“Donald Trump is the first black president”

Gastbeitrag von Professor Felix Dirsch, katholischer Theologe und Politikwissenschaftler.

Der britische Journalist, Unternehmer und Blogger Milo Yiannopoulos, als homosexueller Unterstützter Donald Trumps Enfant terrible linker Meinungspolizisten, hat die angeblich leichte Dekonstruktion biologischer Zuschreibungen ironisiert – und dabei den Präsidenten der USA als Beispiel präsentiert. Gerne werden vornehmlich Rasse, Nation, Volk und Geschlecht einem nachhaltigen Säurebad unterzogen. Man entlarvt gern kulturell-soziale Selbstverständlichkeiten, die nun angeblich erstmals hinterfragt werden. Sie waren, so heißt es öfters, vor dem Hintergrund bestimmter sozialer Konstellationen plausibel. Im veränderten kulturellen Kontext ist alles anders. Frauen gibt es eigentlich nicht, sie wurden von Männern dazu gemacht. Das Konzept Farbiger ist angesichts der Dominanz Weißer zu erklären. Fremde sind als verkappte Einheimische zu begreifen.

Warum nicht einmal anders herum? Donald Trump gilt als Erfindung alter weißer Männer, die ihren Niedergang mit Hilfe eines vermeintlichen Rassisten und Frauenfeindes wenigstens hinauszögern wollen. Man ändert die Hautfarbe des Bösewichts – schon hat er mehr Legitimität denn je. Für weiße Hautfarbe gilt: nur Zuschreibung aus früheren Zeiten, die heute hinderlich ist! Zu erkennen ist dieser Nachteil vor allem daran, dass es keine schlagkräftige „White lives matter“-Bewegung als wirkmächtige Erben des Ku-Klux-Klans gibt. Die Gegner des linken Antirassismus-Furors scheinen zu schwach, die Demolierung von Denkmälern berühmter Südstaaten-Ikonen zu verhindern.

Nun ist sicherlich klar zu betonen, dass Rassismus im Sinn biologisch bedingter Über- und Unterordnung strikt abzulehnen ist. Bestimmte Rassentheorien sind in der Tat durch ihren Missbrauch im Nationalsozialismus widerlegt. Dieses Urteil bedeutet aber nicht, dass gar keine Rassenkonzepte mehr begründet werden können. Zuerst muss ein Konzept gefunden werden, das dem heutigen Stand von Biologie und Genetik entspricht. Rasse ist hier nicht gleich Rasse und schon gar nicht Rassismus. Bei genauem Hinschauen verbietet es sich, das Kind mit dem Bade auszuschütten.

Betrachtet man ältere Bestrebungen, Rassen als kulturelle Erfindung darzustellen und als wissenschaftliches Konzept aufzulösen, so erkennt man das Muster eines alten Kulturkampfes. Der neuzeitliche Emanzipationsprozess geht mit einem bestimmten Programm einher: Er greift die Vorstellung von einer spezifisch menschlichen Natur an. So taucht beim Philosophen John Locke die Metapher von der Tabula rasa im 17. Jahrhundert auf. Der Mensch ist demnach eine leere Tafel, auf die alles eingeprägt werden kann. Nichts ist vorgegeben. Der Geist wird von Vertretern dieser Richtung gern als unbeschriebenes Blatt exponiert. Der Philosoph Leibniz schuf ein Gegengewicht zu dieser Strömung, indem er bestimmte Begrifflichkeiten, etwa „Gott“, als angeboren herausstellte.

