Sexueller Übergriff auf Kölns Bürgermeisterin

Es geschah mitten in der Öffentlichkeit, auf dem Christopher-Street-Day am Mauritiuswall in Köln: Die stellvertretende Oberbürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes (SPD, 67), wurde Opfer eines sexuellen Übergriffs, als sie sich ein Bild von der Lage machen wollte und eine Gruppe Feiernder ansprach. „Die jungen Männer waren ohne Mindestabstand und ohne Maske unterwegs. Als ich sie darauf hinwies, kam mir einer von ihnen mit einem wahnsinnigen Blick sehr nah. Unsere Nasenspitzen berührten sich. Plötzlich fasste er mir an die Brust, es war unfassbar.“

Obwohl sie geschockt war, reagierte die Sozialdemokratin schnell. Sie holte Polizisten, die direkt in der Nähe waren, zur Hilfe, und so konnte der Tatverdächtige schnell gestellt werden. Scho-Antwerpes: „Es war ein Mann um die 30, offenbar mit Migrationshintergrund. Der Mann hat sich nicht einmal entschuldigt.“

Sie spreche so offen über den Vorfall, so Scho-Antwerpes, „um Frauen Mut zu machen, sich in solchen Situationen zu wehren und keine Konsequenzen zu fürchten.“ Der Vorfall habe Spuren hinterlassen. Weiter sagte die Sozialdemokratin einen Satz, der nachdenklich macht: „So etwas zu erleben, ist ein einschneidendes Erlebnis, einfach unschön. Ich bin tief verletzt. Mit so einem respektlosen Übergriff rechnet man nicht.“

So sehr Scho-Antwerpes unser aller Mitgefühl gelten muss und so widerlich jede Art von Häme wäre, so sehr zwingen sich, da sie Politikerin ist, doch Fragen auf: Etwa, warum die Bürgermeisterin einer Millionenstadt, die durch massenhafte Übergriffe auf Frauen in der Silversternacht 2016 weltweit in die Schlagzeilen gekommen ist, nicht mit solchen respektlosen Übergriffen rechnete?

Es stellt sich auch die Frage, wie realistisch die Bürgermeisterin die Situation in ihrer Stadt bzw. in unserem Land einschätzt, wenn sie solche Gewalt für nicht vorstellbar hielt? Ist sie Opfer der Verdrängung und Schönfärberei in der eigenen Partei, in der Politik, und gerade auch in den Medien?

Die Reaktion von Scho-Antwerpes zeigt, wie sehr ein Teil der Verantwortlichen hierzulande offenbar in einer Wirklichkeit lebt, die sehr gut von der Realität der Mehrheit der Menschen abgeschirmt ist. Zu der gehört, dass Frauen in Großstädten heute leider sehr wohl mit „respektlosen Übergriffen“ rechnen müssen – insbesondere dann, wenn sie etwa nicht besser betucht sind, den öffentlichen Nahverkehr nutzen müssen und sich abends kein Taxi leisten können.

Schlimmer noch: Wenn Frauen über diese Ängste reden, werden sie schnell als „rechts“ oder als „Nazi“ diffamiert. Und selbst wer als Journalist die Ängste dieser Frauen thematisiert, muss mit solcher Diffamierung rechnen – ich wurde dafür sogar als „braune Schmeißfliege“ beschimpft.

Das liegt leider auch daran, dass Politiker wie Scho-Antwerpes „nicht mit Respektlosigkeit rechnen“, obwohl diese längst Alltag ist in Deutschland und man nur aufhören müsste, wegzusehen, um das zu erkennen. Dass die Kölner Sozialdemokratin nach dem Übergriff Klartext redete, ehrt sie. Und ist zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer.

PS: Die linke Nachwuchspolitikerin Selin Gören wurde im Januar 2016 vergewaltigt. Die Täter: vermutlich Flüchtlinge. Bei der Polizei zeigte Gören aber nur einen Diebstahl an. Und als Täter beschrieb sie fälschlicherweise eine Gruppe von Männern, unter denen auch Deutsche gewesen sein sollen (siehe Interview hier).

PS: Eine weitere Nachricht von heute: Bestürzung und Fassungslosigkeit herrschten am Montagabend in Obergünzburg. Die Nachricht vom gewaltsamen Tod einer 27-Jährigen Frau, die in einem überwiegend mit Schülern gefüllten Linienbus mutmaßlich von ihrem Noch-Mann erstochen wurde. Sowohl der mutmaßliche Täter (37)  als auch das zehn Jahre jüngere Opfer stammen aus Afghanistan. Der mutmaßliche Täter ist der Polizei schon seit November 2019 bekannt. Damals sei es zu einem Übergriff des Mannes auf seine Ehefrau gekommen, berichteten die Ermittler.


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Bilder: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

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