Nie wieder einen (vermeintlich guten) Zweck, der alle Mittel heiligt!

Zum 66. Mal jährt es sich heute, dass sowjetische Panzer den Aufstand der Menschen gegen die Diktatur in der DDR brutal und blutig niederwälzten. Umso erstaunlicher ist, wie viele Menschen in den neuen Bundesländern heute Sympathien für Putin hegen, der ganz in der Tradition derjenigen steht, die damals Panzer gegen ihre Väter und Großväter rollen ließen – und der wohl im Gegensatz zu Gorbatschow einer Wiedervereinigung nie zugestimmt hätte.

 
Ebenso erstaunlich ist, wie schlecht es uns gelungen ist, den DDR-Unrechtsstaat und den linken Totalitarismus aufzuarbeiten. In der „Zeit“ erschien ein großer Bericht mit der Aufforderung, einen 

 

„lässigeren Blick“ auf die DDR an den Tag zu legen; die Autorin wurde kurz darauf durch eine Audienz bei Angela Merkel geadelt. Merkels Kulturstaatsministerin war gemeinsam mit der Linken (die rechtsidentisch ist mit der SED) maßgeblich daran beteiligt, mit Hubertus Knabe den bekanntesten Stasi- und SED-Aufklärer in Deutschland abzusetzen mit Methoden, die genau an sein Forschungsgebiet erinnerten – die Stasi. 

Linksradikales Gedankengut ist in Teilen von Politik und Medien hoffähig. Die Partei der Unterdrücker und Mörder von damals ist mitten in der Gesellschaft angekommen – und akzeptierter Partner im „Kampf gegen rechts“ – Stasi-Spitzel und Stalin-Verklärer als Talkshow-Stars inklusive. Selbst in der CDU streben einflussreiche Kräfte eine Zusammenarbeit mit der Ex-SED an – was noch vor zwanzig Jahren selbst die SPD für völlig ausgeschlossen hielt. 

In Berlin ist die Ex-SED, die hier einst die Mauer errichten und auf Flüchtende schießen ließ, wieder an der Regierung. Und sie führt bei Umfragen. Zum 70. Jahrestag der Luftbrücke, als US-Piloten unter Einsatz ihres Lebens West-Berlin retteten, erteilte Berlin nicht die Landeerlaubnis, die für die Feierlichkeiten nötig gewesen wäre – so konnte nur im Westen gefeiert werden. Was für ein Signal!

Wir erleben einen gigantischen linken Rollback, und weil er so langsam, so unmerklich von statten geht, nehmen ihn die Meisten kaum als solchen wahr (im Gegensatz zu Leuten, die nach vielen Jahren im Ausland in eine stark veränderte Bundesrepublik zurückkommen und ihren Augen nicht trauen, wie ich).

Der 17. Juni sollte uns mahnen, dass wir gegen Diktaturen und Demokratie-Feinde aus allen Richtungen wachsam und wehrhaft sein müssen! Uns wehren müssen gegen alle, die glauben, dass sie im Besitz der Wahrheit sind – und daraus das Recht, ja gar die vermeintliche Pflicht ableiten, Andersdenkende zu „erziehen“ oder „auszugrenzen“. Gegen alle, die glauben, sie müssten von oben herab die Gesellschaft umgestalten. Gegen alle, die meinen, sie müssten mit revolutionären Methoden Gewachsenes radikal einreißen, um dann ihre Utopien zu verwirklichen. Gegen alle, die im Namen von Toleranz und Buntheit genau diese bekämpfen, und intolerant und schwarz-weiß werden, wenn sie mit abweichenden Meinungen konfrontiert werden.  

Heute, am Jahrestag des 17. Juni, müssen wir uns besonders bewußt machen: Es ist vieles im Argen 66 Jahre danach in Deutschland. Die Geister von damals sind noch bzw. wieder fruchtbar.

Wir müssen endlich den linken Totalitarismus aufarbeiten. Wir brauchen nicht einen „lässigeren Blick“

 

darauf, sondern einen viel klareren, kritischeren. Wir dürfen nicht mit der Aufarbeitung der linken Diktatur die gleichen Fehler wiederholen, wie wir sie in der Bundesrepublik viel zu lange mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus begangen haben.

Ob diese so gelungen ist, wie angenommen wird, muss angesichts der aktuellen Entwicklung allerdings ebenfalls bezweifelt werden. Diese Aufarbeitung hat sich vor allem auf das nationale, rechtsradikale Element dieser verbrecherischen Bewegung konzentriert – ebenso notwendig wäre es aber gewesen, die sozialistischen Elemente des Nationalsozialismus aufzuarbeiten, um auch gegen diese eine ähnliche Immunität wie gegen rechtsradikales Gedankengut zu erlangen. Davon sind wie meilenweit entfernt.

Hitlers unvorstellbare, unsägliche Verbrechen werden heute von vielen missbraucht, um die Verbrechen des Kommunismus zu relativieren. Ebenso werden sie auf unerträgliche Weise für die innenpolitische Auseinandersetzung missbraucht und damit schleichend verharmlost.

Wir müssen mit diesem Relativieren und Instrumentalisieren aufhören. 

Nie wieder Totalitarismus – ob von rechts oder links!

Nie wieder einen Anspruch auf eine für alle verbindliche Wahrheit!

Nie wieder einen (vermeintlich guten) Zweck, der alle Mittel heiligt!

Nie wieder die Welt an unserem wie auch immer gearteten Wesen genesen lassen!

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