Der Adressat einer solchen Kritik, wie sie etwa Locke pointiert hat, sind zuerst religiöse Ideen von der Natur, die primär in der Schöpfungstheologie zum Ausdruck kommen. Im Laufe des 19. Jahrhunderts dringen dann im Zuge von Evolutionstheorie, Darwinismus und Sozialdarwinismus immer mächtigere biologische Entwürfe vor. Zunehmende Bestrebungen zur Klassifizierung von Tieren und Pflanzen machen sich bemerkbar. Bereits Darwin hat die Gefahren gesehen, die im „Survival oft the fittest“ liegen, wenn man dieses Konzept auf den gesellschaftlichen Kontext überträgt, wie es vor ihm bereits Herbert Spencer getan hatte. Seine Schrift über den Menschen hat Darwin nicht zufällig erst spät veröffentlicht. Andere (wie die Schriftsteller Houston S. Chamberlain und Arthur de Gobineau) haben solche Zurückhaltung vermissen lassen. Sie sind deutlich über Darwin hinausgegangenen, indem sie höhere und niedere Rassen angenommen haben. Diese Autoren haben entscheidende Grenzen überschritten. Sie haben die Ebenbürtigkeit aller Menschen vor Gott, die nicht mit gesellschaftlich-rechtlicher Gleichheit identisch sein muss, bewusst negiert. Die Spätfolgen waren weitreichend.

Die Gefahren, die mit derartigen Kategorialisierungen verbunden sind, haben schon einige Gegner in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gesehen. Der Kulturanthropologe und Ethnologe Franz Boas (1858-1942) vertrat eine wirkmächtige milieutheoretische Auffassung vom Menschen. Er gründete eine bedeutende Schule, der die bekannte Anthropologin Margaret Mead angehörte. Genetische Einflüsse bezeichnete Boas als irrelevant. Für den US-Psychologen Burrhus F. Skinner war der Mensch nach dem Reiz-Reaktions-Schema beliebig programmier- und manipulierbar. Der Gedanke, man müsse lediglich die soziale Umwelt auf bestimmte Weise gestalten, dann würden die Menschen optimiert werden, prägt immer wieder neue Zeitalter – zuletzt die 1960er und 1970er Jahre, die einen Sieg des sozialwissenschaftlichen Weltbildes mit sich brachten. Obwohl damals Konrad Lorenz und seine Schule hinreichende Belege für die Überwindung des milieu- und konditionierungstheoretischen Paradigmas lieferten, schwirrt es noch in vielen Hinterköpfen herum. Das ehemalige Mitglied des Bundesbank-Vorstandes Thilo Sarrazin kann ein Lied davon singen. Besonders dessen Rekurs auf die partielle Erblichkeit von Intelligenz in der viel beachteten Schrift „Deutschland schafft sich ab“ führte zu seiner Diffamierung als „Eugeniker“. Dass er sich nur auf eine bestimmte kontroverse Richtung der Psychologie berufen hat (Elsbeth Stern, Heiner Rindermann, Delef Rost), störte die Kritiker wenig. Die Rassismus-Keule ist effektiver als jede sachliche Auseinandersetzung!

Nun gibt es in der Gegenwart seriöse und unseriöse Debatten über Rassen, auch unter Wissenschaftlern. Der Begriff, der nach Meinung vieler aus dem Verkehr zu ziehen ist, droht die Sache öfters zu verdecken, die er erhellen will. Einer der Väter der deutschen Humangenetik nach 1945, Friedrich Vogel, definierte in einem 1990 erschienen Aufsatz den Ausdruck „Rasse“ wie folgt: „[…] durch viele korrelierte erbliche Merkmale charakterisierte Bevölkerungsgruppen bezeichnet man als ‚Rassen‘. […] Menschliche Rassen gibt es, wenn man sie definiert als Korrelations-Schwerpunkte erblicher Merkmale“. Weiter ist der deutsch-amerikanische Genetiker jüdischer Herkunft Curt Stern anzuführen: „Rasse: Eine genetisch mehr oder weniger isolierte Gruppe von Menschen, die einen gemeinsamen Gen-Bestand aufweisen, der von dem der Angehörigen anderer ähnlicher Isolate verschieden ist“. Der US-Genetiker David Reich erregte erst vor zwei Jahren die Gemüter, als er einen Intellektuellen-Streit über Rasse und Erbgut auslöste.

