Unerwünschtes Werk

Das Buch, das Putins Claqueure in Deutschland verhindern wollten: „Die Ukraine-Krise ist eine Krise Europas“ – fast atemberaubende Antworten auf die Frage, was hinter dem Konflikt steht, liefert der Regensburger Professor Jerzy J. Maćków – einer

der wirklichen Russland-Versteher in Deutschland - in seinem neuen Werk.


Auf 118 Seiten bringt er Einblicke, die selbst den Fachmann immer wieder überraschen. Er entlarvt Mythen und bricht komplexe Zusammenhänge so weit herunter, dass sie mit einem Mal bestens verständlich erscheinen: Etwa, warum in Deutschland das Motto „Russland zuerst“ heißt – ein Erbe aus Kaiserzeiten. Was hinter der vermeintlichen „Teilung“ der Ukraine steckt. Mackow warnt eindrücklich vor Putins Politik der „Russki mir“ (russische Welt), dem Expansionsdrang, der dahinter steckt, und seinen dramatischen Gefahren für uns im Westen. Mackow entschlüsselt den Konflikt als neue Etappe in dem jahrhundertealten Aufeinanderprallen eines despotisch geprägten Politik- und Gesellschaftsverständnisses, das er auf das „Mongolenjoch“ in Russland zurückführt – und eines westlichen, aufgeklärten Politikverständnisses, in dem nicht der Staat, sondern der Mensch im Mittelpunkt steht, und in dessen Tradition er auch die „Kiewer Rus“ sieht. Eine der Schlüsselszenen in dem Buch ist das Aufeinanderprallen dieser beiden Welten beim Beitritt der ukrainischen Kosaken (Hetmanat) zu Russland in Perejaslaw 1654 – dazu unten ein kurzer Text-Auszug.


Die Geschichte dieses grandiosen Buches ist abenteuerlich: Von der – von Schröder-Freund Bodo Hombach geleiteten - Bonner Akademie für Forschung und Lehre Praktischer Politik (BAPP) als ein langer Essay in Auftrag gegeben und vom Berliner NicoLai Verlag zur Publikation vorbereitet, lehnten beide diese im letzten Augenblick ab. (zum nachdenklich stimmenden Entstehungs- und Publikationsweg des Buchs siehe den Blog des Autors: http://jerzy-mackow.blogspot.de/2016/03/blog-post_16.html).


Auszug: „Chmielnizkijs Wahl war auf Moskau gefallen, weil er dieses Reich für das schwächste unter den „zur Auswahl“ stehenden Schutzmächten hielt – der Polnischen Krone, dem Osmanischen oder eben dem Moskauer Zarentum. Von der Wahl des Schwächsten versprach sich der Hetman die größtmögliche Autonomie für sein Hetmanat − eine Fehleinschätzung mit verhängnisvollen Konsequenzen für die Ukraine. Schon die feierliche „Einigungszeremonie“ von Russland und dem Hetmanat, die im Jahre 1654 in der südlich von Kiew gelegenen Stadt Perejeslaw stattfand, wirkte auf die Kosaken so befremdlich, dass sie sogar überlegten, die Feierlichkeiten abzubrechen. Der Zar kam nicht persönlich nach Perejeslaw, sondern schickte zur Vertragsunterzeichnung seinen Gesandten. Dieser wurde von Chmielnizkij, der in der polnischen Welt daran gewöhnt gewesen war, dass jeder neu gewählte König sich feierlich verpflichtete, die bestehenden Gesetze und Privilegien zu respektieren, aufgefordert, im Namen des Moskauer Herrschers zu schwören, die Freiheiten der Kosaken künftig zu achten. Als Antwort bekam er zu hören: „Untertanen sollen ihrem Herrscher Treue schwören, nicht umgekehrt“, mit anderen Worten: Der Zar ist an kein Gesetz gebunden und die Untertanen haben ihm trotzdem zu gehorchen. Eine Aussage, mit der die Quintessenz der in der russkij mir herrschenden rechtsnihilistischen Politikauffassung dargelegt ist.!

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