Suhl: Gewalt unter Ausschluss der ÖR-Sender

Massives Regierungsversagen, Wegsehen der Behörden, zu späte Reaktion auf Corona – all das wurde am Montag Abend im Heute-Journal im ZDF beklagt. Sie können es nicht glauben? Nun, all diese Kritik richtete sich auch nicht gegen die deutsche Regierung – sondern gegen die Österreichische. Die hat auf die Corona-Krise weitaus schneller und entschiedener reagiert als die Deutsche. Und damit auch bei vielen Bundesbürgern Sympathien gewonnen. Im Skiort Ischgl haben die Österreichischen Behörden offenbar in der Tat versagt – aber solches Versagen gab und gibt es in Deutschland reihenweise – man muss nur die bis vor kurzem völlig ungehinderte Einreise von Flugpassagieren aus den besonders betroffenen Ländern China und Iran erwähnen, oder die bis heute nicht sichergestellte Versorgung mit Masken und Desinfektionsmitteln, die Verzögerung bei der Grenzschließung, und vieles andere mehr (nachzulesen in meinem Beitrag „Das Corona-Chaos made in Germany„).

Über all das hört man wenig bis nichts, und wenn dann eher beiläufig in den öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendung. Nicht vermeldet wurde so auch am Montag etwa im heute-Journal, einer der wichtigsten Nachrichtensendungen des Landes mit Millionen Zuschauern, was sich für dramatische Szenen in Suhl abgespielt hatten: Asylbewerber hatten dort die Quarantäne-Anweisungen wegen eines Corona-Falls missachtet und damit die Gesundheit ihrer Mitbürger aufs Spiel gesetzt. Auch in den anderen öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen wurde dieser Vorfall offenbar kaum erwähnt – ich schreibe bewusst „kaum“ und „offenbar“, weil ich es zeitlich nicht schaffe, alle in Gänze anzusehen, und vielleicht irgendwo doch kurz darauf hingewiesen wurde – aber entscheidend ist im Journalismus nicht, ob überhaupt berichtet wird, sondern wie: Ob im Kleingedruckten – wenn man hier die Zeitungssprache auf das Fernsehen überträgt – oder mit einem längeren Bericht im vorderen Teil der Sendungen.

Eine Suchanfrage bei google mit „Suhl Polizei tagesschau“ ergibt null Treffer zu den Ereignissen. Mit den Schlagwörtern „Suhl Polizei heute“ findet man einen Bericht des MDR – also der regionalen Anstalt. Ganz offensichtlich wurde das Ereignis als nur regional relevant eingestuft. Dabei ist es mehr als relevant auch bundesweit, und damit verpflichtend zur Berichterstattung, wenn Menschen, die als „Schutzsuchende“, wie es neudeutsch heißt, zu uns gekommen sind, mit ihrem Verhalten die Menschen, die ihnen Schutz suchen, in Gefahr bringen – und auch noch Gewalt ausüben.

Zur Erinnerung: Wie die Polizei in Thüringen am Montag mitteilte, hatte in Suhl am Wochenende etwa 20-30 „junge Männer“ versucht, trotz Quarantäne über den Zaun ihres Flüchtlingsheimes zu klettern. Als die Polizei dies verhindern konnte, versammelten sich die Männer am Haupttor. In die erste Reihe stellten sie Kinder als Schutzschilde. Eine Taktik, die man den Kämpfern des IS kennt. Bei der Auseinandersetzung wurde mindestens eine IS-Fahne geschwenkt: Einer Terrororganisation, die für unzähliges Leid und Morden verantwortlich ist. Die sehr aggressiven Männer, den offiziellen Angaben zufolge vor allem Georgier (ein christliches Land mit einer muslimischen Minderheiten von Tschetschenen) und aus den Maghreb-Staaten, wollten das Tor mit Gewalt überwinden. Sie versuchten auch, die Unterkunft in Brand zu setzen und über die Kanalisation die Innenstadt zu kommen. Vierzig Polizisten waren vier Stunden lang in handfeste Auseinandersetzen mit den Männern verwickelt, bis sie die Lage unter Kontrolle bringen konnte (Details hier).

Es dauerte vier Tage, bis es zu entschiedenen Gegenmaßnahmen kam. Am Dienstag sind weitere Einsatzkräfte hinzu gezogen worden, wie die Neue Presse in Coburg berichtet: „Großaufgebot an der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (EAE) in Suhl. Mit Wasserwerfer, Räumfahrzeug und SEK-Kräften ist die Polizei auf dem Friedberg vor der Einrichtung aufgefahren. Gegen 17 Uhr gehen Einsatzkräfte mit Schutzausrüstung ins Objekt und trennen eine seit Tagen auffällige Gruppe von den restlichen Bewohnern.“ Etwa 200 Beamte waren im Einsatz, darunter auch Spezialkräfte des Landeskriminalamtes sowie viele Bereitschaftspolizisten, wie Thüringen24 berichtet. Beamte, die in dieser Zeit der Krise sicher anderswo dringend benötigt worden wären. Viele Medien berichteten über die Vorfälle – aber in der Regel eher klein, auf den hinteren Seiten oder im Internet da, wo nicht wenige hinsehen auf der Seite.

Im heute-Journal gestern, am Abend des Großeinsatzes – kein Wort darüber. Dafür war da Volkserziehung angesagt. Moderatorin Slomka gab mit strenger Inbrunst Verhaltensregeln aus, Nachdem das Ausmaß der Krise lange verharmlost wurde, nun offenbar ein Kurswechsel um 180 Grad. So als ob irgend jemand oben den Schalter umgelegt hätte – weil die Lage immer dramatischer wird. Aber Notstand hin oder her: Im Nachrichtenblock kamen die Themen, die offensichtlich auch in der Corina-Krise unvermeidlich sind: Der Kampf gegen den Rassismus, die Forderung nach Wohnungsenteignungen und natürlich – das Klima. Die Ideologie darf auch in der Krise nicht zu kurz kommen. Dafür verzichten die Öffentlich-rechtlichen auf das, was ihre Aufgabe wäre: Ausführlich und prominent von den Ereignissen in Suhl zu berichten, die wichtig und relevant sind. Aber offenbar passen sie nicht ins Weltbild. Oder bei den öffentlich-rechtlichen werden die Vorgaben des Migrationspakts strikt umgesetzt – dort heißt es ja, die Berichterstattung in Sachen Migration solle positiv sein.

Wie sehr Ideologie und Staatstreue inzwischen den Journalismus ersetzt hat, zeigt noch ein anderes Beispiel: Wie die gleichen Politiker und Journalisten, die sich noch vor Tagen über den US-Einreisestopp laut empörten, jetzt den EU-Einreisestopp durchsetzten bzw. begrüßten. In Krisenzeiten wird die Heuchelei und Gleichtaktung von Regierung und vielen (nicht allen!) Journalisten besonders deutlich. Schlimm, dass der Preis dafür sehr hoch sein wird.

P.S.: Ich werde massiv angefeindet, weil ich kritisch über das deutsche Corona-Krisenmanagement berichte, es wurde mit „Hetze“ vorgeworfen (siehe hier). Ich bin vom Gegenteil überzeugt: Die Kontrollfunktion der Medien ist in Krisen besonders nötig. Viele Medien in Deutschland versagen daran – das ist brandgefährlich. Um so wichtiger ist es, gegen zu halten. Wenn niemand Behörden und Regierende auf ihre Fehler hinweist, können sie diese nicht erkennen und ausbessern.


Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2020 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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Bild: Pixabay, ZDF-Screenshot

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