Kotau für die Maskenpflicht

Ein Gastbeitrag von Hans-Joachim Maaz, Psychiater und Bestseller-Autor

Wir alle kennen das lange Hin und Her über Sinn, Zweck, Nutzen und Schaden einer Gesichtsmaske. Was halbwegs gesichert ist: Dass sie nur etwas nutzen kann, wenn jemand infiziert ist. Dann erschwert die Maske die Weitergabe des Virus durch eine Tröpfcheninfektion. Selbst kann man sich mit einer einfachen Mund-Nase-Maske nicht schützen. Zum Selbstschutz getragen sind die möglichen Schäden erheblich größer: Durch das erhöhte Wiedereinatmen von CO2 und damit vermindertem Sauerstoff wird die O2-Sättigung des Blutes verringert, was für alle Organerkrankungen und die muskuläre und geistige Aktivität zu einem Nachteil werden kann. Auch durch unzweckmäßigen Gebrauch – z. B. durch das Anfassen der Maske und ihre wiederholten Verwendung können die auf der Maske versammelten Keime viel leichter zu einer Infektionsquelle werden.


Dass man andere vor sich schützen möchte, ist bei bestätigter Infektion sinnvoll und notwendig, aber bei der sehr geringen Zahl der Infizierten als Zwangsmittel für alle absolut übertrieben. Die Nutzlosigkeit bis Schädlichkeit einer Maskenpflicht muss also noch eine andere Bedeutung haben: Psychodynamisch sehe ich ein kollusives Zusammenspiel von Unterwerfung und Gehorchen - zugespitzt als ein sadomasochistischer Vorgang. Der Mundschutz ist ein Symbol für Un-mündigkeit, für Un-säglichkeit und als Maulkorb für Un-Bissigkeit. Der Nasenschutz behindert das Atmen und damit das Luftholen für Kraft, Ausdauer und das Fühlen. Um Gefühle zu aktivieren und zum Ausdruck bringen zu können, muss man tief atmen können, was durch die Maske erschwert wird.


Außerdem und besonders störend verbirgt die Maske unsere Mimik. So wird mit einer Gesichtsmaske sehr wirksam der verbale Ausdruck, die Lebensenergie durch die Atmung und unsere Kommunikationsmöglichkeit eingeschränkt. Damit ist Maskenpflicht ein erhebliches Machtmittel zur Einschüchterung, Schwächung und Hemmung. Und für die Maskenträger eine hervorragende Möglichkeit zu gehorchen und sich zu unterwerfen. Das meine ich nicht ironisch. Es gibt leider sehr viele Menschen, die selbstunsichere und abhängige Persönlichkeitsprobleme haben, die sich deshalb auch gerne führen, beraten und betreuen lassen. Das kann ein Partner sein, eine Chefin oder Regeln, Verordnungen und Gesetze. Folgt man dann der Führung, Beratung oder Anweisung muss man nicht mehr selbst entscheiden und ist der Verantwortung und vermeintlich auch eventueller Schuld enthoben.


Dass man sich - selbst bei eindeutigen Verbrechen - auf eine Befehlslage beruft, ist uns allen mit den katastrophalen Folgen gut bekannt. Der Gehorsam und die Folgsamkeit sind eben auch Symptome einer psychosozialen Schwäche, zu der man erzogen worden ist, immer mit der Gefahr, aus dem Opferstatus durch fehlende Emanzipation zum Täter zu werden.


Bezogen auf die Maskenpflicht müssen wir leider davon ausgehen, dass sehr viele Menschen diese Maßnahme nicht als Unterwerfung erleben, sondern als befreiende Hilfe, um nicht „Gesicht zeigen“ zu müssen, nicht reden und lebendig kommunizieren zu müssen, nicht frei aufatmen zu können und vom Ausdruck der Gefühle entlastet zu sein. Alle sozial phobischen, alle gehemmten und selbstunsicheren, alle schizoid-misstrauischen Menschen können in der Maskenpflicht eine erhebliche Entlastung ihrer Persönlichkeitsschwäche erfahren. Die Unterwerfung wird als relative Befreiung erlebt!


So lange das noch freiwillig war, waren die Gruppen der Unterwerfungssüchtigen und der Autonomen noch gut zu unterscheiden. Inzwischen verwischen die Grenzen. Wer allerdings beim Radfahren oder Spaziergang eine Mund-Nasen-Klappe benutzt, der muss schon ziemlich schlimm dran sein. Es gibt vielleicht eine noch viel größere Gruppe von Menschen, die eine Maskenpflicht begrüßen und nur zu gern befolgen. Der Grund für diese vermeintliche Schutz-Verordnung ist ja eine angenommene Gefahr von außen: durch Viren! So wird jeder Mensch, der verleugnete und verdrängte Ängste- und Bedrohungsgefühle aus ganz individuellen Gründen in sich trägt - verführt sein, endlich die ganze Belastungsenergie zu externalisieren und nun auf eine Virusgefahr zu projizieren. Jetzt endlich kann man einen konkreten Feind benennen gegen die unkonkrete innere Belastung und darf sich einbilden, sich schützen zu können und wirksam gegen einen äußeren Feind kämpfen und auch siegen zu können.

Der Kotau für die Maskenpflicht ist wie ein magisches Ritual, das einer Geisterbeschwörung gleicht und dann zwangsläufig zu einer ersehnten Impfpflicht hinführt, die natürlich bei sich ständig wandelnden Viren immer weiter fortgeführt werden muss. Viele werden – zumindest bis es einen Impfstoff geben sollte – die Gesichtsmaske nicht mehr ablegen wollen, die als magisches Schutzschild eine nach außen verlagerte Bedrohung fernhalten soll.

