Neusprech aus Pakistan

Aktualisiert: Feb 16

Gastbeitrag von Lukas Mihr, Historiker und freier Journalist

In „Auf sie mit Gebrüll“ offenbart der frühere SPIEGEL-Autor Hasnain Kazim Einblicke in sein totalitäres Denken.


Schon seit geraumer Zeit bedrückt viele Deutsche die Sorge, ihre Meinung nicht mehr frei äußern zu dürfen. Wer die Flüchtlingspolitik oder den Islam kritisiert, muss um seinen Job, oder mindestens die soziale Ächtung fürchten.

Für Hasnain Kazim alles kein Problem. In seinem neuen Buch „Auf sie mit Gebrüll“ fordert er zwischen den Zeilen die Meinungsfreiheit im Namen des Anstands abzuschaffen. Bestimmte Begriffe für nicht-weiße Menschen verböten sich von selbst – egal ob diese Begriffe früher gebräuchlich waren, oder in ihrer jeweiligen Ursprungssprache schlicht „Mensch“ bedeuten. Dass Kazim Gegenargumente für den Gebrauch dieser Wörter gar nicht erst hören will, unterstreicht er mit einem: „Also benutzen wir sie nicht. Punkt.“


„Respektvoller Umgang“ Man solle in politisch brisanten Debatten keine Gefühle verletzen. Schließlich kritisiere man sein Gegenüber im Gespräch auch nicht für dessen Kleiderwahl, Frisur oder Körperumfang. Dass aber bestimmte Integrationsprobleme weit schwerwiegender sind als die von Kazim genannten Beispiele versteht sich von selbst.


„Ein zivilisierter, respektvoller Umgang miteinander beruht aber unter anderem darauf, dass man nicht alles so unvermittelt äußert, wie man es denkt. Dass man also nachdenkt, bevor man den Mund aufmacht.“


Besorgte Bürger sind für Kazim keine mündigen Erwachsenen, sondern schlicht kleine Kinder: „Wenn Kinder sich Schimpfworte an den Kopf werfen oder Fäkalsprache benutzen, sagen wir: 'Das sagt man nicht!'“

Letztlich kann man Kazims Argumenten nur schwer widersprechen. Seiner Intention, nämlich der Abschaffung der Meinungsfreiheit, sollte man jedoch entschieden entgegentreten. Dass dies wirklich seine innere Absicht ist, hatte sich schon in vorangegangenen Debatten gezeigt. Unfairer Umgang mit Sarrazin Dem SPD-Politiker Thilo Sarrazin begegnete er nicht mit Argumenten, sondern mit Lügen. Diesem schlicht unwahre Behauptungen in den Mund zu legen, ist schließlich einfacher, als ihn argumentativ zu widerlegen. Kazim kann seine Behauptung, Sarrazin habe „alle Angehörigen einer Minderheit als dumm und minderwertig“ bezeichnet, mit keiner Textstelle belegen. In einer E-Mail an die Verantwortlichen der österreichischen Sendung „Talk im Hangar-7“ erklärte er, warum er die Chance, in einer Talkshow dem ungeliebten SPD-Politiker Paroli bieten zu können, abgelehnt habe:

„Einer [meiner Standpunkte] ist, dass nicht jede 'Meinung' eine Meinung ist. Und auch, dass man nicht jedem Bullshit, jedem Rassismus, jeder Menschenverachtung, die im Deckmantel einer 'Meinung' daherkommt, eine Bühne bieten sollte. Man bietet 'Identitären' für ihre neonazistischen Ansichten keine Plattform. Man gibt Rechtsextremisten keine Redezeit. Und man lädt auch nicht Thilo Sarrazin in eine Talkshow ein.“ Statt sich inhaltlich mit Sarrazin auseinanderzusetzen, rückt Kazim ihn in die Nähe der NPD – und spricht ihm so indirekt das Recht auf freie Meinungsäußerung ab. Belege dafür, dass Sarrazin auch gut integrierte Türken nicht in Deutschland sehen will, fehlen erneut. Warum aber wird das Wort „Meinung“ in Anführungszeichen gesetzt? Keine Menschen mehr


Diesen Trick hat sich Kazim beim Starpianisten Igor Levit abgeschaut, der denkt, dass Rassismus keine Meinung, sondern nur eine „Einstellung“ ist. Und als solche nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt – mag man in Klammern hinzufügen. Levit hatte auch verkündet, dass die AfD aus Menschen bestünde, die „ihr Menschsein verwirkt haben“. Grade als Jude sollte er eigentlich wissen, was passiert, wenn man Menschen ihr Menschsein abspricht.

