Ob konservativ oder links: Alternative Zeitungen legen zu

Ein Gastbeitrag von Dr. Manfred Schwarz

Rasante Rückgänge ihrer Printauflagen verzeichnen weiterhin fast alle Mainstream-Medien. Gegen diesen ausgeprägten Trend verbuchen einige kleinere, meinungsstarke Medien – ob besonders links oder klar konservativ ausgerichtet – jetzt erneut erstaunliche Zugewinne. Gemeint sind die Junge Freiheit, Cato und Tichys Einblick sowie der Freitag und die taz. Woran liegt das?

Von 1991 bis 2019 sind die Auflagen der deutschen Print-Medien von 27,3 auf 13,5 Millionen Exemplare zurückgegangen. Die immer zahlreicheren E-Abonnements verlangsamen zwar nun diese Talfahrt, vermögen sie aber überwiegend nicht zu stoppen. „Den Haltungsmedien laufen die Leser in Scharen davon“, kommentierte die Zeitung Wochenblick. Was das österreichische Portal freilich nicht erwähnt: Dieser Abwärtstrend trifft nicht alle Zeitungen und Zeitschriften. Auch im Mainstream sind einige Medien gegen den Trend sehr wohl sehr erfolgreich. Und: Von einem Erfolg zum anderen eilen in Deutschland fünf kleine „alternative“ Print-Medien, die sich durch unterschiedliche politische Profile stark unterscheiden und dabei in zwei völlig gegensätzlichen Bereichen des medienpolitischen Spektrums agieren.

Die zum Teil krass unterschiedlichen Entwicklungen der Print-Medien lassen sich aus den umfangreichen Statistiken der Berliner IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern) herauslesen, die quartalsweise erscheinen und seriös erstellt sind. Bundesdeutsche Medien – bisweilen mit Ausnahme einiger Medien-Fachportale – berichten jedoch in aller Regel nicht über diese Entwicklungen. Immer folgenden Analyse finden Sie Beispiele der Veränderungen von Druckauflagen: Verglichen werden Zahlen des zweiten Quartals 2020 mit den Statistiken des zweiten Vierteljahres aus dem Vorjahr.

Die Junge Freiheit, Cato, Tichys Einblick, Cicero, der Freitag und die taz

Einen bemerkenswerten Zuwachs – allerdings bei einem relativ niedrigen Ausgangsniveau – gab es erneut für die konservative Berliner Wochenzeitung Junge Freiheit (+ 4,1 Prozent Zuwachs bei der gedruckten Auflage innerhalb eines Jahres). Die Zeitschrift hat im zweiten Quartal von 2020 wöchentlich 30.726 Exemplare verkauft. Die Zahl der Abonnements einschließlich der „Sonstigen Verkäufe“ (Studenten-, Schüler- und Sozial-Abos) stieg 2020 gegenüber dem Vorjahr um 6,8 Prozent – auf 28.016.

Die Zahl der verkauften E-Paper wuchs dabei um 2,9 Prozent auf 4.847 Abonnements. Am Kiosk war die verkaufte JF-Auflage – wohl vor allem aufgrund der coronabedingten Einschränkungen des Handels etwa in Bahnhofsbuchhandlungen – allerdings deutlich rückläufig. Hier gab es ein Minus von 17,4 Prozent.

Die Redakteure des konservativen Magazins Cato (das zum Verlag der Jungen Freiheit gehört, seinen Sitz in Räumlichkeiten der Bibliothek des Konservatismus hat und zweimonatlich in Berlin-Charlottenburg erscheint) haben auch Grund zur Freude. Die Zeitschrift legt zu um 10,1 Prozent (7.458).

Über einen ähnlich hohen prozentualen Zugewinn freut sich der liberal-konservative Roland Tichy, der das gedruckte Frankfurter Monatsmagazin Tichys Einblick (TE) herausbringt. Die Print-Zeitschrift, die zusätzlich zum TE-Internetauftritt publiziert wird, hat nun eine Auflage in Höhe von 18.491 erreicht – das ist ein Zuwachs von stolzen 9,4 Prozent.

