„Götzenkult der Herrenmenschen“

„Dem Herrenmenschen ist es nicht beizubringen, dass es nicht darum geht, die deutsche Erinnerungskultur „seiner Täterschaft“ zu pflegen, sondern ein solcher Götzenkult zu dem Wunsch der Ermordeten – also „unserer Opfer“ – komplett konträr läuft. Eine Abrechnung von Thorsten Kraft, einem jüdischen Bürger, mit dem „Zentrum für Politische Schönheit“ (#ZfPS) und seiner jüngsten Aktion mit der Asche von Nazi-Opfern. Seinen Kommentar hat Kraft anderen Medien angeboten – die ihn nicht drucken wollten. Ich biete ihm als gerne journalistisches Asyl auf reitschuster.de


Gastbeitag von Thorsten Kraft


Beim Zentrum für Politische Schönheit gehts mal wieder rund. Wer Götz Alys Behauptung widerspricht, dass sich vor dem #ZfPS niemand um das Andenken der Millionen in Europa vernichteten NS-Opfer gekümmert hätte und

seine „Ahnungslosigkeit“ anprangert, wird trotz Wissen, dass man #Shoa-geschädigter Angehöriger ist, massivst von den Groupies dieser Totenkult-Sekte attackiert und beleidigt.

Es ist faktischer Unsinn so eine Behauptung aufzustellen und es zeugt entweder von tatsächlicher, erschreckender Ahnungslosigkeit, die dieser Mann an den Tag legt, oder er lügt wissentlich um dem „Zentrum für Politische Schönheit“ einen Gefälligkeitsdienst zu erweisen.

Beides davon wäre im übrigen für einen renommierten Historiker mehr als bedenklich.

Juden überall auf der Welt, insbesondere solche, die zum Beispiel in Polen leben, kämpfen seit über 80 Jahren darum, dass solche Aktionen wie die des ZfPS nicht möglich sind. Man hat gezielt und aktiv auf Regierungen eingewirkt, und in Polen z.B. dafür gesorgt, dass die Störung der Totenruhe in dieser Art ein heftig Straftatbestand ist, wenn jemand anfängt NS-Opfer auszubuddeln um sie aus welchem Grund auch immer zur Schau zu stellen, die Opfer zu instrumentalisieren oder andersweitig zu verwerten. Neben religiösen Motiven lag das Augenmerk hauptsächlich auch darauf, dass man Pilgerfahrten von Nazis zu solchen Workcamps verhindern versuchte. Dies führte unter anderem auch zu massiven diplomatischen Problemen zwischen den Regierungen Polens und Israels.

Dem Herrenmenschen ist das aber irgendwie nicht beizubringen, dass es nunmal nicht

darum geht die deutsche Erinnerungskultur „seiner Täterschaft“ zu pflegen, sondern ein solcher Götzenkult zu dem Wunsch der Ermordeten – also „unserer Opfer“ – komplett konträr läuft. Es verletzt die Gefühle der Nachfahren und Hinterbliebenen, weil u.a. nunmal die ethisch-moralischen Wertvorstellungen wie man Toten gedenkt und mit ihren Überresten umgeht, gänzlich unterschiedlich zu einander stehen und damit dem traditionellen toitschen Opferkult komplett entgegenstehen.

Nevertheless, der Bessermensch glaubt er tut damit etwas Gutes, er glaubt fest daran, dass mit der Aktion dem Wunsch der Betroffenen entsprochen werde. Und da können ihm Juden noch so heftig widersprechen, er bleibt stur bei seiner Meinung.

Lieber deutscher, nicht-jüdischer ZfSP-Groupie.

Jeder Wolke, die ich am Himmel vorbeiziehen sehe, ist eine deutlich empathischere Erinnerung an meine von Euren Opas und Omas ermordeten Verwandten als eine Asche-Säule am Reichstag. Denn der Rauch der aus den Schornsteinen der Krematorien aufstieg, vernichtete unsere Erinnerungskultur und beschädigt das Andenken an unsere Verwandten. Und danach habt ihr Euch zu richten und nicht wir haben uns Euch zu beugen.

Ich brauche keine Asche, die mich daran erinnert und ich möchte auch nicht, dass in deutschen Händen mit Eurer Empathielosigkeit Schreine der Judenvernichtung aufgebaut werden, die u.a. von Nazis oder wem auch immer zweckentfremdet werden könnten. Und was ihr braucht, um den in Euch oder Euren Nachbarn steckenden Vernichtungswahn zu bändigen, ist mir scheißegal.

Nennt mich einen Deppen, einen „besoffenen, volltrunkenen Wahnwichtel“, frönt bereits um 9:00 Uhr am morgen Eurem AlltagsAntisemitismus und zeigt damit aller Welt Euer wahres „Ich“. Denn offenbar, ist es immer noch so, dass wenn Euch die Meinung und Einstellung oder Gepflogenheiten meiner Ethnie nicht passen, dass ihr

vollkommen austickt. Und damit zeigt ihr ganz genau das, was ich Euch in meinen Kommentaren mitteile: Ihr seid der lebende Beweis, dass Euer Volk nichts aus der Geschichte gelernt habt, sondern ihr weiterhin und gottgleichen gedenkt über jüdisches Leben (oder dem Verbleib unserer Toten) verfügt, wie ihr es von Euren Eltern, Grosseltern und Ur-Großeltern vorgelebt bekommen habt.


Thorsten Kraft, M.S./Ph.D. Computer Science, studierte nach seinem Wehrdienst bei den Israel Defence Forces Informationssicherheit in Tel Aviv und Berkeley. Er arbeitete zunächst als IT Security Spezialist bei namhaften Telekommunikationsunternehmen in den Bereichen Kommunikation und Internet. Im weiteren Verlauf seiner Karriere verantwortete er für den Branchenverband eco e.V. den Bereich Cyber Defence und projektierte mehrere nationale und europäische Projekte im Bereich der Cyber Crime-Abwehr. Seit 2015 ist er beratend im Bereich kritische Infrastrukturen tätig. – ALLE – Allianz Liberaler und Libertärer Europäer

Bilder: privat, Bundesarchiv, B 285 Bild-04413 / Stanislaw Mucha / CC-BY-SA 3.0, Dnalor_01,Wikimedia Commons, Lizenz CC-BY-SA 3.0.

Keine Kommentare zu „Götzenkult der Herrenmenschen“

Kommentar schreiben