Er ist wieder da - Lenin in Gelsenkirchen


Weltweit werden im Zuge der "Black Live Matters" Bewegungen Statuen geschliffen. Manchmal fühlt man sich schon im Reiche der Taliban oder des Islamischen Staates - denn es galt bis jetzt als Zeichen für totalitäre, extremistische Bewegungen, wenn Denkmäler vernichtet werden. In Zeiten, in denen selbst Staturen von Winston Churchill nicht mehr sicher sind, setzt nun Deutschland ein Gegenbeispiel: Mitten im früheren Westen, in Gelsenkirchen, ließ die linksextremistische Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands am Wochenende ein Lenin-Denkmal aufstellen.


Motto des Festaktes in der Ruhrpott-Metropole: „Gib Antikommunismus keine Chance.“ Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hatte im Winter den Baustopp für das Denkmal gekippt. Die Stadt wollte zunächst die Genehmigung verweigern mit der Begründung, die Statue würde den Blick auf das historische Sparkassengebäude behindern.Das Gericht konnte jedoch keine baurechtlichen oder denkmalrechtlichen Gründe gegen die Errichtung erkennen.

Und so prangt jetzt mitten im Herzen des Ruhrgebiets ein Massenmörder, der Millionen Menschen ins Unglück stürzte und für die Einführung von Terror als Mittel der staatlichen Politik in der Sowjetunion und weit über ihre Grenzen hinaus verantwortlich war, auch in Deutschland. In anderen Teilen der Welt, die jahrzehntelang unter Lenins Terror gelitten haben, wurden Statuen des Diktators massenhaft abgebaut.

Dass Denkmäler gemäßigter Politiker heute gestürzt werden, eines des totalitären Vordenkers Lenin dagegen errichtet wird, ist an Symbolik kaum zu unterschätzen. Es ist eine Verhöhung der bis zu hundert Millionen Todesopfer, die der Kommunismus forderte. Und es zeigt, wie wenig viele Menschen aus der Geschichte gelernt haben. Insbesondere aus der Geschichte linker Diktaturen. Ihre Vordenker sind heute wieder salonfähig. Einer der größten Irrtümer Lenins war seine felsenfeste Überzeugung, im Besitz der Wahrheit zu sein. Daraus leitet er die Legitimation ab, alle Mittel einzusetzen. Auch Terror und das Ermorden von denen, die seiner Wahrheit nicht folgen wollten. Vielleicht rührt daher die heutige Begeisterung für ihn – viele stramm Linke sehen sich genauso wie Lenin im Besitz der Wahrheit.


Bezeichnend ist auch die Reaktion vieler Medien. Manche zeigten sich schlicht erheitert durch die Statue, viele verharmlosten. So selbst die früher einmal konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung. Dort dürfen die Lenin-Fans begründen, warum ihr Idol so ein guter Mensch war - und es wird kaum widersprochen. Die "Zeit" framt gar die Gegner des Denkmals: "Mehr als 50 Menschen demonstrierten gegen die Aufstellung der Statue. Darunter seien auch Angehörige rechter Gruppierungen gewesen, sagte ein Polizeisprecher." Genau so steht es auch im Beitrag des teilweise zur SPD gehörenden Redaktionsnetzwerks Deutschlands RND, das 50 Zeitungen deutschlandweit mit Artikel beliefert. Offenbar übernahmen beide Redaktionen ihre Texte in weiten Teilen von der Deutschen Presseagentur dpa. Kritik an der Statue selbst ist etwa im Beitrag der "Zeit" nur kurz und aus Zitaten des Oberbürgermeisters heraus zu lesen. Auch in einem Beitrag des WDR ist Kritik nur sehr dezent angedeutet.


ntv schreibt: "Das Denkmal ist in der Stadt umstritten. Rechte Gruppen erscheinen zum Protest. Zuvor entdeckt die Polizei in der Stadt Hakenkreuz-Schmierereien." Und weiter: "In der Nacht von Freitag auf Samstag schmierten Unbekannte an verschiedenen Orten in Gelsenkirchen Hakenkreuze, SS-Runen und weitere rechtsradikale Symbole und Parolen. Einen Zusammenhang zu den Demonstrationen gegen die umstrittene Statue wollte ein Polizeisprecher zunächst weder herstellen noch ausschließen." Was bitte hat es dann mit der Lenin-Statue zu tun, und in einem Bericht über diese zu suchen?


Weder in dem Beitrag in der FAZ noch in der "Zeit" kommt das Wort "linksextrem" vor, das etwa die Bild gleich in ihrer Überschrift verwendet - völlig korrekt. Die neutrale bis wohlwollende Berichterstattung vieler Medien erschüttert mehr als das Aufstellen der Statue selbst.

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Motto des Festaktes in der Ruhrpott-Metropole: „Gib Antikommunismus keine Chance.“ Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hatte im Winter den Baustopp für das Denkmal gekippt. Die Stadt wollte zunächst die Genehmigung verweigern mit der Begründung, die Statue würde den Blick auf das historische Sparkassengebäude behindern. Das Gericht konnte jedoch keine baurechtlichen oder denkmalrechtlichen Gründe gegen die Errichtung erkennen.

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