Wie Berlin das Weltklima rettet – mit 20 Kübelpflanzen

Wahrscheinlich kennen wir das alle: Wenn man vor einer schwierigen Aufgabe steht, ob es nun der Hausputz, das Lernen für eine Prüfung oder die Vorbereitung der Steuererklärung ist, dann neigt man dazu, sich kleineren Aufgaben zuzuwenden und sich mit denen abzulenken – da geht man dann lieber nochmal schnell einkaufen oder ruft jemanden an. Schon im Privaten können solche Angewohnheiten ins Auge gehen. Wenn sie aber in der Politik einen immer breiteten Raum einnehmen, ist das für eine Gesellschaft gefährlich. In Berlin findet man dafür fast täglich Beispiele. Das Jüngste stammt aus dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Wo Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann von den Grünen selbst zugibt, dass sie sich abends in bestimmten Gebieten nicht mehr auf die Straße traut, und wo für Drogenhändler im Görlitzer Park schon mal Verkaufszonen markiert wurden und ein Denkmal für den „Unbekannten Drogenhändler“ den öffentlichen Raum schmückte.

So als ob dieser Bezirk keine anderen Probleme hätte, wurde dort jetzt eine unglaubliche Innovation in Sachen Welt- bzw. Klimarettung eingeführt, die von der Hauptstadtpresse auch prompt wohlwollend aufgenommen wurde: „Erste ,Klimastraße’ in Friedrichshain“, titelte die B.Z. aus dem Springer-Verlag. Und übernahm sodann weitgehend die Pressemitteilung des Bezirksamtes. Dort heißt es, dass ein Straßenbereich „als grüne Oase zur Naherholung gestaltet“ worden sei: „Mit dieser kleinen Fußgänger*innen-Zone im Rudolfkiez entsteht Raum für Bewegung und Spielmöglichkeiten an der frischen Luft. Die Begrünung des Straßenraumes verbessert das Mikroklima und die Aufenthaltsqualität deutlich. Sie spendet Schatten und kühlt den aufgeheizten Straßenraum.“

Weiter verkündet Bürgermeisterin Herrmann, die Drogenhändler in ihrem Bezirk nicht ausgrenzen, sondern integrieren will: „In der Klimastraße kann gerollert, mit Straßenkreide gemalt oder einfach nur getobt werden – Kinder sollen ihren Bewegungsdrang ausleben können. Mit der Begrünung leisten wir einen Beitrag zum urbanen Klimaschutz: Bäume sind die besten Klimaschützer. Sie filtern die Luft und spenden Schatten. Die Klimastraße verwandelt eine ehemals durch Blech geprägte Straße in einen grünen Freiraum für die Menschen.“ Das klingt nach einem kleinen Paradies mitten im Großstadtdschungel.

Hier sehen Sie die “Oase der Naherholung”:

Die Realität wirkt wie eine Parodie auf die großen Ankündigungen und die wohlwollenden Presseberichte. 20 mickrige Bäumchen in Kübeln steht auf dem Kopfsteinpflaster auf einem kleinen Abschnitt einer Straße. Direkt neben einem riesigen Spielplatz mit viel Grün und großen Bäumen – so dass schon vorher für „Begrünung“ gesorgt war und Kinder auch so auf ihre Kosten kamen. Wie auf dem Kopfsteinpflaster „gerollert und mit Straßenkreide gemalt“ werden soll, wie die grüne Bezirksbürgermeisterin ankündigte, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Ebenso, wie die schwindsüchtigen Bäumchen „Schatten spenden und den aufgeheizten Straßenraum kühlen“ werden, wie es die Lokalpolitikern großmündig ankündigte.

Außer schönen Schlagzeilen und hohen Kosten – die Summe teilt das Bezirksamt nicht mit – nichts gewesen, sollte man meinen. Doch so ist es nicht: Denn die Anwohner haben weniger Parkplätze, und auch der Verkehr wird behindert durch die Sperrung – was im Zweifelsfall zu mehr zusätzlichen Abgasen führt als die kleinen Bäumchen Nutzen bringen. „Das die Bäumchen in wenigen Wochen tot sein werden, ist jetzt schon klar, weil die Kübel viel zu klein sind“, meint die youtuberin Carolin Matthie, die vor Ort eine „Klimastraßen-Begehung“ machte und aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kam (anzusehen hier): „Das ist ja noch mickriger, als ich es mir vorgestellt habe. Aber klar, man kann das Geld ja auch einfach so rausballern“. Zumindest im bankrotten Berlin, wo ohnehin die reicheren Bundesländern, allen voran Bayern, über den Länderfinanzausgleich jeden Unsinn finanzieren müssen.

Projekte dieser Art, die offenbar vor allem zum Geldausgeben und Ärgern von Autofahrern da sind, haben in der alternativen Hochburg in der Hauptstadt Tradition. So ließ die Bezirksverwaltung die Bergmannstraße mit riesigen Felsbrocken blockieren. Für 2.175 Euro. Zuvor ließ sie mehrere Parklets als „Begegnungszonen“ auf die Fahrbahn stellen und grüne Punkte in den Asphalt ein. Die „melonengelben Aufenthaltsmodule“ sollten das „verträgliche Miteinander Aller im Straßenverkehr fördern“. Es kam jedoch schnell zu heftigen Protesten von Anwohnern, von Auto- und Radfahrern. Sie sahen in den teuren Sitzgruppen eine Behinderung. Das Experiment musste vorzeitig beendet werden, der grüne Stadtbaurat räumte Fehler bei der Umsetzung ein: „Es ist nicht gut gelaufen, wirklich.“ Die Kosten für das “nicht gut gelaufene“ und vorzeitig angebrochene Projekt: 1.121.753 Euro.


Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd, besagt ein chinesisches Sprichwort. In Deutschland 2020 braucht man dafür eher einen guten Anwalt.

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Bilder: Carolin Mattie/Ekaterina Quehl

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