Dem eher liberal-konservative Magazin Cicero (Berlin) wird immer wieder vorgeworfen, es könne sich nicht so recht entscheiden zwischen zwei Alternativen: sich entweder gegenüber dem politischen Mainstream zu emanzipieren – oder doch im Windschatten dieses Mainstreams zu segeln. Folge: Der Cicero muss riesige Verluste verkraften, die Auflage ist abgerutscht auf 49.179 – ein Verlust von 20,2 Prozent.

Die ausgesprochen links positionierte Wochenzeitung Freitag – herausgegeben von Jakob Augstein, dem Adoptivsohn des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein – erzielt ein Plus von 4,5 Prozent (Gesamtauflage: 24.536). Der links-grünen taz, die in den letzten Monaten mit mehreren Hetz-Artikeln beispielsweise gegen die Polizei von sich reden machte, ist es nach längerer Zeit wieder einmal gelungen, ihre Auflage zu erhöhen: um 4,4 Prozent (51.563).

Das Neue Deutschland hingegen, das als Partei-Tageszeitung einst in der DDR von der SED gegründet wurde und heute als Organ der Partei Die Linke gilt, klagt weiterhin über stark schwächelnde Auflagen (– 8,5 / 19.531).

Die größten Verlierer im linken Mainstream

Der größte Verlierer unter den deutschen Printmedien ist mit Abstand die Zeitung Die Welt – aus dem Hause Springer. Die Tageszeitung verlor in den letzten 12 Monaten sage und schreibe 43 Prozent an Druckauflage, die jetzt nur noch auf 68.098 beziffert wird. Doch auch andere Medien sackten erstaunlich kräftig ab – so der Focus (30,5 Prozent Minus / Auflage noch: 255.262), die Wirtschaftswoche (– 22,8 / 91.590) und die Bunte (– 20,3 / 350.729).

Auch die einst so stolze Polit-Illustrierte Stern musste wiederum kräftig Federn lassen (– 18,6 / 377.922). Auch die Bild-Zeitung, Europas größtes Boulevardblatt, verliert weiter erheblich an Boden – allerdings immer noch auf einem sehr hohen quantitativen Niveau: Dieses Mal beträgt das Minus 18 Prozent (1.149.699).

Dann folgen Capital (– 16,9 / 111.014), die FAZ (– 13,8), die Bild am Sonntag (– 12,4 / 659.496), die Welt am Sonntag (– 9,4 / 348.291) und der Spiegel (– 9,3 / 641.741). Der lange währende Aufwärtstrend der Süddeutschen Zeitung (SZ), die heute bundesweit als Schrittmacher der linksliberalen Tageszeitungen gilt, ist derzeit anscheinend zu Ende. Die SZ verschlechterte sich um 8,7 Prozent auf 307.973 Zeitungen.

Mainstream: Die größten Gewinner

Aber unter den Medien des Mainstreams gibt es sehr wohl auch Gewinner. Die Zeit, das linksliberale „Leitmedium“ aus Hamburg, erhöht ihre Auflage wiederum: auf nun 521.927 Druck-Exemplare. Ein neuerlicher Zuwachs von 4,2 Prozent. Damit hat die Wochenzeitung ihr „Allzeithoch“ (Medienbranchendienst dwdl.de) erreicht.

Das Handelsblatt erhöhte seine Auflage auf 88.471, ein knapper Zugewinn von 0,4 Prozent. Die Wirtschaftszeitschrift Plus (Auflage: 25.302) steigert sich um 20,3 Prozent, gefolgt von Der Aktionär (+ 16,5 / 43.183). Greta zum Beispiel, eine (Frauen-)Regenbogenzeitschrift, die trotz des spezifischen Titels mit der schwedischen Klima-Politaktivistin Greta nur wenig am Hut hat (Auflage: 12.968), verbessert sich um überraschende 47,5 Prozent. Die Freundin erreicht ein Plus von 11.1 Prozent (200.333).

Warum gehen die Print-Auflagen meist zurück?

Natürlich spielt das Internet, das sich immer stärker entwickelt, eine große Rolle für die Minus-Zahlen der meisten Verlage. Viele Leser wollen möglichst gratis (Häppchen-)Nachrichten lesen, sehen oder hören. Lange Hintergrund-Berichte interessieren die Mehrheit kaum. Aber eine womöglich noch größere Rolle spielt die Tatsache, dass viele Bürger den privaten Medien zunehmend nicht mehr politisch vertrauen.

