„Marihuana für alle“: Ein US-Rapper will Präsident werden

Ein Gastbeitrag von Dr. Manfred Schwarz

Kultur und Politik in „westlichen Demokratien“: Die Dekadenz in großen Teilen der „Eliten“ kennt keine Grenzen. Der afro-amerikanische US-Skandalrapper Kanye West ist samt seiner Gattin, der „Popo-Ikone Kim Kardashian“ schon lange Dauerthema in den Medien der USA. Jetzt aber gibt es über West ganz besondere Schlagzeilen, sie schlagen dem Fass den Boden aus.

Der 43-jährige Kanye West ist steinreich. Das Wirtschaftsmagazin Forbes schätzt sein Vermögen auf 1,3 Milliarden Dollar. West hat sich in seinem bisherigen Leben kaum oder nur auf die ihm eigene Art und Weise mit Politik beschäftigt. Nichtsdestotrotz will er jetzt den mächtigsten Politiker-Job dieser Welt erobern – er will Donald Trump vom Präsidenten-Throne stoßen. Kanye West, Hip-Hop-Star und Turnschuh-Unternehmer, will der 46. Präsident der USA werden. Mit einer Partei, die einen vielsagenden Namen trägt: „Birthday Party“.

Der „Auserwählte“ hat 66 Millionen Follower

West sieht sich selbst als „Auserwählten“, er rappt seit Jahren auch als Prediger und verbindet dabei öffentlich schon mal den eigenen Spitznamen „Yeezy“ mit dem Namen des Heilands – zu „Yeezus“. Kanye West erreicht via Twitter – mit Kim zusammen – rund 66 Millionen Follower. West geht es hier vor allem um „Kosmetik, Mode, also Werbung und eigentlich Privates – aber hey, Hauptsache es unterhält“ (Augsburger Allgemeine).

Bei der Zahl der Twitter-Follower ist West schon ziemlich dicht an Donald Trump herangekommen. Der amtierende US-Präsident hat allerdings noch rund 14 Millionen Twitter-Follower mehr als sein neuer, selbst ernannter politischer Nebenbuhler. Vergleichsweise wenig zu melden hat da ein weiterer Präsidentschaftsanwärter: Joe Biden von der „Democratic Party“, der muss sich mit schlappen 6,4 Millionen Twitter-Anhängern begnügen.

West for President! Alles nur ein Scherz? Oder bloß ein Marketing-Gag? Nein, der exzentrische Rapper meint es offenbar todernst. Er hat ein Wahlkampfteam engagiert, das die in den USA üblichen Kandidaten-Formalitäten zunächst für die Bundesstaaten Illinois, Oklahoma, Missouri und New Jersey erledigt. Das jedenfalls berichten das Magazin People und die Nachrichten-Website TMZ aus den USA.

Demnach zahlte West allein in Oklahoma 35.000 Dollar Gebühr, um als Präsidentschafts-Kandidat auftreten zu können. Dafür, dass er es derzeit ernst meint mit der Kandidatur, spricht ebenfalls, dass die in seinem Heimatstaat Illinois erforderliche Kandidaturen-Petition mit den Unterschriften von 2.500 Unterstützern bei den zuständigen Behörden eingereicht worden ist. In diesen Tagen ziehen Kanye Wests Helfer durch die Shoppingmalls in West Virginia. Dort müssen 7.144 Unterstützer-Stimmen zusammenkommen, damit der etwas andere Kandidat gelistet werden kann.

Erst mentale Krise – dann exzentrischer Wahlkampf-Star

Diese Zielstrebigkeit hat viele US-Bürger überrascht, hat sich der exzentrische Rapper doch längere Zeit in einer „schweren mentalen Krise“ befunden (Hamburger Abendblatt): Wochenlang hatte er sich kürzlich in seiner Ranch im Bundesstaat Wyoming verschanzt, angeblich weit entfernt auch von seiner Ehefrau, dem Reality-TV-Star Kim Kardashian, und den vier Kindern, die alle in Kalifornien blieben. Vergangenes Jahr hatte West das eher abgelegene Anwesen für 14 Millionen Dollar gekauft, einschließlich eines Hightech-Bunkers.

