Corona: Wollten IWF und Weltbank Lukaschenko bestechen?

Die Nachricht geht durch die sozialen Netzwerke wie eine Bombe: Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko soll vom IWF und der Weltbank großzügige Millionenangebote erhalten haben für den Fall, dass er von seiner Politik als „Corona-Muffel“ abweiche und in der kleinen Republik zwischen Russland und Polen strikte Corona-Maßnahmen einführe.

In den großen Medien ist über Lukaschenkos angebliche Aussage nichts zu finden. Viele Menschen in den sozialen Netzwerken sind deshalb etwas ratlos und wissen nicht, was sie von der Information zu halten haben, und ob es sich um Fake-News handelt oder nicht. Da ich des Russischen mächtig bin, habe ich die Originalquelle gesucht und gefunden. Sie können sich hier Lukaschenkos entsprechende Aussage hier im russischen Original oder hier mit Übersetzung ansehen. Und hier in Schriftform: „Der Chef der Nationalbank ist der Chefunterhändler mit dem Internationalen Währungsfonds. Wie läuft es da? Was fordern da unsere Partner von uns? Es wurde darüber gesprochen, dass es eine Möglichkeit gibt, Weißrussland 940 Millionen Dollar zur Verfügung zu stellen. So genannte ‘Schnellfinanzierung‘. Wie das entschieden wird? Da will ich sagen: Wir lassen uns nicht unter den Pantoffel bringen! Da war die Forderung: Macht es im Kampf mit dem Corona-Virus so wie in Italien. Aber ich will das nicht, Gott bewahre uns, dass wir eine Situation haben wie in Italien. Wir sind ein eigenes Land, und haben eine eigene Situation! Auch die Weltbank hat gesagt, sie wird uns zehnmal mehr Geld zur Verfügung stellen, wenn wir effektiv gegen diese Krankheit kämpfen. Die wollten sogar die Erfahrungsberichte von unserem Gesundheitsministerium. Und der Währungsfonds stellt uns weiter diese Forderungen: Führt eine Isolation ein, eine Quarantäne, eine Ausgangssperre! Aber das sind Dummheiten!“

Breit im Internet bekannt wurde die Aussage Lukaschenkos, nachdem auf einer italienischen Plattform der Journalist Nicola Bizzi darüber berichtete. Fälschlicherweise wird geschrieben, die Äußerungen seien auf einer Pressekonferenz gefallen. Es handelte sich um eine Besprechung im Juni, bei der es um die Unterstützung der Realwirtschaft durch das Bankensystem ging. Anwesend sind offenbar hohe Beamte, unter anderem allem Anschein nach der Zentralbankchef.

Im Internet wird nun viel spekuliert, auch andere Staaten hätten ähnliche „unmoralische Angebote“ erhalten wie Lukaschenko. An solchen Spekulationen möchte ich mich nicht beteiligen. Ich kann nur soviel sagen: Die Aussagen hat Lukaschenko tatsächlich so gemacht. Ob er dabei die Wahrheit erzählte oder flunkerte, ist schwer zu beurteilen. Der Staatschef ist als notorischer Lügner bekannt. Und man kann sich schlecht vorstellen, dass ausgerechnet er für sein stets klammes Land ein Angebot von 940 Millionen Dollar ausgeschlagen haben soll – aus Sorge um die Menschen.

Interessant ist noch die Frage, ob Lukaschenko, der politische Gegner brutal unterdrücken lässt, ein Motiv gehabt haben könnte, zu lügen. Potentiell könnte er versucht haben, den Verzicht auf strenge Corona-Bekämpfungsmaßnahmen als patriotischen Akt gegen ausländischen Einfluss darzustellen. Der Staatschef hatte Corona als „Psychose“ bezeichnet. Gut vorstellbar ist auch, dass die Kreditvergabe an Weißrussland aus ganz anderen Gründen gescheitert ist – und der Präsident mit der Erzählung von der Corona-Erpressung das Gesicht wahren wollte. Doch dafür wären auch viele anderen Vorwände tauglich gewesen.

Fazit: Der Wahrheitsgehalt von Lukaschenkos Aussage ist schlicht und einfach nicht verifzierbar. Klar scheint nur eines, und auch das ist wichtig zu wissen: Die entsprechende Aussage stammt von Mitte Juni und hat also nichts mit den aktuellen Protesten gegen die Wahlfälschungen zu tun, die dazu führten, dass der Stuhl des Diktators wackelt (siehe hier). Klar ist auch, dass nach vielen glaubhaften Berichten starke Kräfte in der EU und auch in Deutschland allen sonstigen Bekenntnissen zu Menschenrechten zum Trotz wenig Interesse daran zu haben scheinen, dass die Proteste gegen Lukaschenko zu seiner Ablösung führen. Aus welchen Gründen auch immer.

Wie sich der Verzicht auf Corona-Maßnahmen medizinisch auswirkte, ist etwa auf Wikipedia nachzulesen (siehe hier). In dem Land ist laut WHO ein deutliches Absinken der Infektionskurve seit Anfang Juni zu sehen. Die Zahl der Todesfälle betrug demnach am 10. August 587. Das sind 62 Tote auf eine Million Einwohner. Zum Vergleich: in Deutschland sind es 111 pro Million, in den USA 573, in Großbritannien 609, in Spanien 612 und in Belgien 857.


Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2020 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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Bild: Pixabay/Tim Reckmann/flickr.com/CC BY 2.0/bearbeitet/Reitschuster/QuehlText: red

Ein Kommentar zu Corona: Wollten IWF und Weltbank Lukaschenko bestechen?
    B.O
    6 Sep 2020
    22:21
    Kommentar:

    Boris Reitschuster..sehr engagiert

    0
    0

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