Fake-News zu Stuttgart - wie die Medien manipulieren

Aktualisiert: Juli 15


Gestern schrieb ich hier an dieser Stelle über die Reaktionen der Medien zu den Ereignissen vom Wochenende in Stuttgart. Obwohl es wieder zu Auseinandersetzungen in der so genannten "Partyszene" kam, wie die Behörden in Baden-Württemberg den vor allem aus Migranten und deren Kindern bestehenden Mob schönredend bezeichnen, war die beherrschende Schlagzeile in den Medien, dass die Polizei jetzt "Stammbaumforschung" betreibe. Hier sehen Sie den Nachrichtenüberblick vom Sonntag Abend zu den Schlagworten Stuttgart und Polizisten - wo man eigentlich erwartet hätte, dass die verletzten Beamten im Vordergrund stehen:

Das Empörungs-Karussell mit den üblichen Lautschreiern drehte sich fast rotierend schnell. Kaum einer der Dauer-Empörten durfte fehlen. "Politiker auf Stadt- und Bundesebene reagieren empört", schrieb etwa n-tv: Und zitiert SPD-Chefin Saskia Esken : "Das verstört mich nachhaltig." Ich erspare Ihnen an dieser Stelle die Aufzählung aller ähnlichen Kommentare und die Darstellung, wie stark das Thema am Sonntag im Vordergrund der Berichterstattung stand. Wichtig ist nur zu betonen, dass das Reizwort "Stammbaumforschung" der entscheidende Trigger war, mit dem die Empörung über die Polizei ausgelöst wurde.


Und dann das. Heute erreicht mich die E-Mail eines Lesers mit einem Link auf einen Artikel der Stuttgarter Zeitung, die offenbar den Reizbegriff ins Spiel gebracht hat. Und dort wird erklärt, dass der Begriff frei erfunden war. "Aufregung um angebliche Äußerung im Gemeinderat - Polizei Stuttgart: „Keine Stammbaumforschung“, so lautet die Überschrift über dem Beitrag. Und es kommt eine atemberaubende Geschichte zum Vorschein, wie es der Begriff "Stammbaumforschung" zu einem der großen Themen des Sonntags schaffte:. "Der Grünen-Stadtrat Marcel Roth zitierte den Polizeichef so zuerst auf seiner Facebook-Seite, drei bis vier Fraktionskollegen hätten ihm bestätigt, dass der Begriff so gefallen sein soll. Auch Christoph Ozasek vom Linksbündnis im Gemeinderat sagte, Roths Darstellung des Gesagten treffe zu".


Weiter heißt es in dem Artikel: "Die Stuttgarter Polizei tritt dem vehement entgegen. Und der Sprecher der Stadt Stuttgart, Sven Matis, springt der Polizei bei. Er habe den 16-minütigen Mitschnitt des Vortrags von Polizeipräsident Lutz abgehört. Darin falle der Begriff „Stammbaum“ nicht. Auch in der folgenden Aussprache spiele der Begriff keine Rolle." Es gibt nicht den geringsten Grund, die Aussage der Stadt unter Berufung auf einen Mitschnitt zu bezweifeln. Der Vorwurf gegen den Polizeipräsidenten, der ihn und die Polizei bundesweit bei vielen in Verruf brachte, war frei erfunden - von Grünen und Linken. Und unzählige Medien haben ihn ungeprüft übernommen und als großes Thema präsentiert. Die Manipulation geht noch weiter.


Rief man die Startseite der "Stuttgarter Zeitung" am Montagnachmittag auf, findet man dort drei Artikel mit dem Schlagwort "Stammbaumforschung". Darunter aber nicht den, der entlarvt, dass es sich um Betrug handelte - sondern zwei, die den Eindruck erwecken, das Wort sei tatsächlich in der Debatte. Großer Aufmacher, also erster und wichtigster Artikel auf der Seite, ist ein Beitrag mit der Überschrift: "Debatte um „Stammbaumforschung -Migrationshintergrund ist statistisch nicht relevant." Weiter unten ist ein Beitrag zu finden mit der Schlagzeile: Bundesregierung lehnt Begriff „Stammbaumforschung“ ab. Erst um 17 Uhr erschien dann noch recht weit unten auf der Startseite im Lokalen ein Bericht, in dem der Streit um das Wort thematisiert wird. Aber auch hier ist das Dementi nicht in der Überschrift - und viele Leser lesen nur die, sondern erst im Vorspann zu finden, da aber korrekt.