Auf engem Raum ist es nicht möglich, auch nur Grundzüge einer wissenschaftlich fundierten Theorie von Rasseevolution zu entwerfen, die zwar notwendig unterscheidet, aber Hierarchisierungen vermeidet. Schon seit dem 17. Jahrhundert bot sich die Einteilung in Europide, Negride und Mongolide gemäß einfacher Beobachtung an. Stets war klar, dass es Populationen gibt, die nicht unter dieses einfache Schema fallen, etwa Buschmänner und Lappen. Man versuchte, äußere Maße zu nehmen, beispielsweise Schädel zu vermessen. Das klingt anstößig, ist aber im Grundsatz nicht viel anders zu werten als jüngst diskutierte Methoden forensischer DNA-Analyse, die die „biogeographische Herkunft“ von Menschen, vornehmlich von Straftätern, eruieren sollen.

In den 1950er Jahren kamen zu den äußerlichen Betrachtungen weitere Untersuchungsreihen dazu. Seither werden unanschauliche Merkmale wie die Blutgruppen, Serumproteine und so fort von den Wissenschaftlern einbezogen. Die Datenmenge wuchs schnell an. Zudem konnte man verbesserte statistische Methoden zur Verarbeitung der Daten heranziehen. Besonders boten sich multivariante Verfahren an.

In den 1980er Jahren ereignete sich eine erneute Wissenschaftsrevolution: Experten entdeckten die DNS-Polymorphismen, mit denen die Variabilität der Menschen auf genotypischer Ebene erforscht werden kann. Mit Hilfe solcher Differenzierungen kann man (jenseits von Geografie und Stammesgeschichte) subspezifische Einteilungen vornehmen. Analysen, die äußere Faktoren, etwa das Klima, aber auch Gendrifte berücksichtigen sind heute möglich. Hervorzuheben ist, dass solche Vorgehensweisen Merkmalsvariabilität als real anerkennen, also keine homogenen Typen annehmen. Variationen und Dynamik sind in diesen Betrachtungsweisen eingeschlossen. Der Grad der Verschiedenheit der Rassen wird seit den 1960er Jahren mit einer (selbstredend nicht unumstrittenen) Forderung versucht zu bestimmen: Zoologen insistierten darauf, dass 75% aller Individuen richtig zugeordnet werden können. Nur dann sei man in der Lage, von Rassen sprechen.

So ist zu resümieren: Die heute vorgeblich humanitaristisch motivierte „Dekonstruktion der Rassen“, über die der Anthropologe Andreas Vonderach unlängst eine wichtige Studie vorgelegt hat, ist ebenso haltlos wie die Annahme homogener Rassentypen und die Hierarchisierung von Rassen. Letzteres hat selbst die ältere seriöse Völkerbiologie (Egon von Eickstedt, Ilse Schwidetzky), die einen ganzheitlichen Ansatz bevorzugte und sich von NS-Einflüssen jedenfalls weitgehend ferngehalten hat, abgelehnt. Diese multifaktorielle Vorgehensweise hat sich schon vor weit über einem halben Jahrhundert in Abgrenzung gegen die humangenetische Schule Eugen Fischers als vorteilhaft erwiesen, die sich mehr mit Einzelmerkmalen befasst hat. Hier liegt wohl einer der Gründe, warum Fischer den Nationalsozialisten auf den Leim ging. Folgt man den neueren, äußerst vielfältigen Forschungen über die „Anthropologie Europas“ (Andreas Vonderach), so kann man über unterkomplexe linke „Vielfalts“-Propaganda nur den Kopf schütteln


Professor Dr. Felix Dirsch ist katholischer Theologe und Politikwissenschaftler. Er ist Autor diverser Publikationen, u.a. von „Nation, Europa, Christenheit“ und „Rechtes Christentum„. Dirsch kritisiert unter anderem den Einfluss der 68er-Generation und der „politischen Korrektheit“.

2012 erschien sein Buch „Authentischer Konservatismus. Studien zu einer klassischen Strömung des politischen Denkens““.


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Bild: privat, Mirta Toledo/Wikicommons/CC BY-SA 4.0

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