Das erklärt auch, weshalb gegen alle realen Erkenntnisse an der Bedrohungslage festgehalten werden muss oder weitere Infektionswellen nahezu herbeigeredet werden, um sich scheinbar nach Außen wirkmächtig zu erleben, um die Ohnmacht gegenüber den seelischen und sozialen Schwächen, Fehlern, Defiziten und Bedrohungen nicht realisieren und erleiden zu müssen.


Die Maskenpflicht signalisiert den Kotau vor der politischen Führung, die als Rettung angepriesen wird und das schon fast fanatische Benutzen einer vermeindlichen Schutzmaßnahme wird zum Placebo-Therapeutikum für innerseelische Not und prekäre soziale Verhältnisse. Der Mensch wird unter Kontrolle gebracht und lässt seine vielfachen Beunruhigungen hinter einer Maske verschwinden.

Das erklärt auch den Hass auf die Kritiker, die die angeblich schützenden Maßnahmen infrage stellen. Die unsäglichen Folgen wahnhafter politischer Entscheidungen dürfen nicht als sehr bedrohliche Lebens-Zerstörung realisiert werden, sondern werden als Rettung vor dem Tod eingeschätzt, ohne noch erkennen zu können, dass es sich nur um einen Phantomkampf handelt, der die inneren Verletzungen in keinster Weise vermindert, aber mit der Externalisierung der verborgenen seelischen Entfremdung zur destruktiven sozialen Realität ausformt.

In der zerstörten Zukunft spiegelt sich dann unsere psychische und soziale Realität. So müssen wir die Gesichtsmaske als Symbol verzweifelter Regression - als einen grundsätzlichen Gesichtsverlust - begreifen, der von vielen als Kotau vollzogen wird, getragen von einer illusionären Rettungshoffnung. Unsere bisherige Lebensform hat eine kritische Grenze überschritten und macht die hochnotpeinliche Unterwerfung unter ein Symbol als Rettungsphantasie verständlich.

Die gegenüber den ungelösten Problemen der Weltsituation (Umwelt, Klima, Energie, Finanzen, Migration, Hunger, Armut, Wassermangel u. a.) inzwischen impotenten Eliten verschaffen sich durch ihre Verordnungen auf Symptomebene den Anschein von Macht und die Massen retten sich in ihrer realen und gefühlten Not in ein magisches Unterwerfungsritual mit der primitiven Illusion von Schutz und Rettung.

Damit wird auch der nächste Unterwerfungsschritt - eine Impfpflicht zu akzeptieren, ja nahezu herbeizusehnen - psychologisch vorbereitet. Die Gesichtsmaske ist der moderne Gessler-Hut, den zu grüßen nicht Schutz bringt wie behauptet, sondern eine Geste der Unterwerfung ist, um die neue Normalität möglichst widerspruchslos zu etablieren. Solange die Infektionsangst mit tödlicher Bedrohung wachgehalten wird, können Massen von Menschen wie Schafe dirigiert werden. Wir müssen aber Gesicht zeigen, miteinander sprechen und unsere Situation fühlend realisieren, um keine „neue Normalität“ nur verordnet zu bekommen, sondern sie mitzugestalten. Die Masken müssen fallen, um die Realität zu erkennen und Verantwortung zu übernehmen.

Hans-Joachim Maaz, Bestsellerautor und seit 40 Jahren praktizierender Psychiater und Psychoanalytiker, war Chefarzt der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik des Diakoniekrankenhauses Halle. Er ist ein gefragter Analytiker insbesondere der gesellschaftlichen Befindlichkeit in Ostdeutschland. Seine Bücher "Die narzisstische Gesellschaft" und "Gefühlsstau" sind Standard-Werke. Zuletzt erschien im März sein Buch "Das gespaltene Land" im C.H.Beck Verlag.

Corona trifft uns alle schwer. Auch wirtschaftlich. Auch freie Journalisten. Aber gerade in der Krise sind kritische Stimmen besonders wichtig. Um auf Fehler aufmerksam zu machen, um die Mächtigen im Zaum zu halten. Umso dankbarer bin ich, wenn Sie auch in diesen schweren Zeiten mithelfen können, die Existenz dieser Seite mit Hunderttausenden Lesern und millionenfachen Abrufen zu sichern - auch gegen die juristischen Angriffe, etwa vom ARD-Chef-"Faktenfinder" Gensing. Ohne Sie geht es nicht!

Mit jedem Euro setzen Sie ein Zeichen und leisten einen Beitrag, Journalismus ohne Belehrung und ohne Ideologie zu fördern - und hunderttausendfach zu verbreiten.

1000 Dank!


Unterstützen können Sie:

Via Paypal (Link hier)

Via Banküberweisung (Boris Reitschuster, IBAN DE20 1203 0000 1007 5717 53, DKB Bank, Verwendungszweck: reitschuster.de; bedanken kann ich mich bei Überweisungen leider nur, wenn Sie eine (e-Mail-)Adresse angeben.


P.S.: Auf Wunsch erhalten Sie für jede Spende ab 20 Euro ein e-Book (PDF) meines ausverkauften Buches "Russki Extrem. Wie ich lernte, Moskau zu lieben" oder ab 30 Euro ein Druck-Exemplar meiner "Briefe aus einem untergehenden Imperium" mit persönlicher Widmung (bitte machen Sie dazu einen entsprechenden Hinweis und geben Sie unbedingt Ihr Adresse an). Wenn sie die Bücher gerne lesen möchten, aber es sich nicht leisten können, senden Sie mir eine Mail: Im Zuge der Krise möchte auch ich nach Kräften helfen, und ich schicke Ihnen gerne ein kostenloses Exemplar (bei der gedruckten Version solange der Vorrat dafür reicht).

Bild: Pixabay

Seiten-Besucher :