Do-it-yourself-Skandale: Wie sich “Monitor” seine Agenda bastelt

Jeder hat nur zwei Augen, und auch nur eine begrenzte Geduld, was gewisse öffentlich-rechtliche Sendungen angeht. Weil die aber doch unzählige Zuschauer erreichen, und von uns allen durch Gebühren finanziert werden müssen, ist es wichtig, sie im Auge zu behalten. Und dabei helfen mir meine Leser sehr. Ich möchte deshalb heute hier eine Leser–Zuschrift veröffentlichen zur gestrigen Monitor-Sendung, die ich sehr interessant finde:

Kennen Sie das, wenn Ihnen irgendwann einfach der Kragen platzt?! Meistens hat man über viel zu lange Zeit Sachen in sich reingefressen, akzeptiert, über Verfehlungen hinweggesehen und dann ist es der bekannte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Bei mir war dieser Moment heute, als ich Georg Restle im Monitor-Magazin vom 20.08.2020 gesehen habe. Und das ist nur der besagte Tropfen.

1. Markus Söder, ab Minute 9:35 (siehe hier):

In einer minutenlangen Hass-Tirade wird Markus Söder – und ich bin selbst kein Fan von Herrn Söder – vorgeworfen, dass er persönlich die Versäumnisse der Corona-Prüfungen zu verantworten hat. Das ist ungefähr so plausibel wie Frau Merkel für die gefälschten Bilanzen von Wirecard zur Verantwortung zu ziehen. Herr Söder hat (vermutlich) nicht die Tests durchgeführt und Frau Dr. Merkel wird auch nicht die Bilanzen von Wirecard gelesen haben. Selbst das kostenfreie Testangebot für alle Bayern wird ihm in dem Bericht zur Last gelegt. Berliner kostet dieser Test 150 EUR. Oder sie fliegen für 50 EUR nach Mallorca hin und zurück – dann erhalten sie diesen kostenlos. Soweit noch gestestet wird, da die Tests in Berlin am 18.08. nach einem Vorfall am Flughafen eingestellt wurden.

Natürlich sollte das „Verfehlen“ aufgeklärt werden, in wie weit Herr Söder dafür persönlich verantwortlich ist, soll bitte einem Gericht und nicht Herrn Restle überlassen werden.

2. Deutsche Rüstungstechnologie in der Türkei, ab Minute 21:00 (siehe hier):

In dem Bericht geht es um einen Technologie-Transfer zwischen Deutschland und der Türkei. Direkt am Anfang wird uns von Frau Dr. Simone Wisotzki erklärt, dass die Türkei ohne den Wissenstransfer wohl noch 5-10 Jahre benötigt hätte, um die „Technologie selbständig herzustellen“. Woher die promovierte Politikwissenschaftlerin dieses Fachwissen hat, erschließt sich mir erstmal nicht. Auch die Tatsache, dass die Türkei ein Nato-Partner ist, wird nur in einem Nebensatz erwähnt.

Es geht um den Technologie-Transfer zur Waffenproduktion der Lenkraketen, konkret um die „Panzerabwehrlenkwaffen LRAT und MRAT“. Eigentlich auch nicht genau diese, sondern die MAM-L, die die Türkei selbst produziert. Diese ist laut Monitor „baugleich“, hat aber ein anderes System und einen anderen Antrieb. Zitat Monitor: “In diesen Raketen dürfte deutsches Know-How stecken!“ .. hmm, aber ist das nicht die Grundlage eines jeden Technologie-Transfers? Und belegt das „dürfte“ von Monitor irgendeinen Nachweis?

Nun stützt sich Monitor auf eine Bundestaganfrage der Grünen und „listet eine Reihe von Exporten auf“ (Zitat Monitor). Leider war der Kameramann krank und der Azubi musste aushelfen, weshalb die Anzahl der gelieferten Gefechtskörper dummerweise in dem gezeigten Beitrag abgeschnitten ist. Die Antwort ist da leider ziemlich enttäuschend. Das Original finden Sie über diesen Link, aber auch gerne hier als Screenshot:

In acht Jahren wurden sage und schreibe ganze sechs „Panzerabwehrlenkwaffen“ an einen Nato-Partner geliefert. Monitor spricht „von geringen Stückzahlen zwischen 2010-2018“. Ich würde „gering“  hier mit „6“ beziffern, aber ich bin auch kein Mathematiker oder Politikwissenschafter wie Frau Dr. Simone Wisotzki. Und um das mal in einen Vergleich zu stellen: zwischen “2006 bis 2011 wurden insgesamt 354 Kampfpanzer des Typs Leopard 2 A4“ an die Türkei geliefert. Aber es wird noch besser! Zuerst heißt es (Minute 26:23): „Die Anzahl der Gefechtsköpfe war genau richtig, es den Ingenieuren in der Türkei zu ermöglichen die Gefächtsköpfe zu verstehen und nachzubauen!“. Die MAM-L wird seit 2016 von der Türkei eingesetzt. Ein paar Bier später kommt Monitor nun zum folgenden Schluss: „Die Bundesregierung hatte sich mehrfach verpflichtet, keinen Export von Waffen oder Rüstungsgütern in Krisengebiete zu genehmigen“ und liefert als Beweis einen Beschluss vom 19. Oktober 2013.

Sprich: Mit dem Beschluss wurde – entsprechend der Auflistung oben – die Lieferung eingestellt. Warum 2018 dann 2 Gefechtsköpfe geliefert wurden, kann ich als Laie nicht erklären. Ob das aber ein Skandal ist, zu dem es Monitor machen möchte?! Ich halte es für VÖLLIG ABSURD.

Der Preis einer LRAT – ich habe keinen Preis eines deutschen Herstellers gefunden – der Internationale Schnitt liegt aber wohl bei 39.900 USD. Das sind bei „6“ Raketen dann 239.400 USD – oder 13.5 Monatsgehälter für Georg Restle und seinen Qualitätsjournalismus. Und das ist aus meiner Sicht der eigentliche Skandal.


Und hier noch eine weitere Leser-Zuschrift zur gestrigen Monitor-Sendung, von Frank Daarsten:”BREAKING-NEWS+++BREAKING-NEWS+++

Neues von Georg Restle!!! Heute Abend berichtete Restle in Monitor von den “immensen” Gefahren, sich in den Zügen der Deutschen Bahn mit Corona zu infizieren… Offenbar hatte Herr Restle nichts auf der Hand und da musste eine obskure Studie aus China (!) herhalten… Und jetzt halten Sie sich bitte fest: Prügelt man den Deutschen nicht schon monatelang ein, dass Schutzmasken schützen? In der Sendung kam auch Gesundheits”experte” Lauterbach zu Wort: “Wenn Sie stundenlang neben einem Infizierten sitzen, dann stecken Sie sich höchstwahrscheinlich an – auch mit Maske”. Herr Reitschuster, das ist doch nun der Offenbarungseid per exellance!! Damit sagt Lauterbach ja nichts anderes, als dass Schutzmasken völlig nutzlos sind… Oder was meinen Sie??”

Ich habe mir schon lange abgewöhnt, irgendetwas meinen zu wollen in diesen Tagen. Es ist schon aufreibend genug, die ganzen Widersprüche zu dokumentieren, antwortete ich Frank Daarsten mit einer Portion Galgenhumor.


Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2020 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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Bilder: Screenshots ARD/Monitor

Text: red

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