Kein Test – kein Corona

Als ich vor einigen Tagen hier die Frage aufwarf, warum die Todesrate bei Corona in Deutschland so viel geringer ist als in anderen Ländern, etwa Frankreich, Spanien und Italien, wurde ich massiv angegriffen, sogar von „Hetze“ war die Rede. Und in kaum einem der großen Medien wurde dieses Thema aufgegriffen. Inzwischen – mit tagelanger Verspätung – ist die Frage auch bei den „Großen“ angekommen. Focus Online schreibt in einer Überschrift: „Deutsche Todesrate deutlich niedriger als in anderen Ländern – Experten rätseln.“ In dem Text heißt es: Der in der Weltgesundheitsorganisation WHO für das Management ansteckender Krankheiten in der Region Europa „zuständige Arzt Richard Pebody sagte am Dienstag, es könne etwa darin liegen, dass die einzelnen Staaten der Erde die Fälle mehr oder weniger genau zählen oder tatsächlich an der Qualität der Behandlung. ,Wir müssen natürlich untersuchen, ob diese Unterschiede real sind´“, sagte Pebody.

Die Frage, die noch vor ein paar Tagen massiv als „Verschwörungstheorie“, ja Ketzerei abgetan wurde, ist jetzt offiziell von der WHO aufgeworfen. Auch eine ganz andere Zahl war genauso rätselhaft: Nur zwei Schwerkranke in ganz Deutschland – das war bis vor kurzem noch so in der offiziellen Statistik zu Corona zu lesen – als die Zahl der Infizierten bereits mehrere Tausende erreichte. Zuvor war wochenlang konstant von neun Schwerkranken wegen Corona die Rede. Wie kam es zu solchen Zahlen, die überhaupt nicht realistisch klingen? Was man bisher nur argwöhnen konnte – dass es sich um fiktive Zahlen handelt – ist nun quasi amtlich: “Wie viele Covid-19-Patienten derzeit bereits auf Intensivabteilungen liegen, ist nicht bekannt“, heißt es in einem Bericht der Tagesschau. Dort wird die Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI) Susanne Glasmacher zitiert: “Den Gesundheitsämtern dürften die Informationen häufig nicht vorliegen oder können aus Kapazitätsgründen nicht recherchiert werden. Dementsprechend liegen dem RKI nur zu einem geringen, nicht aussagekräftigen Teil der Patienten diese Informationen vor.”

De facto bedeutet das: Die Statistik ist wertlos. Ebenso wie möglicherweise bei den Todeszahlen gilt: Wo nicht getestet bzw. gezählt wird, sind die vorhandenen Zahlen nicht aussagekräftig. Doch es kommt noch schlimmer. So berichtet etwa die Wetterauer Zeitung das, was bereits anhand von zahlreichen Berichten von Betroffenen (siehe hier) naheliegt: „Der Wetteraukreis hat verkündet, dass keine Tests auf Coronavirus mehr durchgeführt werden. Nun hat die Wetterauer Zeitung beim Wetteraukreis nachgefragt – und auch erfahren, dass es mehr bestätigte Fälle gibt, als bisher angenommen.“

Weiter heißt es dort: „Der Grund dafür, dass nicht jeder Verdachtspatient getestet wird: ,Um die begrenzten Kapazitäten der Labore nicht zu überlasten, aber auch um Bestände an Schutzmaterial zu strecken´, sagt Wetteraukreis-Pressesprecher Michael Elsaß. Für Verdachtspatienten – etwa Personen, die Kontakt zu bestätigten Fällen hatten oder aus ,Risikogebieten´ kommen – bedeutet das: ,Sie bleiben zu Hause`. (…) Dieses Vorgehen solle nun in allen Landkreisen Hessens Standard werden.“ Auch Düsseldorf kündigte an, nicht mehr alle Verdachtsfälle zu testen: „Dafür reichen die Ressourcen, vor allem in der Zukunft, nicht“, sagte Gesundheitsamtsleiter Klaus Göbels.