Dann aber ließ sich West zu seinem ersten großen Wahlkampfauftritt nach South Carolina fliegen. Die erste Wahlkampfveranstaltung verlief schlagzeilenträchtig – sowohl chaotisch als auch tränenreich. Er versprach, sollte er US-Präsident werden, „eine Million Dollar für jedes Baby und Marihuana für alle. Sein Vater, so referierte er vor geladenen Gästen, habe ihn seinerzeit abtreiben lassen wollen. Dann jedoch habe seine Mutter ihm sein „Leben gerettet“, wusste der plötzlich in Tränen ausgebrochene Rapper der betroffenen Zuhörerschaft zu berichten.

Seltsam: Bei der Schwangerschaft seiner Frau Kim Kardashian mit der heute ältesten Tochter (7) hat er, so berichtet der neue Polit-Star, allerdings selbst zunächst auch auf eine Abtreibung gepocht. Er habe fast seine älteste Tochter „getötet“. Aus welchen Gründen auch immer. Dafür, dass Kim Kardashian seinem Wunsche nicht gefolgt ist, sei er ihr noch heute unendlich dankbar. Bei seinen über weite Strecken reichlich wirr wirkenden Ausführungen trug West, dazu passend, eine kugelsichere Weste mit der Aufschrift „Security“, ins Haar hatte er sich die Jahreszahl 2020 schneiden lassen.

Irre – aber irre erfolgreich

Doch West ist noch für weitere wilde Geschichten gut. Auf Twitter beschuldigte er seine Frau und deren Mutter, sie hätten versucht, ihn nach einer der vielen und heftigen Familienstreitigkeiten „einzusperren“. Für diese Behauptung entschuldigte sich der Rapper zwar wenig später wortreich. Diese Beschuldigungen wirkten auf seine Gemahlin Kardashian zumindest anfangs jedoch wie eine Provokation.

Sie veröffentlichte schnell ein Statement, „indem sie auf die psychische Erkrankung ihres ‚brillanten, aber komplizierten‘ Manns hinwies. Ihr Mann, so informierte die Ehefrau, leide an einer bipolaren Störung, in der sich überdrehte und niedergeschlagene Phasen immer wieder abwechseln. Als Familie sei man in solch einem Fall „machtlos“.

Vielleicht wirken solche Geschichten über einen schillernden Hollywood-Clan auf Westeuropäer wenig anziehend. Aber es wäre falsch, diese bizarre Großfamilie Kardashian-Jenner-West zu unterschätzen. Es gibt in den USA wohl keine Familie, über die mehr berichtet wird als über den West-Clan. West gilt als „irre, aber eben auch als irre erfolgreich“.

Das Time-Magazin wählte ihn schon 2015 in die „Top 100 der einflussreichsten Menschen der Welt“. Sein Hip-Hop ist – so oder so gesehen – einzigartig. Für viele Menschen ist der Musiker vielleicht auch wegen seiner unberechenbaren Auftritte ein unvergleichlich interessanter Künstler. Er präsentiert sich mal ausgesprochen konsumorientiert, dann wieder ungewohnt gesellschaftskritisch. Und zur Abwechslung tritt er dann auch mal auf wie eine stolze Diva. Und manchmal wiederum wirkt er, was unter Rappern gemeinhin unüblich ist, mimosenhaft empfindlich.

Mit Verschwörungstheorien und reichlich konfusen politischen Äußerungen redete sich Kanye West immer wieder fast um Kopf und Kragen. So verstieg er sich zu der steifen These, seinerzeit sei Ronald Reagan als Gouverneur von Kalifornien verantwortlich gewesen für die „Crack-Epidemie“. Doch auch dadurch wurde er letztendlich nur noch berühmter. Auf seiner Twitter-Seite hat West Zeichnungen des Weißen Hauses veröffentlicht – mit der Aufschrift „The West“.

