"Westeuropäer neigen zu Denkverboten"

„Die Westeuropäer haben 70 Jahre Urlaub von der Geschichte gehabt, sie haben nur Freiheit, Frieden und Wohlstand kennengelernt, und viele halten das für ein Naturgesetz, sie haben das bei uns in Osteuropa allgegenwärtige Gefühl dafür verloren, wie zerbrechlich diese großen Errungenschaften sind, sie neigen zu Denkverboten, zum Wegsehen und Verdrängen der Gefahren, viele stellen die Ideologie über die Realität, sie wollen nicht sehen, dass die westliche, demokratische, freie Zivilisation angegriffen wird, dass wir uns in einem Krieg der Zivilisationen befinden, weil uns die Anti-Demokraten, die Gegner der Freiheit, die Autoritären angreifen., innen wie außen.“

 

Das sagte mir, sinngemäß, Vytautas Landsbergis, Unabhängigkeitskämpfer und erster Staatschef Litauens nach dem Auseinanderbrechen der UdSSR, an dem

 

er maßgeblich beteiligt war. Leider konnte ich dem großen alten Mann, der sein Leben riskierte im Kampf für Freiheit und Demokratie gegen Diktatur und Sozialismus, nicht widersprechen. Seine Einschätzung deckt sich weitgehend mit meinen Erfahrungen. Und ich finde es besonders bitter, dass sich recht viele aus dem Westen arrogant erheben über die wohl begründete Vorsicht und Angst derjenigen, die im Osten den Hauch der Geschichte noch lebendig erlebt haben und Freiheit und Demokratie nicht geschenkt bekamen, sondern sich erkämpfen müssten. Das ist einer der Gründe dafür, warum sie heute für deren Gefährdung ein besonderes Gespür haben – wer dagegen nur Freiheit, Frieden und Demokratie besaß, neigt dazu, sie für so selbstverständlich zu halten wie die Luft zum Atmen – bei der merkt man das Fehlen auch erst, wenn sie weg ist.

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