Die Begriffe „Lückenpresse“ und „Lügenpresse“ sind zentrale Begriffe der deutschen Sprache geworden. Die Themen, über die viele politisch sehr interessierte Bürger lesen wollen, werden einfach nicht – oder politisch recht einseitig – behandelt. „Das ständige Vorbeischreiben an den Interessen und an der Lebenswirklichkeit der Leser spielt eine entscheidende Rolle“ (Boris Reitschuster). Warum soll man solche Medien noch kaufen wollen?

Gegen den Abwärts-Trend entwickeln sich deshalb häufig solche Medien, die sich nicht scheuen – im Widerspruch zum Geist der Political Correctness –, ebenfalls politisch brisante Themen anzugehen. Diese Medien schrecken nicht davor zurück, eine klare, begründete – und ehrliche – politische Meinung zu vertreten. Erfolgreich sind beispielsweise auch solche „Sparten-Medien“, die sich an Menschen richten, die spezifische Hobbys pflegen oder andere besondere Interessen haben. Diese Zeitschriften spezialisieren sich gezielt auf ganz bestimmte, abgegrenzte Themengebiete. Beispiele: Sport-Zeitschriften und Hobby-Magazine.

Steht eine zusätzliche, staatliche Medien-Subventionierung ins Haus?

Die großen Mainstream-Medien, die anhaltend herbe Auflagenverluste beklagen, überlegen offenbar schon jetzt, auf welche Art und Weise sie vom Staat weitere Subventionen erhalten könnten. Im schlimmsten Fall müssten bald Steuerzahler die Medien, die sie gar nicht lesen wollen, mit nicht unerheblichen Steueranteilen trotzdem subventionieren.

Eine große direkte – und damit auffällige – Subventionierung zu fordern, werden die jetzt herrschenden Parteien wahrscheinlich so bald nicht wagen. Allzu leicht könnten sich viele Bürger schnell darüber empören, die schon jetzt zu hohe Zwangsgebühren für die öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten beklagen.

Doch die Regierungen in Bund und Ländern könnten weitreichende indirekte Zuwendungen sehr wohl schnell realisieren – zum Beispiel durch gezielte, erhebliche Steuer-Reduzierungen. Die derzeit staatstragenden Parteien werden auf Dauer mit allen auch nur halbwegs legalen Mitteln versuchen, die Medien tatkräftig zu unterstützen, die bestrebt sind, die Herrschaft des linken Mainstreams nachhaltig abzusichern.


Dr. Manfred Schwarz (Politologe): Zivillehrer an der Hamburger Landespolizeischule, dann etliche Jahre Berufsschullehrer und Dozent in der staatlichen Lehrerfortbildung (Bereich: Politik); jeweils acht Jahre Medienreferent in der Hamburger Senatsverwaltung und (nebenamtlich) Vizepräsident des nationalen Radsportverbandes BDR (verantwortlich für die bundesweite Medienarbeit / Herausgeber einer Internet-Radsportzeitung). CDU-Mitglied, sechs Jahre Mitglied des Hamburger CDU-Landesvorstands. Heute Autor für verschiedene Internetportale mit den Schwerpunkt-Themen Politik und Medien.


Korrekturhinweis: In der ursprünglichen Fassung dieses Beitrags hat sich an zwei Stellen jeweils ein bedauerlicher Fehler eingeschlichen. Die Auflage des Print-Magazins Tichys Einblick hat sich um 9,4 Prozent auf 18.491 Exemplare verbessert, hier war ein Zahlendreher. Beim Cicero muss es richtig heißen, dass die verkaufte Auflage bei 49.179 Exemplaren liegt, was immer noch beachtlich ist (Quelle hier). Der Autor und ich bedauern die beiden Fehler sehr und bitten um Nachsicht.


Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2020 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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Bild: Pixabay/PXhere/Reitschuster


QUELLEN

https://www.ivw.eu/aw/print/qa?erschort=Berlin&gattung%5B%5D=tz

Einzel-Zahlen

https://www.wochenblick.at/leserzahlen-deutscher-haltungsmedien-fallen-um-bis-zu-43-prozent/

von 1991 bis 2012

https://www.dwdl.de/

Zitat

https://www.reitschuster.de/post/dramatische-entwicklung-zeitungsverk%C3%A4ufe-brechen-ein

Zitat BR

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