Kim Kardashian: Vom Pornostar zur First Lady?

Wests Frau Kim Kardashian – die Tochter des verstorbenen Anwalts Robert Kardashian, der einst O.J. Simpson aus seinem Mordprozess herausboxte – hat sich zu den Präsidentschaftszielen ihres Ehemannes noch nicht direkt geäußert. Auch ihre geschäftstüchtige Mutter Kris Jenner nicht, die 2007 ihre gesamte Familien vor die Fernseh-Kameras trieb – und die Reality-Seifenoper „Keeping Up With The Kardashians“ zu einem Riesenerfolg zu machen vermochte.

Auch Kris‘ Ex-Ehemann, Caitlyn Jenner, schweigt sich aus. Er wurde übrigens als Bruce Jenner einst Olympiasieger im Zehnkampf – er neigt offenbar auch zu einer gewissen Exzentrizität: Jenner lebt heute als „Frau“.

Just in jener Zeit kursierte ein aufschlussreiches Sexvideo, auf dem Kim Kardashian mit ihrem damaligen Freund Ray J. überaus umtriebig vor der Kamera agiert. Aber auch dieses Video vermochte die wundersame Karriere der ehemaligen Boutiquenbesitzerin nicht zu gefährden. Sie, die nach Berichten des Stern verdächtigt wird, sie habe an ihrem Körper ein ausgeprägtes brasilianisches Butt-Lifting durchführen lassen – also eine beträchtliche Erweiterung ihres Hinterteils –, ist inzwischen längst zu einer Mode-Ikone und einer millionenschweren Kosmetikunternehmerin geworden.

Nicht ausgeschlossen, dass Kim Kardashian, die so extrem Erfolgsverwöhnte, nun von einer ganz exquisiten Rolle träumt: von der der First Lady in den USA. Sollte das Unfassbare eintreten, wäre sie die erste Première dame mit Pornovergangenheit. Wie heißt es doch oft so schön? USA – das Land der „unbegrenzten Möglichkeiten“.

Sollte Kanye West tatsächlich Präsident werden, würde sich Oswald Spengler bestätigt fühlen können, der in seinem 1922 erschienenen Buch „Untergang des Abendlandes“ schrieb, dass die abendländischen Kulturen über eine lange Zeit eine große Blütezeit erleben würden, die später jedoch zum Untergang verurteilt seien: Der Hochkultur werde eine Zeit der unbegrenzten Dekadenz folgen, die einer orientalischen „Fellachen-Unkultur“. Dem ist nichts hinzuzufügen.


Hinweis von Boris Reitschuster: Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich will es nicht ARD und ZDF gleich tun und Meinungen „aussortieren“.


Dr. Manfred Schwarz (Politologe): Zivillehrer an der Hamburger Landespolizeischule, dann etliche Jahre Berufsschullehrer und Dozent in der staatlichen Lehrerfortbildung (Bereich: Politik); jeweils acht Jahre Medienreferent in der Hamburger Senatsverwaltung und (nebenamtlich) Vizepräsident des nationalen Radsportverbandes BDR (verantwortlich für die bundesweite Medienarbeit / Herausgeber einer Internet-Radsportzeitung). CDU-Mitglied, sechs Jahre Mitglied des Hamburger CDU-Landesvorstands. Heute Autor für verschiedene Internetportale mit den Schwerpunkt-Themen Politik und Medien.


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Bild: David Shankbone/Wikicommons/CC BY 3.0


QUELLEN

https://www.augsburger-allgemeine.de/kultur/Kanye-West-for-president-Bloss-keine-Witze-jetzt-id57772086.html

https://www.swr3.de/musik/news/kanye-west-us-praesident-100.html

https://www.tmz.com/2020/07/15/kanye-west-still-running-for-president-2020-files-fec/

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