Hauptsache inkompetent: Berlins Bürgermeister Müller will Bauminister werden

Ich muss Ihnen heute ein Geständnis machen. Journalismus war nicht immer mein Traumberuf. In sehr jungen Jahren hatte ich mir ausgemalt, einmal Kabarettist zu werden. Dieter Hildebrandt war das große Vorbild. Und im Nachhinein muss ich sagen: Es war ein Segen, dass es nichts geworden ist. Nicht nur, weil mir das nötige Talent fehlt. Selbst wenn ich das hätte – die Politik übertrifft heute alles, was ein Kabarettist sich ausdenken kann. Davon musste ich mich gerade eben wieder neu überzeugen, als ich die folgende Nachricht las: „Berliner Regierender Michael Müller will Deutschlands Bauminister werden.“

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – aber ich musste wirklich herzhaft lachen bei dieser Überschrift. Gut, dass es kein Amt des Flughafenbau-Ministers gibt, sonst hätte der Berliner Bürgermeister sicher darauf seinen Anspruch angemeldet. Ich musste sofort an den alten Witz aus der Sowjetunion denken: „Das Fleischgeschäft ist das Geschäft, in dem es kein Fleisch gibt, im Gegensatz zum Milchladen, da gibt es keine Milch, während in der Buchhandlung keine Bücher zu kaufen sind…“

Im Sozialismus mit kapitalistischem Antlitz in Merkels Bundesrepublik scheint dieses Prinzip nun auf die Politik übertragen zu sein. Gesundheitsminister ist ein Bankkaufmann, Kanzleramtsminister ein Arzt, und Wirtschaftsminister ein Jurist. Leiter des Robert-Koch-Instituts ist ein Tierarzt. Müller ist gelernter Bürokaufmann und war Druckerei-Besitzer. Berlins Bausenatorin Katrin Lumpscher von der „Linken“ wurde im Volksmund „Nicht-Bausenatorin“ genannt. Die Wohnungsnot bekämpfte sie nicht durch Bauen, sondern durch den Mietendeckel. Der kommt faktisch einer Teil-Enteignung der Eigentümer gleich und führt zu noch weniger Wohnungsbau.

Ausgerechnet die B.Z. aus dem Springer-Verlag sieht diese baupolitische Bankrotterklärung unter Müller als Qualifikation des Möchtegern-Ministers. „Nach dem Berliner „Mietendeckel“-Durchbruch“ – so ihre Dachzeile über der Nachricht vom Wunschministerium des Bürokaufmanns. Vielleicht sollte man Inkompetenz zur Regel machen und sie das „Müller-Prinzip“ nennen. Spontane Personalideen: Peter Altmeier als Gesundheitsminister, Robert Habeck als Wissenschaftsminister, Ralf Stegner als Außenminister, das Landwirtschaftsministerium für Angela Merkel, Saskia Esken als Finanzministerin und Sawsan Chebli als Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales… Moment – das ist sie ja schon. Sie sehen – die Realität ist durch Satire nicht mehr zu toppen!

Aber ganz zum Schluss doch noch eine ernste Anmerkung. Denn das Thema ist zu traurig und die Folgen zu schwer, um es nur mit Galgenhumor zu sehen. Wo die Mittelmäßigkeit regiert, duldet sie neben sich kein Talent. Angela Merkel ist die Perfektionierung dieses Prinzips. Fast alle Politiker, die noch Format hatten, hat sie weggebissen oder mit kompromittierendem Material weggeschossen. Ihre Kanzlerschaft wurde so mehr und mehr zum Triumph des politischen Kastratentums und der Imkompetenz. Frei nach dem Märchenerzähler Hans Christian Andersen: Je nackter die anderen dastehen, umso weniger fällt die Nacktheit des Kaisers auf.


Bild: Sandro Halank, Wikimedia Commons/CC-BY-SA 3.0/pxhere/bearbeitet/ReitschusterText: br

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