Auch die Stuttgarter Zeitung berichtet: „Erste schwere Corona-Fälle – Tests nur bei Gefährdeten.“ Und weiter: „,Wir müssen etwas sparsamer mit den Tests umgehen´, sagt Mark Dominik Alscher, der medizinische Geschäftsführer des Robert-Bosch-Krankenhauses (RBK). Aus mehreren Gründen. So gebe es einen ´Materialengpass´ bei den Lieferanten der Reagenzien, welche man für die Tests benötigt. Angesichts der wachsenden Zahl von Infektionen mit mehr schwierigen Krankheitsverläufen müsse man gezielter vorgehen.“

Später bestätigte dann das heute-Journal am 17. März, die Berichte aus den Regionen: dass auf Empfehlung des Robert-Koch-Institutes inzwischen bundesweit nur noch Menschen getestet werden sollen, die entweder mit einem Infizierten Kontakt hatten oder in einem Risikogebiet waren – um die Test-Ressourcen zu schonen. Gleichzeitig könnte es aber nach Angaben des Leiters des Gesundheitsamtes Mainz Dietmar Hoffmann bald auch kein durchgehendes Testen dieser Risikogruppen sowie von medizinischem Personal mehr geben: „Man wird wahrscheinlich langsam dazu übergehen müssen, einen Strategie-Wechsel zu machen, also nicht mehr jeden zu testen, sondern nur die Leute zu testen, die besonders gefährdet sind.“

In Stalins Sowjetunion gab es den makabren Spruch: „Wenn der Mensch weg ist, ist auch das Problem weg“. Einen ähnlichen Leitsatz im Umgang mit der Corona-Statistik haben nun offenbar die deutschen Behörden – wenn auch, nach eigener Auskunft, notgedrungen, weil Tests fehlen.

Der Berliner Testhersteller Olfert Land beklagt „ein kapitales Versagen der Administration“. Seit Januar hat seine Firma bereits drei Millionen Tests hergestellt und in mehr als 60 Länder versandt. Jetzt fehlen sie in Deutschland. Er berichtet, dass er die Tests für 2,50 Euro verkauft und sie eigentlich 10 Euro kosten müssten mit den Laborkosten. Es würden aber, so der Unternehmer, 300 Euro pro Test berechnet. Warum? Und warum wird dieser Frage kaum nachgegangen?

Statt solche Fragen zu stellen, konzentrieren sich die öffentlich-rechtlichen Nachrichtensender leider mehr darauf, braven Verkündungsjournalismus für die Regierung zu betreiben. Dabei überschreiten sie auch die Grenzen zur Propaganda. Als etwa Polen die Grenzen schloss, beklagte Claus Kleber im ZDF-heute-Journal, das Land grenze sich ab. Als kurz Deutschland das gleiche tat, fand Kleber das offensichtlich gut – wegen der sonst drohenden gefährlichen Folgen. Wie sich ein und derselbe Moderator an zwei verschiedenen Tagen von einer völlig anderen Seite zeigt – aber immer von der, die auf Regierungskurs liegt, könne Sie hier im Video ansehen.

Doch damit nicht genug. Es werden auch harte Fake-News, also Falschmeldungen verbreitet – und bis hinauf ins Kanzleramt durch gewunken. Die Mär: US-Präsident Donald Trump habe eine deutsche Firma aufkaufen wollen, um einen möglichen Impfstoff nur für die USA zu sichern. Propaganda, die durch fast alle Medien hierzulande lief – in Kürze hierzu mehr auf meiner Seite.

P.S.: Ich werde massiv angefeindet, weil ich kritisch über das deutsche Corona-Krisenmanagement berichte, es wurde mit „Hetze“ vorgeworfen (siehe hier). Ich bin vom Gegenteil überzeugt: Die Kontrollfunktion der Medien ist in Krisen besonders nötig. Viele Medien in Deutschland versagen daran – das ist brandgefährlich. Um so wichtiger ist es, gegen zu halten. Wenn niemand Behörden und Regierende auf ihre Fehler hinweist, können sie diese nicht erkennen und ausbessern.


Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2020 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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Bild: Pixabay, ZDF-Screenshot

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