Alexander Gaulands Befürchtung „heute tolerant und morgen fremd im eigenen Land“ zu sein, entgegnete Kazim ein: „Gewöhn dich dran, Alter! Wir sind hier, werden immer mehr und beanspruchen Deutschland für uns. Ob du willst oder nicht.“ Hierzulande hat kaum jemand den Namen des französischen Philosophen Renaud Camus vernommen, der vor dem „Großen Austausch“ warnt. Und seine Thesen würden weder Verbreitung noch Glaubwürdigkeit erfahren, gäbe es nicht Linke wie Kazim, die sich auf das künftige Verschwinden der Weißen freuen. Wir gegen Euch In der Logik des „wir“ gegen „die“ zählt Kazim sich selbst nicht zu den Deutschen – wird aber nicht müde, zu beklagen, wegen seiner pakistanischen Wurzeln nie als Deutscher anerkannt zu werden. Gleichzeitig will er keine Ostdeutschen akzeptieren, die „mit nem Trabbi angeknattert kommen“ und die AfD wählen. Kaum jemand grenzt Hasnain so sehr aus wie Kazim.


In seinem Buch „Post von Karlheinz“ veröffentlicht Kazim seinen Mailverkehr mit besorgten Bürgern. Zum Scherz schreibt er ihnen, vier Ehefrauen zu haben und Ziegen zu schächten.

Ist Kazim ein Islamist? Natürlich nicht, im Gegenteil. Er wurde aus der Türkei ausgewiesen, weil er die autoritäre Politik Erdoğans kritisierte. Seinen Sohn lässt er nicht beschneiden – weil er als Kind selbst die schmerzhafte Prozedur über sich ergehen lassen musste. Und ebenso scharf wendet er sich gegen die Verehrung des Attentäters Mumtaz Qadri in Islamabad. Dieser hatte einen pakistanischen Politiker erschossen, der sich für die Religionsfreiheit von Christen eingesetzt hatte.


Nicht einmal Björn Höcke hatte je versucht, seine Wähler glauben zu lassen, der SPIEGEL sei von Islamisten unterwandert. Kazim tut dies jedoch allzu gern – schließlich lachen aufgeklärte Progressive gern über die bildungsferne Schicht. Sind solche Häme und Kazims sonstige Verbalausfälle etwa der „Anstand,“ den er wie selbstverständlich vom politischen Gegner einfordert? „AfD-Wähler ächten“ Erst im November hatte Kazim getwittert, er wolle keine AfD-Wähler „erreichen“: „Es geht darum, sie auszugrenzen, zu ächten, sie klein zu halten, ihnen das Leben schwer zu machen, sie dafür, dass sie Neonazis und Rassisten den Weg zur Macht ebnen wollen, zur Verantwortung zu ziehen.“

Abgesehen davon, dass dieser Tweet sein antidemokratisches Weltbild perfekt illustriert, fällt auf, dass Kazims Blick auf die AfD mehr als pauschal ist. In ihr gibt es Nationale und Rationale. Die einen wollen kriminelle Syrer abschieben, weil sie Syrer, die anderen, weil sie Kriminelle sind.


Kazim möchte keine Wähler der AfD ansprechen und er kann es auch nicht, da die Denkschablone in seinem Kopf derart feine Nuancierungen nicht kennt. Viele Bürger ließen sich tatsächlich wieder von den Altparteien überzeugen, wenn diese zu ihrer einstigen Politik zurückfänden. Merz als Gegner der AfD?