Dass der Begriff erfunden ist, erfährt aus der Startseite zumindest bis 17 Uhr nur der Leser, der gezielt danach sucht. Alle anderen werden im gegenteiligen Glauben gewogen: Ein erfundener Begriff, der für Aufregung sorgt, wird in die Diskussion geworfen, das Dementi verhallt, und es wird weiter so getan, als sei der erfundene Begriff zutreffend. Das erinnert an die so genannten "Hetzjagden" von Chemnitz, die es laut Landeskriminalamt, Landesregierung und Regionalzeitung nie gegeben hat.


Und nicht nur die Stuttgarter Zeitung manipuliert hier so - eine Suche bei google news zeigt, dass diese Manipulation quer durch die Presselandschaft geht:

Sucht man gezielter, findet man auch Dementis. Teilweise sind diese aber vergiftet - wie etwa bei ntv: "Keine Stammbaumforschung - Polizei relativiert Herkunftsermittlungen". Sie relativiert nicht, sie weist eine Erfindung zurück.


Während manche Medien, wie etwa Spiegel, korrekt relativ oben auf der Startseite auf das Dementi hinweisen, fehlt es bei anderen völlig, etwa beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), bei dem die SPD zu den Eigentümern gehört, wovon aber möglicherweise ein Großteil der Leser der mehr als 50 Zeitungen gar nichts ahnt, die das RND mittlerweile mit Artikeln beliefert. Während am Sonntag auch beim RND die "Stammbaumforschung" in den Schlagzeilen zu finden war und zu den verletzten Polizisten in diesen nichts stand, ist am Montagabend auf der RND-Startseite zu dem Thema nur ein Beitrag zu finden - so, als habe es nie ein Dementi gegeben:


Auch die Süddeutsche Zeitung führt ihre Leser auf der Startseite in die Irre:


Kein Dementi zu finden ist laut google auch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Welt - Zeitungen, die einmal als konservativ galten. Manipuliert wird auch der Gebührenzahler bei Tagesschau.de - und das auch noch auf besonders perfide Weise: Zum einen ist das Dementi nur unten auf der Seite zu finden, zudem wird es so verpackt, dass es gar nicht als Dementi zu erkennen ist. Es erweckt eher den umgekehrten Eindruck:


Völlig im Dunklen lässt seine Gebührenzahler auch das ZDF. Am Sonntag hatte es noch von der angeblichen "Stammbaumforschung" berichtet, das Dementi war dem Sender aber laut google und Startseite keine Meldung mehr wert.


Der Grünen-Stadtrat Roth, der die Fake-News initiiert und damit eine sachliche Debatte verhindert hat, sagt nun laut Stuttgarter Zeitung: „Es geht um die Sache und nicht um den Begriff“. Das erinnert an den alten und heute leider sehr aktuellen Ausspruch, wenn man mit Exkrementen wirft, bleibt immer etwas hängen.


Es wird künftigen Historikern vorbehalten bleiben, die Gründe für dieses fast schon kollektive Medienversagen zu erforschen. Sehr lohnenswert sind die Erklärungen von Professor Norbert Bolz, der kürzlich im Gespräch mit mir erklärte, wie aus Journalisten "Umerzieher" wurden (nachzulesen hier), und ein Artikel von Josef Kraus über die "Apportier-Presse" (zu finden hier). Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die finanzielle Abhängigkeit der Medien vom Staat, die es in dieser Form noch nicht gab und die etwa durch verdeckte Finanzierung durch Werbung geschieht - allein in den vergangenen fünf Jahren fast 200 Millionen Euro, wie reitschuster.de exklusiv aufdeckte.


Morgen früh finden Sie auf meiner Seite einen Beitrag von Josef Kraus darüber, wie bei dem Thema inhaltlich manipuliert wird: Das, was als "Stammbaumforschung" diskreditiert wird, ist in Wirklichkeit eine Praxis, die das Jugendgerichtsgesetz explizit vorschreibt, in Paragraph 38. Demnach ist der familiäre Hintergrund von jugendlichen Tatverdächtigen zu untersuchen. Genau das, was gerade versucht wird zu skandalisieren.

Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2020 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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