutionäres ohne Geschichte, Europa bedeutet Kultur, Amerika lediglich Zivilisation, Geldgier, Materialismus und Kapitalismus.

Zur Vermittlung dieses Klischees „ergingen sich die Romantiker in einem Schwall von Schmähungen gegen die Ordnungs- und Lebensvorstellungen“ der Amerikaner. Das Engstirnige des romantischen Urteils wurde „aus der Illusion einer Vergangenheit gespeist – der Vergangenheit eines imaginierten Mittelalters.“ Romantiker sahen die „Neue Welt als Hort der Geldgier, als das Babel eines schier grenzenlosen Utilitarismus und abstoßender Kulturlosigkeit“.

Romantisches Downgrading und Upgrading

Der österreichische Dichter Nikolaus Lenau (1802 – 1850) darf nach Diner als exemplarisch für den Antiamerikanismus der damaligen Zeit gelten. Er kannte Amerika nur aus einem kurzen Aufenthalt, dorthin übergesetzt unter dem Vorwand, auswandern zu wollen. Er verließ jedoch das Land nach wenigen Monaten und stilisierte sich dabei als das „unschuldige Opfer amerikanischer Lebensweise“. Seine Schriften prägten das „Stereotyp“ des „kulturlosen Amerikaners.“ Welche Formulierungen fand Lenau in den veröffentlichten Briefen an seinen Schwager für die „haarsträubenden Zustände“ in Amerika?

Die Amerikaner nennt er „himmelanstinkende Krämerseelen, Tot für alles geistige Leben, mausetot.“ Haben Sie Bildung? Nein! Sie zeigten „bloß an ‚merkantilen‘, ‚technischen‘ Fertigkeiten“ Interesse. Sie seien Menschen der „furchtbarsten Nüchternheit.“ Der Amerikaner, so der Poet Lenau, „kennt nichts als Geld; er hat keine Idee.“ Und in romantischer Durchdringung seiner Weltsicht schwingt sich der Dichter auf zu einem poetischen Höhepunkt, ausgelöst von der Beobachtung in der Natur: „Die Nachtigall hat das Recht, dass sie bei diesen Wichten nicht einkehrt. Das scheint mir von ernster, tiefer Bedeutung zu sein, dass Amerika keine Nachtigall hat. Es kommt mir vor wie ein poetischer Fluch.“

Der Romantiker braucht kein Geld

Wenn, ja wenn dieses Amerikabild doch bloß nicht des Dichters Doppelgesichtigkeit offenbarte! Wie steht es nämlich um die glaubwürdige Authentizität des Poeten? Hören wir Diner: „ Seine Reise hatte lediglich den Zweck, Geld anzulegen; eine Geschäftsreise also. Geschickt hatte der Dichter mit Staatspapieren spekuliert und dabei einen erheblichen Gewinn erzielt. Nun wollte er diesen unverhofften Reichtum günstig anlegen, und dafür bot sich Amerika an. Lenau hatte also nichts anderes im Sinn, als eine im fruchtbaren Ohio-Gebiet gelegene Farm zu kaufen und diese an einen bereits zuvor hierfür gewonnenen deutschen Auswanderer zu verpachten. Das galt als die sicherste Art, das Geld Gewinn bringend anzulegen, um davon nutzbringend einem geruhsamen und luxuriösen Leben in der Alten Welt nachzugehen.“ Dazu der Germanist Manfred Durzak: „Er projiziert das in die amerikanische Wirklichkeit, was als Motiv seiner Amerikareise zugrunde liegt.“

Es bliebe zu untersuchen, welche deutsche Projektionen für das heutige einseitige Amerikabild verantwortlich sind.


Josef Hueber, geboren in Nürnberg, studierte in München und Exeter (England) Germanistik und Anglistik für das Lehramt an Gymnasien. Die an der Schule verbreiteten Lehrbücher in den weltanschaulich stark bestimmten Fächern durchschaute er lange nicht als das, was sie waren: Transportmittel für linke und grüne Ideologien. Seine Erkenntnis: Better late than never! Das öffentliche Bewusstsein sieht er heute geprägt von Anti-Amerikanismus, Israel-Bashing, Antisemitismus, Umweltalarmismus, Wissenschaftsfeindlichkeit und Selbstverleugnung in Fragen der kulturellen Identität, sowie von zunehmenden Angriffen auf die persönliche Freiheit durch den Nannystaat. In zunehmendem Maße pulverisiert man, was als Errungenschaft der Aufklärung gelten darf und deswegen den Alleinanspruch auf Modernität erheben kann.

Seine Begegnung mit Blogs, für die er auch Übersetzungen aus dem Englischen lieferte, stellte den Beginn seiner Tätigkeit als freier Autor dar. Blogs sind für ihn unverzichtbare Augenöffner in nahezu allen aktuellen gesellschaftlichen und politischen Fragen. Er sieht sie als verlässliche Garanten für kontroversen Wettbewerb der Meinungen in einer von den Mainstream-Medien beherrschten Diskurshoheit.“ Im April 2020 erschien sein Buch „Stromaufwärts denken“.


Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2020 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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Bild: White House/Urheber Shealah Craighead/Wikicommons/gemeinfrei

Text: gast


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