Linke Logik: Hetze ist, wenn man linke Hetze Hetze nennt.

Aktualisiert: Juni 20


Hetze ist nicht gleich Hetze in Deutschland. Diejenigen, die schwiegen, als Hengameh Yaghoobifarah in der linken „tageszeitung“ zur Entsorgung von Polizisten auf Müllkippen aufrief, konnten jetzt plötzlich kaum noch an sich halten vor Aufregung, weil die CSU im Gegenzug nun ihrerseits die Autorin attackierte. Anders als die „tageszeitung“ knickte die Partei sofort ein und entschuldigte sich.


Ihr Verbrechen? Auf twitter hatte sie ihren Generalsekretär Markus Blume mit den Worten zitiert: „Die hässliche Fratze der hasserfüllten Linken in Deutschland zeigt sich: In der @tazgezwitscher sollen unsere Polizistinnen und Polizisten wie Abfall auf der Müllhalde entsorgt werden. Das ist schäbige und niederträchtige Hetze!“


Unter dem Zitat veröffentlichte die CSU ein Meme, also ein Bild mit Text, das die „taz“-Autorin, die die deutsche Kultur 2017 als „Dreckskultur“ bezeichnet hatte, mit folgendem Schriftzug zeigt: „Hengameh Yaghoobifarah hetzt in der taz. SIE will Polizisten als Abfall auf der Müllhalde entsorgen!“ Dahinter war in der Bildmontage eine Aufnahme von den Ausschreitungen am Rande des G20-Gipfel in Hamburg zu sehen, sowie folgender Text: „Polizei vor linker Hetze schützen!“.

Prompt gab es einen Shitstorm von links gegen die Partei. „Verantwortungslos und gefährlich“ sei der tweet, schrieb die Vizepräsidentin im schleswig-holsteinischen Landtag, Aminata Touré (Die Grünen). „Man kann die Kolumne bewerten, wie man möchte - geschenkt. Rechtfertigt das als Partei, eine Journalistin so anzuprangern? Das ist wirklich heftig! Sie sollten sich schämen.“



Auch der Deutsche Journalistenverband schaltete sich sofort ein und schrieb an die CSU: „Man mag von der Satire in @tazgezwitscher halten, was man will - aber findet ihr als demokratische Partei es denn ok, gegen einzelne Journalist*innen zu hetzen? Denn genau das tut ihr mit diesem Tweet!“


Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Das Benennen von Hetze als Hetze sowie die Nennung von Roß und Reiter ist also nach Auffassung der Journalisten-Gewerkschaft Hetze. Gleichzeitig kritisierte der Journalistenverband auch noch die Strafanzeige der Polizeigewerkschaft gegen Yaghoobifarah: Man müsse deswegen “nicht gleich zum Gericht laufen und ‘Volksverhetzung’ rufen”, so DJV-Sprecher Hendrik Zörner.

Interessant auch: Als etwa Spiegel-Miteigentümer Jakob Augstein im Februar Tichy und Broder für das Massaker von Hanau verantwortlich machte und indirekt dazu aufrief, sie zu attackieren („sie haben Name und Adresse“), war keinerlei Reaktion des Deutschen Journalistenverbands zur Verteidigung der so Attackierten zu hören.

In der Tat würde der CSU-tweet eine Grenze überschreiten, wenn sich "hässliche Fratze" auf die Autorin beziehen würde. Aber es ist ein stehender Begriff. Und wer jetzt behauptet, es sei auf die Autorin gemünzt, entlarvt damit, dass er es ist, der unvorteilhaft über sie denkt.


Die Partei löschte den Tweet umgehend und entschuldigte sich für ihn. Blume tweetete: „Es darf nie einen Grund geben, Menschen auf die Müllhalde zu wünschen. Unsere Kritik an @tazgezwitscher ist richtig, die Form war es nicht. Für Letzteres bitte ich um Entschuldigung.“


In solchen Momenten fragt man sich, was schlimmer ist in unserem Land. Die ständigen und oft dreisten Attacken der Linken oder das konsequente Männchen-Machen der Bürgerlichen in Reaktion auf diese Attacken.


Man muss an eine alte Aussage von Kurt Tucholsky denken: „In Deutschland gilt derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als derjenige, der den Schmutz macht.“ Wer kein Problem damit hat, wenn öffentlich dazu aufgerufen wird, Polizisten auf der Müllhalde zu entsorgen, aber sofort von Hetze und einem Angriff unter die Gürtellinie spricht, wenn dafür die Autorin angegriffen wird, offenbart damit eine völlige Doppelmoral. Wer selbst mit massiven Hassattacken auf andere kein Problem hat und sich dabei auf die Meinungsfreiheit beruft, kann nicht genau die gegenteilige Position vertreten, wenn seine Gleichgesinnten kritisiert werden.

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