Ein möglicher Bundeskanzler Friedrich Merz, der seinen Worten auch Taten folgen lässt, könnte beispielsweise die AfD augenblicklich um wertvolle 5% der Wählerstimmen schwächen. Für die ostdeutschen Landesverbände wäre dies mehr als schmerzhaft, für die westdeutschen Parteifreunde jedoch katastrophal. Bei jeder Landtagswahl müssten sie fortan um den Einzug ins Parlament fürchten. Doch Kazim schaudert vor diesem Szenario. Gar nicht so sehr, weil sich die CDU damit den Forderungen der AfD unterwerfen würde, sondern vor allem, weil er seinen Gegner insgeheim liebt.

Linke wie Kazim brauchen den Rechten als Feindbild, um sich selbst für etwas besseres zu halten. Die Demokratie mit flammenden Appelle zu schützen gilt als mutig – und ist einfacher als die ganz alltäglichen Probleme der Politik, wie z.B. Arbeitslosigkeit oder Bildungsnotstand, anzugehen.


Kazim war mit seiner Haltung kein Exot. Das einstige „Sturmgeschütz der Demokratie“ (Der SPIEGEL über den SPIEGEL) schießt mittlerweile die Meinungsfreiheit sturmreif.


Sascha Lobo meint, dass „es Haltungen gibt, die innerhalb des Diskurses der liberalen Demokratie nichts zu suchen haben.“ Margarete Stokowski und Sibylle Berg erklärten in ihren Kolumnen die Solidarität mit der Antifa. Entlassen wegen missliebiger Meinung Und ebenso begrüßte der SPIEGEL die Entlassung James Watsons, James Damores und Maya Forstaters wegen angeblicher rassistischer, sexistischer und transphober Meinungsäußerungen.


Einen schalen Beigeschmack hinterlässt das Wort „Anstand“, das im Mittelpunkt der Argumentation steht. Es wolle doch niemand ernsthaft gegen den guten Anstand verstoßen, schließlich sind wir doch alle anständig, oder etwa nicht?

Anstand ist ein Wort ohne juristische Bedeutung. Es kann heute dies und morgen jenes bedeuten. Es bleibt diffus, lässt sich nicht greifen und kann jederzeit mit neuer Bedeutung gefüllt werden – je nach politischer Wetterlage. Würde George Orwell heute noch leben, wäre „Anstand“ fester Bestandteil des Neusprech-Vokabulars. In seinem Meisterwerk „1984“ wacht ein Wahrheitsministerium darüber, was man sagen darf und was nicht. Wird einst in Kazims Bunter Republik Deutschland ein Anstandsministerium die gleichen Aufgaben übernehmen? Anstandsministerium


Letztlich zeigt sich, dass Kazim seine islamische Prägung doch nie ganz ablegen konnte. Denn seine Argumente für die Abschaffung der Meinungsfreiheit gleichen denen für die körperliche Züchtigung der Frau im Islam.

Ein Zweig soll es sein, kein Stock. Biegsam soll er sein, nicht hart. Blutergüsse sind in Ordnung, Knochenbrüche sind es nicht. Selbstverständlich darf ein Mann seine Frau erst dann schlagen, wenn alle Möglichkeiten des Gesprächs erschöpft sind. Die Gewalt soll der Frau ihre Position verdeutlichen, aber sie nicht ernsthaft verletzen. Doch natürlich gilt: Ist die minimale Gewalt erst einmal akzeptiert, ist die massive Gewalt nicht fern.


Kazim argumentiert ähnlich. Schließlich ist er ja nicht dem Totalitarismus verpflichtet, sondern nur dem Anstand. Er will die Meinungsfreiheit nur so stark einschränken, dass sich Menschen untereinander nicht mehr mit Worten verletzen, aber nicht so stark, dass sie Angst haben, ihre Meinung frei zu äußern. Doch genau darauf laufen seine Ausführungen hinaus. Menschenrechte Wer sich auf dieses Niveau herabbegibt, dürfte es schwer haben, passende Argumente gegen Kazim zu finden. Dabei gilt ganz einfach:

Körperliche Unversehrtheit und Meinungsfreiheit sind Menschenrechte.

Da gibt es keinen Kompromiss!

Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2020 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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Bild: Ot, via WikiCommons, CC BY-SA 4.0, Shutterstock

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