Karl Marx statt Jim Knopf und Pippi Langstrumpf?

Es ist ein untrügliches Zeichen von Gesellschaften mit totalitären Ansätzen, dass Bücher verboten werden. Umso erschreckender ist es, dass es in der Bundesrepublik heute wieder Bestrebungen in dieser Richtung gibt. Zwar in modernisierter Form – die Bücher werden nicht mehr verbrannt und auch nicht formell verboten. Aber sie werden etwa aus dem Handel genommen und vor ihrer Lektüre wird gewarnt.

Schon die Katzenromane von Akif Pirinçci mussten daran glauben, nachdem ihr Autor auf einer Pegida-Veranstaltung aufgetreten war. Und nachdem aus seiner Aussage, seine politischen Gegner würden Konzentrationslager vorbereiten, in vielen Medien genau das Gegenteil gemacht wurde – dass Pirinçci für den Bau von Konzentrationslagern sei. Ein Ping-Pong-Spiel der Absurditäten. Aber was können fiktive Katzen in Büchern dafür?
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Jetzt traf der Bannstahl der neudeutschen Kulturkrieger auch Attila Hildmann. Nachdem sich die Buchkette Thalia geweigert hatte, die Werke des Vegan-Kochs mit dem Hang zum politischen Exzess aus dem Sortiment zu nehmen, wie dies moderne Jakobiner forderten, kam Konkurrent Hugendubel dem Ruf nach „Sauberkeit“ im Buchregal nach. Die Kette erklärte, alle Hildmann-Bücher aus dem Regal zu nehmen. Es handelt sich wohlgemerkt nicht um Anleitungen zum Umsturz und auch nicht um politische Werke, sondern um Kochbücher. Ob Hugendubel jetzt auch die Regale desinfizieren wird, auf denen die Hildmann-Bücher standen, und einen Teufelsaustreibervorladen, ist unbekannt. Es wäre aber die logische Konsequenz.

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), zu dessen Eigentümern die SPD gehört und das mehr als 50 Zeitungen mit Artikeln beliefert, deren Leser von der SPD-Verstrickung wohl zumeist wenig ahnen, hetzt sogar gegen „Thalia“, weil die Kette die Hetzjagd nicht mitmacht. Unter der Überschrift „Thalia verkauft weiter Hildmann-Bücher: Ein Paradebeispiel für Ignoranz“ schreibt RND: „Obwohl Attila Hildmann hetzt, pöbelt und Menschen mit dem Tode droht, will Thalia weiterhin seine Kochbücher verkaufen. Die Reaktion der Buchhandlungskette ist ein Wegducken vor gesellschaftlicher Verantwortung, kommentiert Matthias Schwarzer. Andere Unternehmen haben längst gezeigt, wie man mit Hildmann umgehen muss. Obwohl Attila Hildmann hetzt, pöbelt und Menschen mit dem Tode droht, will Thalia weiterhin seine Kochbücher verkaufen.“

Das ist kein Journalismus mehr, das ist Agitation und Kulturkriegerei.

Als nächstes könnte es jetzt den großen Kinderbuchautoren Michael Ende und Astrid Lindgren an den Kragen gehen. „Jim Knopf wird leider noch oft gelesen“, so lautet eine Überschrift im Zentralorgan des linksgrünen Zeitgeists, der „Zeit“. Dort wird Christiane Kassama, 56, interviewt, die in Hamburgeine Kita leitet und, so wörtlich „diskriminierungssensible, rassismuskritische Frühbildung von Kindern in Kita und Vorschule eintritt.“ Übersetzt in unideologisches, lesbares Deutsch: Sie will schon Kleinkinder politisch auf Linie bringen und indoktrinieren.

„Frau Kassama, Sie werden gebucht, um die Kitas für eine rassismuskritische Bildungsarbeit zu sensibilisieren. Welche Reaktion erleben Sie am häufigsten, wenn Sie vor Erzieherinnen und Erziehern auftreten?“, fragt die Zeit die Expertin für Antirassismus-Bekämpfung in den Windeln. Ihre Antwort: „Boah, wir müssen sofort unsere Bilderbücher überprüfen.“ Das ist meistens der erste Satz. Die Kolleginnen und Kollegen merken plötzlich, was sie jeden Tag vorlesen. Vorher haben sie gedacht: Ach, damit bin ich selbst groß geworden, so schlimm kann das nicht sein. Und dann wachen sie auf. Viele Bilderbücher transportieren unbewusst Klischees und damit Rassismus. Kinder, die von Rassismus betroffen sind, identifizieren sich damit und weiße Kinder wachsen mit dieser Einstellung unbewusst auf.“

Weiter mahnt Kassama: „Jim Knopf wird leider noch oft gelesen. Jim Knopf reproduziert viele Klischees, zum angeblich typischen Wesen und Äußeren von Schwarzen. Jim Knopf ist so, wie sich Weiße ein lustiges, freches, schwarzes Kind vorstellen. Auch Pippi Langstrumpf liegt als Buch fast in jeder Kita.“ Das, so der Tenor des Textes, müsse sich nun schnellstens ändern. Vielleicht sollte man lieber die Schriften von Karl Marx und Wladimir Lenin in der Kita auslegen?

„Trotzdem sind rassismuskritische Konzepte in der Frühbildung in Hamburger Kitas selten“, fragt der Zeit-Interviewer mit unverhohlenem Entsetzen darüber – so wie in dem ganzen Interview nicht einmal ansatzweise irgendeine Distanz des Journalisten gegenüber der Interviewten an, geschweige denn, es gebe eine kritische Nachfrage, die nicht in die gleiche Stoßrichtung ginge wie der Kampf der Befragten.

Die wittert hinter jeder Ecke Rassismus. Etwa, weil in einem verbreiteten Kinderbuch ein farbiges Kind zu sehen ist, das abseits steht. Im Umkehrschluss muss das heißen: Farbige Kinder dürfen nur abgebildet werden, wenn sie im Zentrum stehen.

Kassam klagt, „Bildung wird nicht als Diversitätsbildung gesehen“. Zumindest das macht Hoffnung – dass es eben noch nicht so weit ist, dass Indoktrinierung von Kindern schon Konsens ist, wie sie sich das wünscht. Weiter sagt sie: „Es gibt ein paar Einrichtungen, die wollen wirklich hingucken und etwas verändern. Und es gibt ganz viele Träger, die zeigen überhaupt kein Interesse.“ Man kann nur inständig hoffen, dass dies so bleibt.


Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2020 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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Bilder: Immanuel Giel/Wikicommons/Reitschuster

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