Corona und das Kakerlaken-Prinzip: Die hohe Kunst des Rufmords

Stellen Sie sich einmal vor, Sie haben Gutes von einem Restaurant gehört, überlegen sich, ob sie vielleicht hingehen sollten, und machen sich vorab im Internet noch einmal schlau. Und da erfahren Sie aus einer Bewertung, dass ein Besucher in dem Restaurant Kakerlaken gesehen hat. Ich weiß nicht, wie hart Sie im Nehmen sind. Aber mir würde da der Appetit gründlich vergehen, und ich würde mit den Besuch in dem Restaurant verkneifen. Ob wirklich Kakerlaken da waren, oder ob es sich etwa um eine Rufmord-Kampagne der Konkurrenten handelt – diese Frage würde ich mir eher nicht stellen.

Genau nach diesem Kakerlaken-Prinzip funktioniert die Diskreditierung von Andersdenkenden in der Bundesrepublik im Jahr 2020. Nur statt dem Ekel der Menschen vor Kakerlaken wird Ekel vor dem Nationalsozialismus instrumentalisiert. Wer der großen Kanzlerin der linksgrün-christdemokratischen Verschmelzung nicht ausreichend huldigt, ist im Handumdrehen ein Nazi – wobei ausschließlich die Abkürzung verwendet wird, denn sonst wären ja die sozialistischen Elemente des Nationalsozialismus plötzlich sichtbar, eines der größten Tabus unserer Zeit. Selbst Thüringens FDP-Chef Kemmerich wurde als Nazi geframed, zuletzt von der Grünen-Chefin bei Markus Lanz. Rückwirkende Dementi sind beim Kakerlaken-Prinzip Teil der Taktik und nur für nützliche Idioten der eigenen Seite gedacht, die man so von der Schmutzigkeit der eigenen Taktik ablenken kann.

Zurück geht das Kakerlaken-Prinzip auf Stalin und den KGB. Dessen Generalmajor Iwan Agajanz war der Urvater der KGB-Desinformation. Einer seiner bekanntesten Aussprüche: „Jeder, der über unsere wahren Pläne genau oder unparteiisch … schreibt oder spricht, muss rasch als Rechter oder Faschist abqualifiziert oder der Lächerlichkeit ausgesetzt werden.“ Der Geist von Agajanz lebt weiter. Auch in den Köpfen unzähliger Deutscher.

Sobald die Gralshüter des linksgrünen Zeitgeists, die Moralibans, Gefahr wittern, dass ein Bürgerwille zum Vorschein kommt, der ihrer Ideologie widerspricht, läuft das Kakerlaken-Prinzip zu Hochtouren auf. Zuletzt nach der Demonstration am 1. August in Berlin. Selbst Regierungssprecherin Ulrike Demmer, die ich noch aus gemeinsamen Focus-Zeiten kenne, griff zum Kakerlaken-Prinzip und stellte die Demonstranten in Nazi-Verdacht. Das war der Tenor in den meisten Medien. „Ruhrbarone“ schrieb: „Am ersten August 2020 marschierten Corona-Rebellen, Reichsbürger, sonstige Rechtsextremisten und Verschwörungstheoretiker am ‘Tag der Freiheit‘ durch Berlin. Eine bunte Querfront des Wahnsinns und Extremismus.“ Und weiter: „Es ist wie Gesang von Micki Krause: Auch wenn es Millionen von Menschen gibt die ihn gerne hören – angenehmer macht es seine Musikevents trotzdem nicht. Um einen Haufen Scheiße fliegen auch viele Fliegen. Das gleiche Prinzip wie bei Querdenken 711.“ Schon ist die Gedankenbrücke zwischen Demonstranten, Exkrementen und Fliegen hergestellt. KGB-Desinformations-Chef Agajanz wäre stolz auf solche Leistungen.

Dass nachträglich sowohl der Verfassungsschutz als auch der Berliner Senat einräumen mussten, dass die Vorwürfe haltlos waren, dass die Demos eben nicht von Extremisten unterwandert oder diese Tonangebend waren – geschenkt. Um im Kakerlaken-Bild mit dem Restaurant zu bleiben: Wer liest schon Dementi im Kleingedruckten?

Jetzt, vor der neuen Demo am 29.8. geht es wieder los. Der oberste Gesinnungswärter des WDR, Monitor-Chef Restle (auch ihn kenne ich persönlich aus gemeinsamen Zeiten), greift tief in die Kakerlaken-Trickkiste: „NPD, III. Weg, Compact, IB, AfD: Rechtsextremisten mobilisieren massiv für die Berliner Corona-Demonstration #b2908. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Wer mit diesen Leuten gemeinsam demonstriert, weiß, was er tut. Und mit wem“, schreibt er auf Twitter. Matthias Meisner vom Tagesspiegel kündigt einen Artikel mit der Überschrift an: „So will die extreme Rechte den Corona-Protest unterwandern“ mit den Worten: „#Coronaleugner-Demo am Samstag: Sicherheitskreise erwarten nach @Tagesspiegel-Informationen „das komplette Spektrum“ der Neuen Rechten in Berlin.“ Der gesamte Artikel ist ein einziges Framing: Geradezu zwanghaft wird dort eine Nazi-Verbindung hergestellt. Und verschwiegen, dass etwa der Berliner Senat auf Nachfrage einräumen musste, dass es die bei der Demo am 1. August gar nicht gab. KGB-Generalmajor Agajanz hätte seine helle Freude gehabt an solcher als Journalismus getarnten Desinformation.

Wenn Linksextreme, die Antifa, oder die in Teilen vom Verfassungsschutz beobachtete „Linke“ zu Demonstrationen aufrufen oder mobilisieren, scheinen Leute wie Restle weniger Probleme damit zu haben. Nicht nur bei dem WDR-Mann läuft das Kakerlaken-Prinzip auf Hochtouren. „Corona-Leugner wollen am 29. August erneut demonstrieren“, titelt etwa die Berliner Morgenpost. Als ob irgend jemand Corona leugne. Es geht um Menschen, die mit der Corona-Politik unzufrieden sind. Das ist jedermanns gutes Recht in einer Demokratie. Diese Menschen als “Corona-Leugner” zu diffamieren, ist eine Lüge und Desinformation in Reinform. Mit Journalismus hat das nichts mehr zu tun.

Interessant ist, dass sich Restle noch kurz nach der Demonstration vom 1. August, wie folgt geäußert hat:

„Anmerkungen zu Corona-Demos:

  1. Das sind nicht alles Nazis
  2. Versuche von AfD & Co., Proteste für sich zu vereinnahmen, sind kläglich gescheitert
  3. Wer Demonstrierende pauschal als Nazis verunglimpft, bedient Kalkül der Rechtsextremisten.
  4. Versammlungsfreiheit gilt für alle.“

Nimmt man Punkt 3 als Maßstab, stellt sich die Frage, inwieweit Restle mit seinen neuen Äußerungen nach seinen eigenen Maßstäben das „Kalkül der Rechtsextremisten“ bedient.

Offenbar ohne es zu bemerken, entlarvt Restle so nämlich die Krux des Kakerlaken-Prinzips: Wenn Menschen für eine Teilnahme an einer legalen Demonstration, in der sie gegen die Politik der Regierung protestieren, in den Dunstkreis des Nationalsozialismus gestellt werden, ist das eine unglaubliche Verharmlosung des Nationalsozialismus. Und ein Förderprogramm für Neo-Nazis.


Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2020 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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Bild: Pixabay/bearbeitet/ReitschusterText: red

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